Pestizide verbotene im Obstanbau in Deutschland

Greenpeace-Studie belegt illegalen Vertrieb

Im deutschen Agrarhandel werden verbotene und teils hochgiftige Pestizide vertrieben und beim Anbau von Obst und Gemüse eingesetzt. Das gab die Umweltschutzorganisation Greenpeace gestern in Berlin bekannt. Bei einer mehrmonatigen Recherche hatten verdeckt auftretende Aktivisten bei elf Händlern 38 Kanister illegaler Schädlingsbekämpfungsmittel kaufen können.

Die insgesamt 100 Kilogramm Pestizide enthielten dabei elf in Deutschland nicht oder nicht mehr erlaubte Wirkstoffe, darunter das hochgiftige E605. Sechs dieser Chemikalien sind auch in den anderen EU-Staaten nicht oder nur unter strengen Auflagen zugelassen. "Wir sind entsetzt über das Ausmaß des Handels und die Menge und Gefährlichkeit der vertriebenen Chemikalien", sagt Manfred Krautter, Agrarexperte bei Greenpeace.

Die Recherchen der Umweltschützer konzentrierten sich auf die Bundesländer Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sowie auf das angrenzende französische Elsass, wo sieben der elf Händler ihre Firmensitze haben. Mit deutschem Verkaufspersonal und oft sogar gegen Rechnung wurde dort mit den illegalen Schädlingsbekämpfungsmitteln gehandelt. Daraus folgert Krautter: "Es herrscht also offensichtlich noch nicht mal ein Unrechtsverständnis bei den Beteiligten." Zu denen gehören auch Mitarbeiter von Deutschlands größtem Agrarhändler Raiffeisen: Vier der elf betroffenen Betriebe in Deutschland und Frankreich gehören laut Greenpeace direkt oder indirekt zu der Genossenschaft. Anlass zu den Recherchen der Umweltschützer gaben Proben von deutschem Obst und Gemüse aus den vergangenen Jahren, die zum Teil mit verbotenen Pestiziden belastet waren.

Berliner Zeitung, 29.11.2006

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