Abrus precatorius L.

 

Paternoster-Erbse(n), Abrusbohne, Jequirity-Same(n). E: Indian liquorice. F: Liane à réglisse, Réglisse d’Amérique. I: Regolizia d’America. NL: Paternostererut.

 

 

EDV-Code: ABRPR.

Familie: Fabaceae, Schmetterlingsblütler.

Verbreitung, Vorkommen: Ursprünglich in Ostindien beheimatet. Gegenwärtig in fast allen Tropenländern verbreitet.

Droge: Semen Abri, Abri semen, Abrusbohnen.

Eirunde bis epillipsoidische, 5-9 mm lange, 5-7 mm breite, hartschalige, glatte, glänzende, scharlachrote Samen mit tief schwarzem Nabelfleck. Geruchlos, Geschmack bohnenartig [H 12].

Hauptwirkstoffe: Das Toxalbumin Abrin, das vor allem in den Samen, aber auch in Wurzel und Rinde vorkommt. Nach neueren Erkenntnissen ist Abrin ein Gemisch verschiedener Lectine. Für die systematische Toxizität sind die Abrine a-d verantwortlich, die unterschiedliche Toxizitätswerte aufweisen.

Abrin a gehört zu den stärksten bekannten Giften. Die Blätter sollen neben Abrin Glycyrrhizin, das sich in der Wurzel der sogen. „Indischen Liquiritia” findet, enthalten.

Vergiftungserscheinungen: Keine Gefahr droht, wenn die unzerkauten Samen verschluckt werden, da die widerstandsfähige Schale durch die Verdauungssäfte nicht aufgelöst wird. Zerkaute Bohnen führen zu Vergiftungen.Die toxischen Eigenschaften der Samen gehen beim Erhitzen verloren.Nach einer Latenzzeit von wenigen Stunden bis 2 Tagen entsteht eine schwere Gastroenteritis mit Erbrechen, Durchfall und Krämpfen. Nicht selten heftige Nebenwirkungen, wie Hornhauttrübungen, ja sogar Verlust beider Augen infolge Phthisis bulbi, ferner Dacriocystitis, Periostitis der Nasen- und Tränenbeine, Symblepharon, Exophthalmus, akuter Glaukomanfall, Lidabszeßss oder Hypertrophie der oberen Lider, Erythema faciei und Erysipel sind beobachtet worden. Die als „Jequirity-Ophthalmie” bezeichnete Konjunktivitis ist eine sekundäre Entzündung und beruht auf einer durch das in Abrus precatorius enthaltene Toxalbumin Abrin verursachten Gerinnung in den Gefäßen der Bindehaut. Diese, die roten Blutkörperchen agglutinierende Wirkung (Thrombenbildung), ist die hervorstechendste Eigenschaft des Abrins, das außerdem an der Applikationsstelle Indurationen hervorruft und spezifisch auf den Haarboden wirkt, wobei es Haarausfall erzeugt [M 2].

Die Samen werden gelegentlich als Ketten verkauft. Auch zu Rosenkränzen werden sie verarbeitet. In letzter Zeit sind sie als schmückender Zusatz in Trockengestecken aufgetaucht. Todesfälle von Kindern, die 1-2 Paternostererbsen zerkaut hatten und schwere Vergiftungen von Erwachsenen schon nach dem Genußss von 1/2-2 Samen sind aus Amerika berichtet worden.

Um ein Pferd zu töten, sollen 60 g der Samen genügen, während Rinder, Schafe und Ziegen widerstandsfähiger sein sollen.

Gefährlichkeitsgrad: Sehr stark giftig + + +

Vorschriften: Abrus precatorius: Monographie der Kommission D.

Literatur:

F 16           Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

F 17           Frohne, D., Schmoldt, A., Pfänder, H.J.: Die Pasternoster - keineswegs harmlos. Dtsch. Apoth. Ztg. 124(43), 2109-2113, 1984

 

 

H 12           Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

J 12           Jaspersen-Schib, R.: Giftpflanzen als Weihnachtsschmuck. Dtsch. Apoth. Ztg. 130, 2766-2772, 1990

 

 

K 27           Koenen, E.: Heil- und Giftpflanzen in Südafrika. 272 S., Windhoek: Akademischer Verlag, Stuttgart, Stuttgarter Verlagskontor, 1978

 

 

L 10           Liebenow, H., Liebenow, K.: Giftpflanzen. 248 S., 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1981

 

 

M 2            Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Bd. I-III, G. Thieme Verlag, Leipzig, 1938

 

Mxx:         von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U., Bunjes, R., Brockstedt, M.: Vergiftungen im Kindesalter, 4. Aufl., Thieme Verlag Stuttgart, 2003

 

 

Therapie:  16, 3a

 

 

 

 

Erste Hilfe:

Nach Verschlucken Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Sofort Giftinformationszentrum oder Arzt anrufen.

Sofortige Magenentleerung (Ipecac), danach Kohlegabe, Stationäre Überwachung.

Nach Hautkontakt beim Durchbohren der Samen: Haut mit viel Wasser abwaschen, bei Unwohlsein ärztlichen Rat einholen

 


 

   

   

Acalypha hispida Burm. f.

 

Nesselschön, Paradiesnessel, Katzenschwanz. E: Copper leaf. F: Ricinelle. NL: Rode kattestaart.

 

 

EDV-Code: ACCHI.

Familie: Euphorbiaceae, Wolfsmilchgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Heimat: Guinea (Westafrika), in allen trop. Ländern verwildert; Zimmerpflanze.

Beschreibung: Bis 1,80 m hohe, strauchige Pflanze. Blätter eiförmig, gestielt, wechselständig, Blattrand gesägt. Blütenstand achselständig, bis 50 cm langes, hochrotes Kätzchen.

Blütezeit: April-Oktober.

Giftige Pflanzenteile: Der weißliche Milchsaft.

Vergiftungserscheinungen: Der Milchsaft soll Haut- und gastrointestinale Entzündungen hervorrufen [M 33].

Gefährlichkeitsgrad: Giftig +

Literatur:

M 33           Mitchel, J., Rook, A.: Botanical dermatology - Plants and plant products injurious to the skin. Greengrass Ltd. Vancouver, Canada, 787 Seiten, 1979

 

 

Therapie: 16

 

 

 Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen.

Kohlegabe. Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

 

Nach Kontakt mit dem weißlichen Milchsaft: Haut mit viel Wasser abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.

 


 

   

  Acokanthera oblongifolia (Hochst.) Codd

 

[Acokanthera spectabilis (Sond.) Hook. f., Carissa spectabilis (Sond.) Pichon]

Wachsbaum, Acokanthera.

 

 

EDV-Code: CISSP.

Familie: Apocynaceae, Hundsgiftgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Heimat: Südwestafrika; Zimmerpflanze.

Beschreibung: Immergrüner Strauch. Blätter elliptisch, bis 14 cm lang, grün, kurz gestielt, gegenständig. Blüten reinweiß, mit 5 Kronblättern, in achselständigen Büscheln.

Blütezeit: Februar-April.

Weitere giftige Acokanthera-Arten [E 12]: Acokanthera oppositifolia (Lam.) Codd.

(Strauch, Blütezeit: 2-4, Verbreitung: Süd-Afrika, tropisches Ostafrika)

Acokanthera ouabaïo Poiss.

(Strauch, Blütezeit: 2-4, Verbreitung: Ost-Afrika).

Giftige Pflanzenteile: Die milchsaftführenden Stengel und Blätter, nicht die Früchte, die in der Heimat der Pflanze von der Bevölkerung gegessen werden.

Hauptwirkstoffe: In den Blättern Spectabilin und Acospectosid A, in den Stengeln Acobiosid A und Acovenosid A, im Holz Ouabain.

Vergiftungserscheinungen: Spectabilin hat digitalisähnliche Wirkung.

Gefährlichkeitsgrad: Stark giftig ++

Anmerkung: Acokanthera-Arten (5 Arten) sind Bäume und Sträucher von 2-7 m Höhe, die von Nord-Äthiopien bis zur Südspitze Afrikas vorkommen und den Eingeborenen zur Bereitung von lähmendem Pfeilgift dienen [N 8].

Literatur:

E 12           Enke, F., Buchheim, G., Seybold, S.: Zander Handwörterbuch der Pflanzennamen. 14. Aufl., 810 S., Verl. Eugen Ulmer, Stuttgart, 1993

 

 

H 12           Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

N 8            Neuwinger, H.D.: Afrikanische Pfeilgifte. Naturw. Rundschau 27(9), 340-359 u. 27(10) 385-402, 1974

 

 

 

Therapie: 14

 

 

 Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken von Teilen der Stängel und Blätter: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Sofortige Kohlegabe.

Nach Kontakt mit dem Milchsaft: Haut sofort mit viel Wasser abwaschen.

Sofort Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

 


 

   

Aconitum napellus L.

 

Blauer Eisenhut. E: Monkshood. F: Aconit napel. I: Aconito napello.

 

 

Familie: Ranunculaceae, Hahnenfußgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Alpen und Mittelgebirge Europas; in Gebirgswäldern, an Bachufern und auf feuchten Weiden. Zierpflanze in Gärten.

Beschreibung: Ausdauernde, krautige Pflanze, ca. 50-150 cm hoch. Blätter handförmig, 5-7 fach geteilt. Die dunkelblauen helmförmigen Blüten in vielblütigen, endständigen Trauben. Balgfrüchte mehrsamig.

Blütezeit: Juni-August.

Sammelart mit vielen Unterarten, die vielfach als eigene Arten beschrieben werden.

Droge: Tubera (Radix) Aconiti, Aconiti tuber, Eisenhut, Sturmhutknollen.

Knollen dunkelgraubraun, derb, prall oder etwas längsrunzelig, 4-8 cm lang, bis über 2 cm dick, kurz oder gestreckt rübenförmig. Geschmack süßlich, dann kratzend, später würgend scharf.

Herba Aconiti, Aconiti herba, Eisenhut-kraut.

Die Droge darf nicht länger als ein Jahr aufbewahrt werden.

Auszug aus der Monographie der Kommission E:

Aconitum napellus (Blauer Eisenhut)

Risiken: Wegen der geringen therapeutischen Breite können Intoxikationserscheinungen bereits im therapeutischen Dosisbereich auftreten. Diese sind Parästhesien. Erbrechen, Schwindel, Muskelkrämpfe, Hypothermie, Bradykardie und Herzrhythmusstörungen, zentrale Atemlähmung.

Giftige Pflanzenteile: Die ganze Pflanze, besonders Wurzel und Samen.

Hauptwirkstoffe: Leicht hydrolysierbare Esteralkaloide von terpenoider Struktur. Hauptalkaloid ist das Aconitin (Acetylbenzoylaconin) C34H47NO11.

In geringeren Mengen Pikroaconitin (Benzoylaconin, Isaconitin, Benzaconin) C32H45NO10, Mesaconitin (Acetylbenzoylmesaconin) C33H45NO11 Hypaconitin (Acetylbenzoylhypaconin) C33H45NO10 sowie die freien Alkamine Aconin C25H41NO9, Napellin C22H33NO3, Neopellin C32H43--45NO8 und Neolin C24H39--41NO6 [H 12].

Vergiftungserscheinungen: Kälteempfindlichkeit, Empfindungsschwierigkeit, Übelkeit, Erregung, Herzrhythmusstörungen, Krämpfe, Lähmung der Zunge, der Gesichts- und Extremitätsmuskeln, zuletzt Kreislauflähmung.

Der Verfasser Roth hat bei der Herstellung von Aconitinhydrochlorid beim Abnehmen der Schutzmaske eine kleine Menge des Stoffes an den Nasenflügel gebracht. Hierauf stellte sich rasch Kribbeln, und nach wenigen Minuten ein „pelziges” Gefühl ein, so daßss der Nasenflügel nahezu gefühllos war. Ein heftiger Ausbruch von kaltem Schweiß und leichte Herzrhythmusstörungen folgten. Nach etwa 1,5-2 Std. waren die Symptome langsam abgeklungen. Bei der Rekonstruktion stellte sich heraus, daßss die Menge, die auf diese Weise durch die Haut aufgenommen werden konnte, mit größter Wahrscheinlichkeit unter 1 mg lag.

Mengen über 0,2 g sind schon toxisch. Nach Liebenow soll der Alkaloidgehalt der Knolle während der Blüte am geringsten und im Winter am höchsten sein.

Pferde und Wiederkäuer sind durch Aufnahme der Pflanze besonders gefährdet, es folgen Schwein, Hund und Geflügel. Letale Dosis für Pferde 300-400 g der frischen, für Hunde 5 g der getrockneten Wurzel [H 18].

Schon beim Pflücken der Pflanze kann das Gift durch die Haut eindringen und Hautentzündungen sowie schwere Vergiftungen hervorrufen [A 14].

Der blaue Eisenhut ist die giftigste Pflanze in unseren Breiten. Glücklicherweise kommen Vergiftungen nur selten vor. Der nachstehende Fall wird deshalb ausführlich wiedergegeben, weil darin moderne Behandlungsmethoden geschildert werden:

Ein 57 jähriger, der wegen einer Hypertonie und Diabetis mellitus Typ 2 b in ärztlicher Behandlung war, erntete in seinem Garten mehrere Kräuter, die er verzehrte. 45 Minuten später suchte er ein Krankenhaus auf, da er im Mund- und Rachenbereich ein heftiges Brennen verspürte. Er hatte starke Parästhesien in den Extremitäten und heftige Bauchkrämpfe. Dem Mann war übel, er hatte auch schon erbrochen. Haut, Schleimhäute und Abdomen waren unauffällig, dafür zeigte sich eine schwere Herzrhythmusstörung (hochfrequente Kammertachykardie). Klinisch-chemisch fiel lediglich ein mäßig überhöhter Blutzucker auf. Wegen seiner Risikofaktoren wurde er gründlich kardiologisch untersucht; im EKG zeigte sich eine Herzfrequenz, die zwischen 80 und 140 Schlägen pro Minute schwankte. Im Echokardiogramm fiel eine Hypertrophie des linken Ventrikels auf. Der Rechtsherzkatheter zeigte eine linksventrikuläre Disfunktion Stadium 1, mit dem Linksherzkatheter wurde eine koronare Herzkrankheit ausgeschlossen. Während der ersten Stunde nach der Aufnahme entwickelte der Patient mehrmals Kammerarrhythmien (Kammertachykardie, Kammerflattern) und wurde auf der Intensivstation aufgenommen. Es war mehrmals eine elektrische Kardioversion erforderlich; parenterale Gabe von Xylocain war erfolglos, mit Propaphenon parenteral (70 mg) konnte schließlich ein stabiler Sinusrhythmus erzielt werden. Eine Magenspülung förderte keine Pflanzenreste mehr zutage (der Patient hatte ja schon ganz am Anfang erbrochen, was ihm vermutlich das Leben rettete). Carbo medicinalis wurde über die Magensonde appliziert. Letztendlich verantwortlich für die schwere Intoxikation ist Aconitin, es fördert den Natriumeinstrom in die Myokardzellen und verhindert die Repolarisation. Da es kein Antidot gibt, mußss symptomatisch behandelt werden: Pflanzenteile durch Erbrechen oder Magenspülung entfernen, Carbo medicinalis geben, Putrescin 150 bis 300 mg/kg Körpergewicht soll die aconitininduzierten Herzrhythmusstörungen antagonisieren; im vorliegenden Fall war der Natriumantagonist Propaphenon sehr wirksam.

[Maeso matronero et al. Herz-Kreislauf 24 (1992) 201-203. Zitiert nach „Ärztliche Praxis” Nr. 59 vom 25. Juli 1992.]

Aus den Erfahrungen der Beratungsstelle für Vergiftungserscheinungen, Berlin:

6 jähriger Junge aß von der knolligen Wurzel. Er zeigte mehrfaches Erbrechen, war wesensverändert, dann kollaptisch und benommen, RR 90/70, Puls 104/min.

Erwachsener: Einnahme als Teemischung: trockener Mund, Brechreiz.

Erwachsener/Suizid: alkoholischer Auszug von Wurzeln: blaßssfahle Haut, kalt, leicht marmoriert, EKG: polytope ventrikuläre Extrasystolen.

Erwachsener/Suizid: ca. 20 Fingerhut- und ca. 4 Eisenhutblätter: Bradykardie, Rhythmusstörungen [K 40].

Anwendung in der Homöopathie: D3 (cave)-D6 bei initialen, grippalen, akuten Fieberzuständen, Neuralgien, bes. Trigeminus-Neuralgie. Stenocardie, Endo- und Pericarditis.

Gefährlichkeitsgrad: Sehr stark giftig +++

Vorschriften: Alle Aconitum-Arten sind geschützt (A, CS, D, CH, I, YU).

Aconitum napellus: Monographie der Kommission D u. E.

Kosmetikverordnung, Anlage 1, Nr. 11: Aconitum napellus L., seine Wurzeln, Blätter und seine Gemische dürfen beim Herstellen oder Behandeln von kosmetischen Mitteln nicht verwendet werden.

Verbotener Stoff der Kosmetik-Verordnung v. 19. 6. 1985, Anlage 1: 11 Aconitum napellus L. seine Blätter, Wurzeln und Zubereitungen.

Literatur:

A 14           Altmann, H: Giftpflanzen, Gifttiere: Merkmale, Giftwirkung, Therapie. BLV-Verlag, München, Wien, Zürich, 144 Seiten, 1991

 

 

B 36           Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

E 12           Enke, F., Buchheim, G., Seybold, S.: Zander Handwörterbuch der Pflanzennamen. 14. Aufl., 810 S., Verl. Eugen Ulmer, Stuttgart, 1993

 

 

F 16           Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

G 4            Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

H 1            Habermehl, G.: Mitteleuropäische Giftpflanzen und ihre Wirkstoffe. 137 S., Springer Verlag, Heidelberg, 1985

 

 

H 12           Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

H 18           Hapke, H.J.: Toxikologie für Veterinärmediziner. 408 S., Enke Verl., Stuttgart, 1975

 

 

K 40           Krienke, E.G., von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U.: Vergiftungen im Kindesalter, 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1986

 

 

L 10           Liebenow, H., Liebenow, K.: Giftpflanzen. 248 S., 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1981

 

 

M 2            Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Bd. I-III, G. Thieme Verlag, Leipzig, 1938

 

Mxx:         von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U., Bunjes, R., Brockstedt, M.: Vergiftungen im Kindesalter, 4. Aufl., Thieme Verlag Stuttgart, 2003

 

 

 

Therapie: 14

 

 

 

 

 Erste Hilfe:

Nach Verschlucken, auch im Verdachtsfall: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Sofort Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen. Sofortige Magenentleerung (Ipecac, ggf. Magenspülung), Gabe von Kohle, Glaubersalz. Intensivüberwachung.

 

Bei Hautkontakt: Haut sofort mit viel Wasser abwaschen. Sofort Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

 


 

   

Acorus calamus L.

 

Kalmus. E: Sweet flag. F: Acore vrai. I: Calamo aromatico. NL: Kalmoes.

 

 

EDV-Code: ACSCA.

Familie: Araceae, Aronstabgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Aus Kleinasien eingeführt und in Mitteleuropa eingebürgert; verbreitet an Gräben und Teichen.

Beschreibung: Ausdauernde, bis 1,20 m hohe Pflanze, mit kriechendem Wurzelstock. Blätter schwertförmig, zweizeilig gestellt. Blüten unscheinbar, gelbgrün, an einem bis 8 cm langen Blütenkolben. Blütezeit: Juni-Juli.

Droge: Rhizoma Calami, Calami rhizoma, Kalmuswurzelstock.

Der geschälte Wurzelstock ist von rötlichweißer Farbe. Geruch aromatisch, Geschmack brennend aromatisch.

Giftige Pflanzenteile: Rhizom und das daraus gewonnene Öl.

Hauptwirkstoffe: Am Beispiel des Kalmus soll etwas näher auf die Inhaltsstoffe und auf die große Schwankungsbreite der Inhaltsstoffe auch gutuntersuchter Drogen eingegangen werden.

Es erschien eine Arbeit von Keller und Stahl über die Inhaltsstoffe und den β-Asarongehalt des Kalmus. Hierin wurde festgestellt, daßss es mehrere Varietäten der Droge gibt:

1.      diploide Pflanzen: Acorus calamus L. var. americanus Wulff

 

 

2.      triploide Pflanzen: Acorus calamus L. var. vulgaris L.

 

 

3.      tetraploide Pflanzen: Acorus calamus L. var. angustatus Bess. und Acorus calamus L. var. verus L.

 

Der ätherische Ölgehalt der verschiedenen Kalmusdrogen schwankte zwischen 1,7 und 8,7 %. Noch bedeutender war der Unterschied beim Gehalt an cis-Isoasaron=β-Asaron im ätherischen Öl, der bei den diploiden Pflanzen Null betragen hat und bei den tetraploiden Pflanzen bis zu 96,5 % des ätherischen Öls betragen konnte.

Bei cis-Isoasaron fand man an Ratten eine kanzerogene Wirkung, weshalb in den USA die Verwendung von Kalmus durch die FDA verboten wurde.

Eine einfache Methode zur Vorbestimmung des Gehalts an Isoasaron bei ätherischem Kalmusöl ist der Brechungsindex; hierbei kann man davon ausgehen, daßss Öle mit einem Brechungsindex unter 1,50 nur sehr wenig oder gar kein Isoasaron enthalten, während Öle mit einem Brechungsindex über 1,50-1,5545 einen Gehalt zwischen 3,3 und 96,5 % Isoasaron haben. Im übrigen sei auf die ausführliche Originalarbeit hingewiesen [K 15].

Vergiftungserscheinungen: Krebserzeugende Wirkung durch das im Tierversuch kanzerogene β-Asaron ist möglich.

Der Wurzelstock wird gelegentlich von den Kri-Indianern im Nordwesten Kanadas gekaut, doch ist es unsicher, ob er wegen seiner halluzinogenen Wirkung verwendet wird.

α-Asaron und β-Asaron können in hohen Dosen visuelle Halluzinationen und LSD-ähnliche Rauschzustände hervorrufen.

Gefährlichkeitsgrad: Giftig +

Empfehlung: Magenbitter, Schwedentropfen etc. enthalten oft Kalmuswurzel. Entweder dafür Sorge tragen, daßss nur geprüfte, in Deutschland gewachsene Droge verwendet wird, oder die Kalmuswurzel in der Rezeptur weglassen.

Vorschriften: Acorus calamus: Monographie der Kommission D.

Aromenverordnung der Bundesrepublik Deutschland v. 22.12.1981 (BGBl I, 1677-1685) Beschränkt verwendbarer Stoff des § 2, Anlage I: Calmusöl.

Verwendung: Trinkbranntwein. Höchstmenge in 1 Ltr. des verzehrfertigen Getränks: 1 mg Asaron.

Literatur:

B 36           Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

F 16           Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

G 4            Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

H 12           Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

K 14           Keller, K., Odenthal, K.P., Leng-Peschlow, E.: Spasmolytische Wirkung des isoasaronfreien Kalmus. Planta medica 51, 6-9, 1985

 

 

K 15           Keller, K. Stahl, E.: Kalmus: Inhaltsstoffe und b-Asarongehalt bei verschiedenen Herkünften. Dtsch. Apoth. Ztg. 122(48), 2463-2466, 1982

 

 

R 11           Röder, E.: Nebenwirkungen von Heilpflanzen. Dtsch. Apoth. Ztg. 122, 2081-2092, 1882

 

 

R 18           Röst, L.C.M., Bos, R.: Biosystematic investigations with Acorus L. Planta medica 36, 350-361, 1979

 

 

S 33           Schultes, R.E., Hoffmann, A.: Pflanzen der Götter. 191 S., Hallwag Verlag, Bern, Stuttgart, 1987

 

 

S 56           Stahl, E., Keller, K.: Zur Klassifizierung handelsüblicher Kalmusdrogen. Planta medica 43, 128-140, 1981

 

 

R 35           Rätsch, Ch.: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen, Wiessenschaftl. Verl. Ges., Stuttgart, 941 S., 1998.

 

 

R 37           Roth, L.; Kormann, K.; Schweppe, H.: Färbepflanzen, Pflanzenfarben, ecomed verlagsges., Landsberg, 544 S., 1996.

 

 

 

Therapie: 16

 

 Erste Hilfe:

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

 

Bei Hautkontakt: Haut sofort mit warmem Wasser und Seife abwaschen; falls vorhanden zuvor mit Roticlean® abtupfen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.


 

   

Actaea spicata L.

 

Ähriges Christophskraut. E: Bane berry; Herb Christopher. F: Herbe de Saint Christophe. I: Barba di capra. NL: Svarte giftbes.

 

 

EDV-Code: AATSP.

Familie: Ranunculaceae, Hahnenfußgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Europa, Asien; in der nordwestdeutschen Tiefebene fehlend; in schattigen Wäldern, Schluchten und an Bachufern.

Beschreibung: 30-60 cm hohe, krautige, ausdauernde Pflanze, Blätter langgestielt, doppelt 3 zählig gefiedert, am Rand gesägt. Blüten gelblich-weiß, in gedrängten Trauben. Reife Früchte eiförmig, glänzend schwarz.

Blütezeit: Mai-Juni.

Früchte: Juli-August.

Giftige Pflanzenteile: Beeren und Samen.

Hauptwirkstoffe: Magnoflorin, mit protoanemoninähnlicher Wirkung. Nach anderen Angaben sollen die Beeren frei von Protoanemonin und anderen stark wirkenden Giftstoffen sein.

Vergiftungserscheinungen: Rötung und Blasenbildung der Haut, innerlich Nausea, Erbrechen, Gastroenteritis, oft mit blutigen Diarrhöen und starken Koliken verbunden. Vergiftungen bei Tieren sind nicht bekannt.

Gefährlichkeitsgrad: Wenig giftig (+)

Vorschriften: Actaea spicata: Monographie der Kommission D.

Literatur:

B 36           Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

F 16           Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

G 4            Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

H 12           Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

L 10           Liebenow, H., Liebenow, K.: Giftpflanzen. 248 S., 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1981

 

 

M 2            Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Bd. I-III, G. Thieme Verlag, Leipzig, 1938

 

 

 Therapie: 16

 

 

 

 Erste Hilfe:

Nach Verschlucken von Beeren und Samen: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Bei anhaltenden Beschwerden Arzt aufsuchen.

 

Bei Hautkontakt: Haut mit Wasser und Seife gründlich abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.


 

   

     

Adonis vernalis L.

 

Frühlings-Adonisröschen, Teufelsauge, Frühlingsteufelsauge. E: Pheasant’s eye, ox eye. F: Adonide de Printemps. I: Adonide gialla. NL: Voorjaarsadonis.

 

 

EDV-Code: ADOVE.

Familie: Ranunculaceae, Hahnenfußgewächse.

Weitere giftige Adonis-Arten [E 12]

Art

 

Wuchsform

Blütezeit

 

Verbreitung

 

Adonis aleppica Boiss.

 

Einjährige Pflanze

4-6 je nach Aussaat

 

Kleinasien bis Palästina

 

Adonis annua L. emend

Huds. (A. autumnalis L.)

 

Einjährige Pflanze

5-8 je nach Aussaat

 

Europa nördl. bis Süd-Schweden, Nord-Afrika, Kleinasien, Syrien, Zypern, Palästina

 

Adonis flammea Jacq.

 

Einjährige Pflanze

5-7 je nach Aussaat

 

Mittel- u. Süd-Europa bis Nord-Frankreich,  Kleinasien, Iran, Syrien, Zypern, Ägypten

 

Adonis pyrenaica DC

 

Staude

6-7

 

Pyrenäen, Seealpen

 

 

Verbreitung, Vorkommen: In den Steppenheiden Südosteuropas; in Mitteleuropa selten. Sonnige Hügel, Steppenheiden.

Beschreibung: 10-40 cm hohe, ausdauernde, krautige Pflanze. Blätter zart, 3-4 fach gefiedert, wechselständig, Blüten 4-8 cm Durchmesser, goldgelb, mit 10-20 Kronblättern. Fruchtstände mit dichtgedrängten Nüßsschen.

Blütezeit: April-Mai.

Droge: Herba Adonidis (vernalis), Adonidis (vernalis) herba, Frühlingsadonisröschenkraut. Die während der Blütezeit gesammelten oberirdischen Teile der Pflanze.

Auszug aus der Monographie der Kommission E:

Adonidis herba (Adoniskraut)Gegenanzeigen: Therapie mit Digitalisglykosiden; Kalium-Mangelzustände.

Hinweis: Bei Überdosierung Übelkeit, Erbrechen, Herzrhythmusstörungen.

Giftige Pflanzenteile: Die ganze Pflanze. Mengen über 2 g der Blätter wirken schon giftig.

Hauptwirkstoffe: Herzwirksame Glykoside vom Cardenolidtypus, ca. 1 % in den Blättern, weniger in den Wurzeln. Der Glykosidgehalt kann innerhalb eines Standorts stark variieren. Adonitoxin C29H42O10, ist isomer mit Convallatoxin. Ferner wurden K-Strophantin und Strophanthidin nachgewiesen.

Vergiftungserscheinungen: Laut Hoppe weist die Droge eine typische Digitaliswirkung auf, wirkt allerdings milder und weniger kumulierend. Sie erweitert die Coronargefäße, wirkt diuretisch und sedativ. Als Nebenwirkungen treten Reizungen des Magen-Darm-Kanals auf. Bechterew (zit. in USD 60) fand, daßss Adonis die Behandlung von Epilepsie mit Bromaten unterstützt, Masslow [Arch. exp. Path. u. Pharm. 111, 114 (1926)], daßss Adonis als Antagonist einiger zentralangreifender krampferregender Mittel, wie z.B. Cocain und Pikrotoxin, wirkt [H 12].

Adonitoxin: R = L-Rhamnose

Adonitoxigenin: R = H

 

Cymarin: R = Cymarose

Strophanthidin: R = H

 

Dosierung: Max. Einzelgabe 1,0 g, max. Tagesgabe 3,0 g, Erg. B. 6.

Anwendung in der Homöopathie: D0-D2 bei Basedowherz und Cor nervosum.

Gefährlichkeitsgrad: Stark giftig ++

Vorschriften: Die Pflanze steht unter Naturschutz (A, CS, D, CH, I, YU, H).

Adonis vernalis: Monographie der Kommission D.

Adonidis herba: Monographie der Kommission E.

 Kosmetikverordnung, Anlage 1, Nr. 13: Adonis vernalis L. und seine Gemische dürfen beim Herstellen oder Behandeln von kosmetischen Mitteln nicht verwendet werden.

Verbotener Stoff der Kosmetikverordnung v. 19. 6.

1985. Anlage 1: 13 Adonis vernalis L. und seine Zubereitungen.

Literatur:

B 36           Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

G 4             Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

H 12           Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

K 9             Karsten, G., Weber, U., Stahl, E.: Lehrbuch der Pharmakognosie. 642 S., 9. Aufl., G. Fischer Verlag, Stuttgart, 1962

 

 

M 2             Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Bd. I-III, G. Thieme Verlag, Leipzig, 1938

 

 

M 14           Máthé, A., Máthé, I. Jr.: Data to the cardiac glycoside content of Adonis vernalis L. in Hungary. Planta medica 36, 234-235, 1979

 

 

 

Therapie: 14

 

 

 

 Erste Hilfe:

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Kohlegabe. Sofort Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

 

Bei Hautkontakt: Haut mit Wasser und Seife gründlich abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.

 


 

   

Aechmea fasciata (Lindl.) Bak.

 

Gebänderte Lanzenrosette und andere Bromeliaceen.

 

 

Familie: Bromeliaceae, Ananasgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Heimat: Brasilien. Häufige Zimmerpflanze.

Beschreibung: Bis 50 cm hohe Pflanze. Blätter riemenartig, derb, hart, silbergrau, gebändert, bis 50 cm lang, in einer Rosette angeordnet. Der endständige Blütenstand entsteigt der Rosette; mit dauerhaften, rosaroten Hochblättern; Blüten kurzlebig.

Weitere bekannte und oft anzutreffende Bromeliaceen mit ähnlicher Wirkung: Ananas comosa (L.) Merr. - Ananas;

Guzmania spec.; Vriesea splendens (Brogn.) Lem. - Glänzende Vriesie;

Tillandsien.

Giftige Pflanzenteile: Besonders die Blätter.

Hauptwirkstoffe: Calciumoxalat, proteolytische Enzyme.

Vergiftungserscheinungen: Giftig bei Einnahme.

Wirkungen auf die Haut: Schädigung der Haut bei Berührung und beim Umgang mit der Pflanze.

Gefährlichkeitsgrad: Kaum oder wenig giftig (+), hautreizend

Literatur:

J 5        Jaspersen-Schib, R.: Giftpflanzen aktuell - Herbst. Dtsch. Apoth. Ztg., 124, 2321-2327, 1984

 

 

J 6        Jaspersen-Schib, R.: Giftige Zimmerpflanzen. Dtsch. Apoth. Ztg., 127, 1417-1423, 1987

 

 

Therapie: 16

 

 

 

 Erste Hilfe:

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen.

Bei anhaltenden Beschwerden Arzt aufsuchen.

 

Nach Hautkontakt: Mit Wasser und Seife abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.

 

 


 

   

Aesculus hippocastanum L.

 

Gewöhnliche Roßsskastanie (oft auch nur „Kastanie” genannt, die echte Kastanie ist aber die Eßsskastanie Castanea sativa Miller). E: Horse-chestnut. F: Châtaigner de cheval, Marronnier d’Inde. I: Castagne di cavalle, Ippocastano. NL: Paardecastanje.

 

 

EDV-Code: AECHI.

Familie: Hippocastanaceae, Roßsskastaniengewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Heimat: Balkan. Beliebter Allee- und Parkbaum in ganz Mitteleuropa, in vielen Kulturformen.

Beschreibung: Baum bis 25 m hoch. Blätter gefingert, lang gestielt, 5-7 zählig, Teilblätter verkehrt-eiförmig. Blüten weiß, gelb oder rot gefleckt, 5 zählig, in aufrechtstehenden Rispen. Früchte: 1-3 „Kastanien” in igelstachliger grüner Fruchthülle.

Blütezeit: Mai-Juni.

Früchte: September-Oktober.

Weitere giftige Aesculus-Arten, die bei uns als Zier- und Alleebäume angepflanzt werden, sind [E 12]: Aesculus pavia L. - Pavie (Heimat: Nordamerika), Aesculus x carnea Hayne - Rotblütige Roßsskastanie, Bastard aus Ae. hippocastanum und Ae. pavia.

Droge: Semen Hippocastani, Hippocastani semen, Roßsskastaniensamen.

Wirkstoffhaltige Pflanzenteile: Unreife Früchte und grüne Samenschalen. Besonders gefährdet sind 2-6 jährige Kinder beim Spielen mit Roßsskastanien.

Hauptwirkstoffe: Teilweise unbekannte Stoffe, Saponine, Aescin, Aescigenin. Reife, trockene Roßsskastanien enthalten bis zu 28 % Saponine. Untersuchungen an keimenden Samen zeigten, daßss der Aescingehalt im Nährgewebe von ca. 11 % während der Keimung auf ca. 4 % sinkt, um anschließend auf ca. 8 % anzusteigen.

Nach dem DAB 9 enthalten Roßsskastaniensamen mind. 3 % Triterpenglykoside, berechnet als wasserfreies Aescin.

Vergiftungserscheinungen: Erbrechen, Durchfall, starker Durst, Unruhe, Angst, Rötung des Gesichts, Pupillenerweiterung, Sehstörungen, Bewußsstseinsstörungen.

Bei Kindern wurden nach dem Verzehr von grünen Schalen Vergiftungen beobachtet. Es zeigten sich Schläfrigkeit, Gesichtsrötung, Gastroenteritis, Mydriasis.

Aus den Erfahrungen der Beratungsstelle für Vergiftungserscheinungen, Berlin: 9 jähr. Mädchen zeigte nach 5 Roßsskastanien Übelkeit [K 40].

Nach Weilemann werden die Früchte vorwiegend von Zwei- bis Sechsjährigen aufgenommen. Es treten bei 30 % aller Fälle Symptome auf, vorwiegend Magen- und Darmbeschwerden. Es sind aber auch Müdigkeit und Pupillenveränderungen aufgetreten. Die Indikation zum Erbrechen sollte großzügig erstellt werden.

Wirkungen auf die Schleimhäute: Die Pollen der Roßsskastanie verursachen eine inhalative Allergie. Obwohl insektenblütig, können bis zu 10 % der Pollinosefälle im Frühjahr der Roßsskastanie zugerechnet werden.

Anwendung in der Homöopathie: D1-D6 bei venösen Staren, Varicen, Haemorrhoiden.

Gefährlichkeitsgrad: Wenig giftig (+)

Vorschriften: Hippocastani semen: Monographie der Kommission E.

Aesculus hippocastanum: Monographie der Kommission D.

Literatur:

B 36           Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

F 16           Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

G 4             Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

G 31           Gugenhan, E.: Kastanie mit Pferdefuß. Kosmos 5, 31, 1985

 

 

H 12           Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

H 17           Hammerstein, F., Kaiser, F.: Qualitative Direktauswertung von Arzneipflanzenextrakten auf Dünnschichtchromatogrammen. Planta medica 21, 5-15, 1971

 

 

J 5              Jaspersen-Schib, R.: Giftpflanzen aktuell - Herbst. Dtsch. Apoth. Ztg., 124, 2321-2327, 1984

 

 

K 9             Karsten, G., Weber, U., Stahl, E.: Lehrbuch der Pharmakognosie. 642 S., 9. Aufl., G. Fischer Verlag, Stuttgart, 1962

 

 

K 12           Kartnig, Th., Hiermann, J.: Saponinverteilung bei Aesculus hippocastanum während verschiedener Entwicklungsstadien. Planta medica 15, 110-113, 1968

 

 

K 40           Krienke, E.G., von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U.: Vergiftungen im Kindesalter, 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1986

 

 

L 10            Liebenow, H., Liebenow, K.: Giftpflanzen. 248 S., 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1981

 

 

Mxx:         von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U., Bunjes, R., Brockstedt, M.: Vergiftungen im Kindesalter, 4. Aufl., Thieme Verlag Stuttgart, 2003

 

P 6             Pantel, J.: Der Kastanienbaum in der Naturheilkunde. Volksheilkunde 6, 4-7, 1989

 

 

 

 Therapie: 16

 

 

 

 Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken von bis zu 2 Kastanien: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein weitere Therapie. Bei größeren Mengen (mehr als 2 Kastanien) Kohlegabe.

 


 

Aethusa cynapium L.

 

Hundspetersilie. E: Fool’s parsley. F: Éthuse petite ciguë, faux persil. I: Cicuta aglina. NL: Hondspeterselie

 

 

EDV-Code: AETCY.

Familie: Apiaceae, Doldenblütler.

Verbreitung, Vorkommen: Europa, in Mitteleuropa verbreitet; Äcker, Wegränder, Gärten, Hecken, Wälder.

Beschreibung: Krautige Pflanze, bis 60 cm hoch. Blätter doppelt bis 3 fach gefiedert, glänzend. Blüten weiß, in lockeren Dolden, Döldchen mit nach unten stehenden Hüllchen. Früchte kugelig.

Blütezeit: Juni-September.

Giftige Pflanzenteile: Die ganze Pflanze. Im Gegensatz zur Gartenpetersilie hat Aethusa eine stark glänzende Unterseite der Blätter.

Hauptwirkstoffe: Hauptbestandteil des Polyingemisches ist

Aethusin, weiterhin

Aethusanol A [C13H16O]

Aethusanol B [C13H14O]. Im Kraut 0,2, in der Wurzel 1 % Polyine.

Vergiftungserscheinungen: Brennen im Mund, Erbrechen, blasse Haut, kalter Schweiß, beschleunigter Puls, Auftreibung des dunkelverfärbten Leibes, Pupillenerweiterung, Sehstörungen, Krämpfe, aufsteigende Lähmung, Bewußsstseinstrübung, zuletzt Atemlähmung. Conium maculatum L.

Tödliche Menge für Rinder 15 kg pro Tier [H 1].

Gefährlichkeitsgrad: Sehr stark giftig +++

Vorschriften: Aethusa cynapium; Monographie der Kommission D.

Literatur:

B 36           Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

F 16           Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

G 4            Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

H 1            Habermehl, G.: Mitteleuropäische Giftpflanzen und ihre Wirkstoffe. 137 S., Springer Verlag, Heidelberg, 1985

 

 

H 12           Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

H 18           Hapke, H.J.: Toxikologie für Veterinärmediziner. 408 S., Enke Verl., Stuttgart, 1975

 

 

L 10           Liebenow, H., Liebenow, K.: Giftpflanzen. 248 S., 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1981

 

 

M 2            Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Bd. I-III, G. Thieme Verlag, Leipzig, 1938

 

 

 

Therapie: 14

 

 

 

 Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Kohlegabe. Sofort Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

 


 

   

   

Agapanthus africanus (L.) Hoffmgg.

 

(Agapanthus umbellatus L’Hérit.)

Schmucklilie, Blaue Amaryllis, Blaue Tuberose. E: African agapanthus. F: Tubereuse bleue.

 

 

EDV-Code: AGPAF.

Familie: Liliaceae, Liliengewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Heimat: Kapland; Garten- und Topfpflanze.

Beschreibung: Bis 1,20 m hohe Pflanze. Blätter lineal, riemenartig, grundständig, grün. Blüten hellblau bis dunkelviolett, trichterförmig, bis 30 Blüten in einer Dolde.

Blütezeit: Juni-August.

Giftige Pflanzenteile: Zwiebel.

Hauptwirkstoffe: Agapanthus-Arten enthalten die hämolytisch wirksamen Steroidsapogenine Yuccagenin und Agapanthagenin zu 0,1 % in der Zwiebel.

Vergiftungserscheinungen: Es ist anzunehmen, daßss Agapanthus als saponinhaltige Pflanze Gesundheitsstörungen hervorrufen kann. Vergiftungen sind bis jetzt noch keine bekanntgeworden.

Ein Kleinkind aß eine halbe Knospe ohne Symptome.

Gefährlichkeitsgrad: Giftig +

Literatur:

H 12           Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 Therapie: 14

 

 

 

 Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

 

Nach Augenkontakt: Bei geöffentem Lidspalt mindestens 10 Minuten mit viel Wasser spülen. Bei anhaltender Augenreizung Arzt aufsuchen.


 

   

   

Agave americana L.

 

Amerikanische Agave, Hundertjährige Aloe. E: American aloe. F: Agave d’Amerique. I: Pitta, Agave.

 

 

Familie: Agavaceae, Agavengewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Heimat: Mexiko; im Mittelmeergebiet eingebürgert, bei uns als Kübelpflanze.

Beschreibung: Ausdauernde Pflanze. Blätter lanzettlich, dickfleischig, stachelig gezähnt, mit ca. 5 cm langem Endstachel, 1-1,5 m lang, in grundständiger Blattrosette. Blüten sind in Mitteleuropa kaum zu erwarten.

Aus dem Saft der Tequila-Agave – Agave tequilana Weber (blaue Varietät) wird in Mexiko der „Tequile-Branntwein” in verschiedenen Qualitäten hergestellt.

Giftige Pflanzenteile: Die ganze Pflanze, vor allem der Saft.

Hauptwirkstoffe: Saponin, scharfes ätherisches Öl, 0,4-3 % Hecogenin, Oxalsäure.

Wirkungen auf die Haut/Schleimhaut: Der Saft kann schwere Hautreizungen und Bindehautentzündungen verursachen. „Pulque”, ein milchig-weißes, säuerliches Getränk mit 4–6 % Alkohol, wurde bei den Azteken aus dem Saft bestimmter Agaven hergestellt.

Nach Mitteilung einer Giftinformationsstelle aß ein Säugling ein „ganzes Blatt”, ohne daßss Symptome auftraten. (Diese Mitteilung wird vom Verf. bezweifelt. Wie soll ein Säugling ein derartiges Blatt überhaupt essen können?)

Gefährlichkeitsgrad: Wenig giftig (+)

Vorschriften: Agave americana: Monographie der Kommission D.

Literatur:

B 36           Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

B 48           Bartsch, A., Thomas, M.: Tequila, dragoco report, 5, 243–249, 1998.

 

 

H 12           Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

R 35           Rätsch, Ch.: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen, Wiessenschaftl. Verl. Ges., Stuttgart, 941 S., 1998.

 

 

 

Therapie: 16

 

 

 

 Erste Hilfe:

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen.

Bei anhaltenden Beschwerden Arzt aufsuchen.

 

Nach Hautkontakt: Sofort mit Wasser und Seife abwaschen.Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.

 

Nach Augenkontakt: Bei geöffentem Lidspalt mindestens 10 Minuten mit viel Wasser spülen. Bei anhaltender Augenreizung Arzt aufsuchen.

 

 


 

   

Aglaonema commutatum Schott

 

Kolbenfaden. E: Aglaonema. F: Aglaonème.

 

 

EDV-Code: AGLCM.

Familie: Araceae, Aronstabgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Heimat: Die immergrünen Wälder Indonesiens; dekorative Zimmerpflanze.

Beschreibung: Bis 50 cm hoher verzweigter Stamm. Blätter langgestielt, länglich, wechselständig, grün mit silbergrauen Streifen. Blüten: weißer Blütenkolben, umgeben von cremeweißem Hüllblatt. Beeren rot oder gelb.

Verwechslung besteht mit der sehr giftigen Dieffenbachia.

Toxikologie: Arum maculatum.

Gefährdungsgrad: Sehr stark giftig +++

 

Therapie: 14

 

 Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Nur nach Verschlucken größerer Mengen Kohlegabe. Sofort Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

 

Nach Hautkontakt: Sofort mit Wasser abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.

 

Nach Augenkontakt: Bei geöffentem Lidspalt mindestens 10 Minuten mit viel Wasser spülen. Augenarzt hinzuziehen.

 

 


 

Agrostemma githago L.

 

Kornrade. E: Corn-cockle. F: Nielle des champs, Gerzeau. I: Gittaione, Mazzetone. NL: Bolderik.

 

 

EDV-Code: AGOGI.

Familie: Caryophyllaceae, Nelkengewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Südeuropa, in Mitteleuropa früher häufig in Getreidefeldern, heute sehr selten.

Beschreibung: Einjährige, bis 1 m hohe Pflanze, Blätter linealisch, lang zugespitzt, gegenständig. Blüten purpur- bis violettrot, mit 5 Kronblättern, einzeln, endständig. Kapseln mit zahlreichen schwarzen Samen.

Vergiftungserscheinungen: Schleimhautreizung, Tränenflußss, Übelkeit, Benommenheit, Krämpfe, Kopfschmerzen, beschleunigter und „kleiner” Puls, Atemlähmung, Schock.

Empfindlich gegen Kornrade sind Pferde, Schweine, Kälber; Hühner sind weniger empfindlich. Die Vergiftung bewirkt bei Rindern Freßssunlust, Schlingbeschwerden, Speicheln, aussetzendes Wiederkäuen, Erbrechen, Kolik, absinkende Körpertemperatur, Lähmung, Herzschwäche [H 18, L 10].

LD für Schweine 2-5 g Samen/kg Körpergewicht [H 18].

LD für Geflügel 80 g Samen/kg Körpergewicht.

Gefährlichkeitsgrad: Stark giftig ++

Vorschriften: Agrostemma githago: Monographie der Kommission D.

Blütezeit: Juni-Juli.

Giftige Pflanzenteile: Die ganze Pflanze. Von den Samen gelten 3-5 g schon als giftig. Früher waren Vergiftungen durch mangelhafte Reinigung des Getreides häufiger. Heute ist eine Vergiftung sehr selten. Die Pflanze ist durch Herbizide fast ausgerottet.

Hauptwirkstoffe: Githagin C35H54O11, das Aglucon Githagenin C30H46O4, Fp 274-276°C und Agrostemmasäure C35H54O10.

Githagenin

 

Literatur:

B 36           Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

G 4            Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

H 1            Habermehl, G.: Mitteleuropäische Giftpflanzen und ihre Wirkstoffe. 137 S., Springer Verlag, Heidelberg, 1985

 

 

H 12           Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

H 18           Hapke, H.J.: Toxikologie für Veterinärmediziner. 408 S., Enke Verl., Stuttgart, 1975

 

 

H 30           Hilbrich, P.: Krankheiten des Geflügels. 3. Aufl., Verlag Kuhn, Villingen-Schwenningen, 1978

 

 

K 48           Krienke, E.G., Mühlendahl, K.E. v.: Akzidentelle Vergiftungen durch Pflanzen. Notfallmedizin 4, 486-495, 552-559, 619-627, 1978

 

 

L 10           Liebenow, H., Liebenow, K.: Giftpflanzen. 248 S., 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1981

 

 

 

 

Therapie: 14

 

 

 

 Erste Hilfe:

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen.

Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

 

 


 

   

   

Alstroemeria L.-Arten und Alstroemeria-Ligtu-Hybriden

 

Inkalilien. E: Alstroemeria. F: Alstrémère.

 

 

Familie: Alstromeriaceae.

Verbreitung, Vorkommen: Heimat in Südamerika, besonders Chile und Peru. Seit Anfang des Jahrhunderts in Europa bekannt, doch erst ab 1970 zunehmend als Schnittblumen beliebt.

Beschreibung: Alstroemeria ligtu L., eine variable Art, ist ca. 50 cm hoch. Blätter graugrün, lineal oder lanzettlich. Blüten rot bis blaßssrosa. In Kultur nicht sehr häufig. Zunehmende Bedeutung erhalten die Ligtu-Hybriden, die in Kreuzung mit Alstroemeria haemantha Ruiz et Pav. hervorgegangen sind. Die ausdauernden und winterharten Pflanzen sind 60-80 cm hoch. Blüten korallenrosa bis lachsfarben und rosa.

Bei den angebotenen Schnittblumen handelt es sich meist um Alstroemeria-Ligtu-Hybriden.

Giftige Pflanzenteile: Blätter und Blüten.

Hauptwirkstoffe: Tuliposid A und B.

Wirkungen auf die Haut: Kontakt mit Alstroemerienblatt- und -blütenteilen verursacht bei Züchtern, Blumenbindern und Floristen das gleiche charakteristische klinische Bild der „Tulpenfinger”, wie es bei den Tulpenzüchtern bekannt ist. Eine Dermatitis der freigetragenen Körperteile mit Befall des Gesichts- und V-Ausschnitts im Sinne einer aerogenen Kontaktdermatitis wird ebenfalls beobachtet [H 21].

Gefährlichkeitsgrad: Irritativ(+).

Literatur:

H 21           Hausen, B.M.: Allergiepflanzen - Pflanzenallergene. 332 S., ecomed Verlagsges., Landsberg, 1988

 

 

Therapie: 16, 18

 

 

 

 

 Erste Hilfe:

 

Nach Hautkontakt: Sofort mit Wasser und Seife abwaschen.

 

Weiteren Hautkontakt meiden, Handschuhe tragen.

   

Amaryllis belladonna L.

 

Belladonnalilie. E: Belladonna lily. F: Amaryllis belladonna.

 

 

EDV-Code: AMYBE.

Familie: Amaryllidaceae, Narzissengewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Heimat: Südafrika; Zimmerpflanze.

Beschreibung: Zwiebelgewächs. Blätter riemenförmig, schmal, derb, dunkelgrün, in grundständiger Rosette. Blüten trichterförmig, mit 6 rosaroten Perigonblättern in langgestielten, doldenartigen Blütenständen.

Blütezeit: August-September.

Bei der im Handel angebotenen „Amaryllis” handelt es sich Hyppeastrum-Hybriden.

Giftige Pflanzenteile: Die ganze Pflanze, besonders die Zwiebel (tödliche Dosis 2-3 g).

Hauptwirkstoffe: Lycorin, Ambellin, Caranin.

Vergiftungserscheinungen: Übelkeit, Erbrechen, Benommenheit, starker Schweißausbruch, Durchfall, Nierenschädigung. Wurde in der Heimat als Pfeilgift verwendet.

Lycorin ist ein allgemeines Zytostaticum und wirkt emetisch und diuretisch.

Wirkungen auf die Haut: Kann Hautreizungen verursachen.

Gefährlichkeitsgrad: Stark giftig ++

 

 

 Therapie: 14

 

 

 

 Erste Hilfe:

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Kohlegabe. Sofort Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

 

Nach Hautkontakt: Sofort mit Wasser und Seife abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.

 

 

 


 

   

   

Anagallis arvensis L.

 

Acker-Gauchheil. E: Scarlet pimpernel. F: Mouron rouge. I: Centonchio dei campi Bellichina. NL: Guichelheil.

 

 

EDV-Code: ANGAR.

Familie: Primulaceae, Primelgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Europa, Asien, Amerika; in Mitteleuropa häufig; Äcker, Gärten, Schutt.

Beschreibung: 5-30 cm, niederliegende, einjährige Pflanze. Blätter eiförmig, ganzrandig, kreuzweise-gegenständig, sitzend. Blüten ziegelrot, selten blau [var. azurea (Hyl.) Marsden u. Weiss], 5 zählig, langgestielt, blattachselständig. Kapsel kugelig, hängend.

Blütezeit: Juni-Oktober.

Giftige Pflanzenteile: Das ganze Kraut, besonders die Wurzeln.

Hauptwirkstoffe: 2 Glykoside (eines ähnlich der Quillaia- und Polygalasäure, das andere ähnlich dem Quillaiasapotoxin), Primverase (Bitterstoff), Gerbstoff, ein proteolytisches Enzym und ätherisches Öl mit stechend scharfem, eigentümlichem Geruch. Gilt wegen des hohen Saponingehaltes als giftig. (Frisches Material hat hämolyt. Index 1:3500) [H 12].

Vergiftungserscheinungen: Starke Diurese, Zittern, breiiger und wäßssriger Stuhl, Erscheinungen am Nervensystem, Gehirn und Rückenmark, Entzündung des Verdauungskanals; schwache Narkotisierung.

Ruft bei Hunden und Pferden Gastroenteritis hervor. Giftig für Geflügel und Kaninchen. Das ätherische Öl verursacht Kopfschmerzen und Nausea. Das Kraut soll diuretisch und in toxischen Mengen narkotisch wirken. Die Blätter rufen

Dermatitis hervor [H 12].

Wirkungen auf die Haut: Die Blätter können eine allergische Hautdermatitis hervorrufen.

Gefährlichkeitsgrad: Giftig +

Vorschriften: Anagallis arvensis: Monographie der Kommission D.

Literatur:

B 36           Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

H 12           Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

 

Therapie: 14

 

 

 

 Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Bei anhaltenden Beschwerden Arzt aufsuchen.

 

Nach Hautkontakt: Mit Wasser und Seife abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.

 


 

   

Anemone nemorosa L.

 

Buschwindröschen, Anemone. E: Wood anemone. F: Anémone de bois. I: Anemone bianca. NL: Bosanemoon.

 

 

EDV-Code: ANMNE.

Familie: Ranunculaceae, Hahnenfußgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Europa, Asien, Nordamerika; in Laubwäldern, Gebüschen, auch auf Wiesen.

Beschreibung: Aus dem waagrechten Rhizom erhebt sich der 10-25 cm hohe Stengel, mit weißer, meist 6 blättriger Blüte und 3 quirlständigen, mehrfach geteilten Blättern.

Blütezeit: März-April.

Weitere giftige Anemonen-Arten, die bei uns vorkommen [E 12]: Anemone narcissiflora L. - Berghähnlein ,Anemone sylvestris L. - Wald-Windröschen.

Giftige Pflanzenteile: Alle Pflanzenteile.

Hauptwirkstoffe: Protoanemonin, das anscheinend beim Trocknen unwirksam wird. Anemol und unbekannte Giftstoffe.

Vergiftungserscheinungen: Übelkeit, Durchfall, Blutungsneigung, Nierenschädigung. Tödliche Dosis: 30 Pflanzen.

Wirkungen auf die Haut: Der Saft kann eine Hautreizung verursachen.

Gefährlichkeitsgrad: Giftig +

Vorschriften: Anemone nemorosa: Monographie der Kommission D.

Literatur:

B 36           Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

E 12           Enke, F., Buchheim, G., Seybold, S.: Zander Handwörterbuch der Pflanzennamen. 14. Aufl., 810 S., Verl. Eugen Ulmer, Stuttgart, 1993

 

 

F 16           Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

G 4            Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

H 12           Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 Mxx:        von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U., Bunjes, R., Brockstedt, M.: Vergiftungen im Kindesalter, 4. Aufl., Thieme Verlag Stuttgart, 2003

 

 

Therapie: 16

 

 

 Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Kohlegabe nur nach Verschlucken größerer Mengen. Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

 

Nach Hautkontakt: Sofort mit Wasser und Seife abwaschen.

 


 

   

   

Anthurium-Scherzerianum-Hybriden

 

(A. scherzerianum hort. non Schott. A. x hortulanum Birdsey)

Blütenschweif, Kleine Flamingoblume, Schwefelblume. E: Anthure, flamingoflower.

 

 

EDV-Code: AURSH.

Familie: Araceae, Aronstabgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Heimat: Tropisches Amerika; Zimmerpflanze.

Beschreibung: 30-40 cm hoch. Blätter grundständig, langgestielt, lanzettförmig, 15-30 cm lang, dunkelgrün. Der Blütenkolben wird von einem flachen, roten Hochblatt getragen.

Blütezeit: Februar-Juli.

Giftige Pflanzenteile: Junge Blätter.

Hauptwirkstoffe: Weitgehend unbekannt, vermutlich Calciumoxalat- „Schießkristalle” wie bei Dieffenbachia. Junge Blätter sollen einen cyanogenen Stoff enthalten.

Vergiftungserscheinungen: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall.

Wirkungen auf die Haut: Es können beim Hantieren mit der Pflanze Entzündungen der Fingernägel auftreten.

Gefährlichkeitsgrad: Giftig +

Literatur:

B 36           Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

Mxx:         von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U., Bunjes, R., Brockstedt, M.: Vergiftungen im Kindesalter, 4. Aufl., Thieme Verlag Stuttgart, 2003

 

 

 

Therapie: 16

 

 

 Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Nur nach Verschlucken größerer Mengen Kohlegabe. Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

Bei Schleimhautschwellung lokale Steroidanwendung; bei starken Schmerzen im Mundbereich Lokalanästhetikum applizieren.

 

Nach Hautkontakt: Sofort mit Wasser abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.

 

Nach Augenkontakt: Bei geöffentem Lidspalt mindestens 10 Minuten mit viel Wasser spülen. Bei anhaltender Augenreizung Augenarzt hinzuziehen.

 


 

   

Aquilegia vulgaris L.

 

Gemeine Akelei. E: Columbine. F: Ancoline commune. I: Aquilegia comune.

 

 

EDV-Code: AQIVU.

Familie: Ranunculaceae, Hahnenfußgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Europa, Asien, Nordafrika. Zerstreut in Mitteleuropa in lichten Laubwäldern und auf Waldwiesen; Zierpflanze in gefüllten und farbenprächtigen Formen.

Beschreibung: 40-80 cm hohe, ausdauernde, krautige Pflanze. Blätter langgestielt, doppelt 3 zählig, Teilblättchen 3 lappig, gekerbt. Blüten blau, überhängend, einzeln. 5 Blütenhüllblätter und 5 trichterförmige, gespornte Honigblätter. Balgfrüchte vielsamig.

Blütezeit: Mai-Juli.

Droge: Herba Aquilegiae, Aquilegiae herba, Akeleikraut.

Giftige Pflanzenteile: Die ganze Pflanze, besonders der Samen.

Hauptwirkstoffe: Die Pflanze enthält ein blausäureabspaltendes Glycosid in geringer Menge. Möglicherweise unterliegen die Wirkstoffe starken Gehaltsschwankungen.

Vergiftungserscheinungen: Nach Aussaugen des Saftes einiger Akeleiblüten traten Vergiftungserscheinungen auf, die sich in schwerer Ohnmacht, starker, mehrstündiger Benommenheit, Pupillenverengung, Atemnot und Diarrhöen äußerten. Zwei Tage lang hielt große Schwäche mit Herzklopfen und Oligurie an.

Dagegen hat der Autor als 7 Monate alter Säugling einen Teil eines Akeleistraußes gegessen und darauf nach Aussagen der besorgten Eltern, die gleich einen Arzt zugezogen hatten, lediglich etwas Durchfall bekommen.

Dosierung: In der Homöopathie wird Aquilegia D1 3 mal täglich 10 Tropfen bei Dysmenorrhoe, Hautausschlägen, Mundgeschwüren, Fisteln verwendet.

Gefährlichkeitsgrad: Giftig +

Vorschriften: Die Pflanze steht unter Naturschutz (A, CS, D, CH, I, YU, H).

Aquilegia vulgaris: Monographie der Kommission D.

Literatur:

H 12           Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

M 2            Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Bd. I-III, G. Thieme Verlag, Leipzig, 1938

 

 

 Therapie:  7

 

 

 

 Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Kohlegabe. Sofort Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

 

Nach Hautkontakt: Mit Wasser und Seife abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.

 

 


 

   

Arctostaphylos uva-ursi (L.) Spreng.

 

(Arbutus uva-ursi L.)

Bärentraube. E: Common bearberry. F: Busserole officinale. I: Uva arsina.

 

 

EDV-Code: ARYUU.

Familie: Ericaceae, Heidekrautgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Europa, Asien, Nordamerika, in Mitteleuropa in den Alpen, Mittelgebirgen und in der Norddeutschen Tiefebene; Föhrenwälder, Zwergstrauchheiden.

Beschreibung: Niederliegender, weitkriechender Strauch, mit aufwärtsgebogenen Zweigen. Blätter immergrün, lederig, verkehrt-eiförmig, ganzrandig. Blüten weiß bis rötlich, eiförmig, in endständigen Trauben. Beeren kugelig, scharlachrot.

Blütezeit: März-Juli.

Droge: Folia Uvae ursi, Uvae ursi folium, Bärentraubenblätter.

Geruchlos, Geschmack zusammenziehend.

Auszug aus der Monographie der Kommission E: Uvae ursi folium (Bärentraubenblätter)

Nebenwirkungen: Bei magenempfindlichen Patienten und Kindern können Übelkeit und Erbrechen auftreten.

Wechselwirkungen: Bärentraubenblätter-Zubereitungen sollen nicht zusammen mit Mitteln gegeben werden, die zur Bildung eines sauren Harns führen.

Wirkstoffhaltige Pflanzenteile: Besonders die Blätter.

Hauptwirkstoffe: 5-12 % Arbutin, Methylarbutin C13H18O7, Fp. 175-176 °C (die im Alpenraum vorkommende Bärentraube enthält beträchtliche Mengen Methylarbutin), 0,3-0,5 % freies Hydrochinon, Ellagsäure, Gallussäure bis 6 %.

Pharmakologische Wirkung: Magenreizungen, Erbrechen, wehenanregend bei Schwangerschaft. Bei langer fortgesetzter Anwendung der Pflanze sind Vergiftungserscheinungen wie hämolytische Anämie, Kachexie, Leberverfettung und Entfärbung der Haare durch das im Körper freiwerdende Hydrochinon bzw. das stärker wirkende Methylhydrochinon beschrieben worden.

Gefährlichkeitsgrad: Wenig giftig (+)

Vorschriften: Die Pflanze steht unter Naturschutz (A, CS, D, CH, I, YU).

Uvae ursi folium: Monographie der Kommission E.

Arctostaphylos uva ursi: Monographie der Kommission D.

Literatur:

H 12           Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

M 2            Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Bd. I-III, G. Thieme Verlag, Leipzig, 1938

 

 

R 30           Röder, E., Bourauel, Th.: Pyrrolizidine alkaloids from Melampyrum pratense. Natural Toxins, 35-37, 1992

 

 

R 35           Rätsch, Ch.: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen, Wiessenschaftl. Verl. Ges., Stuttgart, 941 S., 1998.

 

 

T 5             Thesen, R.: Phytotherapeutika - nicht immer harmlos. Ztschr. f. Phytother. 9, 105-111, 1988

 

 

 Therapie: 16

 

 

 

 Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Bei anhaltenden Beschwerden Arzt aufsuchen.

 


 

   

Aristolochia clematitis L.

 

Osterluzei. E: Birthwort. F: Sarrasine. I: Aristolochia clematite. NL: Echte Pijpbloem.

 

 

EDV-Code: ARPCL.

Familie: Aristolochiaceae, Osterluzeigewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Mittelmeergebiet, in Mitteleuropa verwildert; Weinberge, Wegränder, sonnige Hügel.

Beschreibung: Ausdauernde, bis 50 cm hohe, krautige Pflanze. Blätter herzförmig, gelbgrün, langgestielt. Blüten schwefelgelb, mit gerader Röhre, in doldigen Wickeln. Frucht vielsamig.

Blütezeit: Mai-Juni.

Droge: Herba et Radix Aristolochiae, Aristolochiae herba et radix, Osterluzeikraut und Wurzel.

Giftige Pflanzenteile: Die ganze Pflanze.

Hauptwirkstoffe: 0,03 % Aristolochiasäure C17H11NO7, Fp. 281-286°C; Noraristolochiasäure C16H9NO6, Fp. 269-271°C; Magnoflorin C20H24NO4.

Vergiftungserscheinungen: Erbrechen, Gastroenteritis, Krämpfe, Pulsbeschleunigung, Blutdrucksenkung, Tod im Koma durch Atemlähmung. Nach Ergebnissen im Tierversuch (von der Firma Madaus durchgeführte Untersuchungen) kann Aristolochiasäure eine Tumorbildung auslösen, wenn 12 Monate lang 0,1 mg/kg Körpergewicht zugeführt wird. Außerdem wurde eine erbgutverändernde (mutagene) Wirkung festgestellt.

Es besteht der Verdacht, daßss durch Aristolochiasäure auch beim Menschen bösartige Veränderungen ausgelöst werden können. Deshalb wurde der Vertrieb von aristolochiasäurehaltigen Arzneimitteln 1982 durch das Bundesgesundheitsamt untersagt.

Bei Tieren kann Appetitabnahme, Verstopfung und Nierenentzündung auftreten.

Gefährlichkeitsgrad: Giftig +

Vorschriften: Aristolochia clematitis: Monographie der Kommission D.

Literatur:

B 36           Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

G 4            Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

H 12           Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

L 10           Liebenow, H., Liebenow, K.: Giftpflanzen. 248 S., 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1981

 

 

M 2            Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Bd. I-III, G. Thieme Verlag, Leipzig, 1938

 

 

R 11           Röder, E.: Nebenwirkungen von Heilpflanzen. Dtsch. Apoth. Ztg. 122, 2081-2092, 1882

 

 

 Therapie: 14

 

 

 

 Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

 


 

   

Arnica montana L.

 

Arnika, Berg-Wohlverleih. E: Arnica. F: Arnica. I: Arnica. I: Arnica. NL: Wolverlei

 

 

EDV-Code: ARXMO.

Familie: Asteraceae, Korbblütler.

Verbreitung, Vorkommen: Europa; in den mitteleuropäischen Gebirgen häufig, in der Ebene zerstreut; auf feuchten, torfigen Wiesen, in den Alpen auch auf trockenen Magerwiesen.

Beschreibung: 20-60 cm hohe Staude, mit Blattrosette; am Stengel 1-2 Paar lanzettliche, gegenständige Blätter. Blütenköpfe 5-7 cm breit, goldgelb, endständig, einzeln, mit Röhren- und Zungenblüten.

Blütezeit: Juni-August.

Die Asteracee Heterotheca inuloides Cass. ist die Stammpflanze der im Handel angebotenen „Flores Arnicae, mexikanisch”. In Mexiko werden die Blütenköpfchen volksmedizinisch genauso angewendet wie bei uns die von Arnica montana. Hauptwirkstoff des ätherischen Öls ist Cadalin C15H18.

Arnica chamissonis Less. subsp. foliosa (Nutt.) Maguire ist im DAB 10 als weitere Stammpflanze für Arnikablüten zugelassen.

Droge: Flores Arnicae (montanae), Arnicae flos, Arnikablüten.

Entweder die vom Hüllkelch befreiten Blüten oder die ganzen völlig entfalteten Blütenkörbchen.

Auszug aus der Monographie der Kommission E:

Arnicae flos (Arnikablüten)

Gegenanzeigen: Arnika-Allergie.

Nebenwirkungen: Längere Anwendung an geschädigter Haut, z.B. bei Verletzungen oder Ulcus cruris, ruft relativ häufig ödematöse Dermatitis mit Bläschenbildung hervor. Ferner können bei längerer Anwendung Ekzeme auftreten. Bei hoher Konzentration in der Darreichung sind auch primär toxisch bedingte Hautreaktionen mit Bläschenbildung bis zur Nekrotisierung möglich.

Wirkstoffhaltige Pflanzenteile: Ganze Pflanze.

Hauptwirkstoffe: Wurzel: Bitterstoff, ätherisches Öl mit Phlorol-Isobuttersäureester und Hydrothymochinonmethylether, Gallussäure und Inulin.

Nach neuesten Untersuchungen enthalten die Blüten die Sesquiterpenlactone (0,1-0,27 %) Helenalin, 11,13-Dihydrohelenalin und deren Essigsäure-, Isobuttersäure-, Methylacrylsäure-, Tiglinsäure-, Isovaleriansäure- und 2-Methylbuttersäureester sowie 13 verschiedene Flavonderivate wie Quercetin, Isorhamnetin, Isoquercetin, Luteolin-7-glucosid etc.

Die Arbeit von H.J. Roth [R 11] zeigt deutlich, daßss auch bei Arnica-Arten erhebliche Schwankungen je nach Herkunftsland (Standort) bestehen.

Pharmakologische Wirkung: Am Tier Wirkungen auf Nerven- und Gefäßsystem, Beschleunigung der Atmung, Vermehrung der Schleim-, Schweiß- und Harnabsonderung. Richaud [Soc. Bio. 11, 1 (1922); 21, 1 (1922)] fand, daßss Arnica die Leitfähigkeit und Spinalreflexe vermindert und somit als ein typisch spinallähmendes Mittel betrachtet werden kann [H 12].

Am häufigsten sind Vergiftungen durch unverdünnte oder ungenügend verdünnte Tinktur. Aus Blüten bereitete Arnikatinktur: Starke Hautentzündungen, ödematöse Hauterytheme, eiterhaltige Blasen, Eczema rubrum, oberflächliche Gangrän und Ulzerationen.

In den Magen gebrachte Arnikaaufgüsse: Dysphagie, Auftreibung des Magens, Schmerzen, Ekelgefühl. Ruptus, Tenesmus und Diarrhöe. Drückender Kopfschmerz, Somnolenz, Vertigo, unruhiger Schlaf; Kollaps mit Fadenpuls, Kopfweh und Erschwerung der Respiration. Starkes Herzklopfen, allgemeine Kälte des Körpers, Angst, Schwindelgefühl. 3 Eßsslöffel einer selbstbereiteten Tinktur führten innerhalb von 24 Std. zum Abort.

Arnica sollte wegen der beobachteten toxischen Nebenwirkungen innerlich nicht angewendet werden.

Wirkungen auf die Haut: Allergische Kontaktdermatitiden sind seit 100 Jahren bekannt, besonders nach Anwendung von Arnikatinktur unter feuchten Umschlägen. Starke, z.T. bullöse Hautentzündungen werden beschrieben. Ursache der Allergie sind die oben genannten Sesquiterpenlactone. Bei erworbener Arnikaallergie besteht gegenüber vielen anderen Arten aus der gleichen Familie (Asteraceae) aber auch ebenso gegenüber anderen sesquiterpenlactonhaltigen Spezies aus nichtverwandten Familien, wie z.B. Lorbeer, eine Kreuzreaktivität [Übersicht: Hausen, Hautarzt 31, 10 (1980)].

Die in den Blüten von Arnica chamissonis ssp. foliosa vorkommenden Sesquiterpenlactone kommen ebenfalls als potentielle Kontaktallergene in Betracht.

Dosierung: Höchstdosis nicht festgesetzt, doch cave zu große Dosen, 60-80 g der französischen Tinktur verursachten tödliche Vergiftungen. Zur Epikutantestung Tinktur 1:10 verdünnen.

Gefährlichkeitsgrad: Wenig giftig (+), aber häufig sensibilisierend.

Vorschriften: Die Pflanze steht unter Naturschutz (A, CS, D, CH, I, YU, H).

In der Roten Liste gehört sie zu den gefährdeten Pflanzen.

Arnica montana: Monographie der Kommission D.

Arnicae flos: Monographie der Kommission E.

Literatur:

F 16             Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

G 4               Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

H 12             Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

H 21             Hausen, B.M.: Allergiepflanzen - Pflanzenallergene. 332 S., ecomed Verlagsges., Landsberg, 1988

 

 

H 22             Hausen, B.M.: Kontaktallergie durch Pflanzen und Pflanzenextrakte aus der Apotheke. Dtsch. Apoth. Ztg., 131, 987-996, 1991

 

 

K 9               Karsten, G., Weber, U., Stahl, E.: Lehrbuch der Pharmakognosie. 642 S., 9. Aufl., G. Fischer Verlag, Stuttgart, 1962

 

 

L 10              Liebenow, H., Liebenow, K.: Giftpflanzen. 248 S., 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1981

 

 

M 2              Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Bd. I-III, G. Thieme Verlag, Leipzig, 1938

 

 

R 11             Röder, E.: Nebenwirkungen von Heilpflanzen. Dtsch. Apoth. Ztg. 122, 2081-2092, 1882

 

 

S 25             Schmitz, R., Kating, H.: Zur Frage des Thymol-Vorkommens in Arnika-Arten. Planta medica 31, 311-314, 1977

 

 

W 19            Willuhn, G.: Arnica montana L. - Der Bergwohlverleih. Ztschr. f. Phytother. 6, 94-96, 1985

 

 

W 20            Willuhn, G.: Arnika-Kontaktdermatitis und die verursachenden Kontaktallergene. Dtsch. Apoth. Ztg. 126(38), 2038-2044, 1986

 

 

W 23            Willuhn, G., Röttger, P.-M.: Helenalin und seine Derivate, die herzwirksamen Verbindungen der Arnikablüten. Planta medica 45, 131-148, 1982

 

 

W 24            Willuhn, G., Schneider, R., Matthiesen, U.: Mexikanische Arnikablüten. Dtsch. Apoth. Ztg. 125(39), 1941-1944, 1985

 

 

Z 3               Zell, P.: Allergien - rein pflanzlich. Kosmos 7, 46-53, 1986

 

 

 

Therapie: 18

 

 

 

 Erste Hilfe:

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen.

Bei anhaltenden Beschwerden Arzt aufsuchen.

Nach Hautkontakt: Sofort mit Wasser und Seife abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.

 

 

 


 

Artemisia absinthium L.

 

Wermut. E: Absinth, Common wormwood. F: Absinthe. I: Assenzio vero. NL: Absint-alsem.

 

 

EDV-Code: ARTAB.

Familie: Asteraceae, Korbblütler.

Verbreitung, Vorkommen: Europa, Nordasien, Nordafrika, in Mitteleuropa angebaut und verwildert; Gebüsche, Abhänge, Mauern.

Beschreibung: Über 1 m hoher Halbstrauch. Blätter weißgrau, filzig, 2-3 fach fiederteilig. Blütenstände hellgelb, kugelig, in einer zusammengesetzten, vielästigen Rispe. Frucht länglich, ohne Pappus.

Blütezeit: Juli-September.

Droge: Herba Absinthii, Absinthii herba, Wermutkraut.

Das getrocknete Kraut ohne dickere Stengel (nicht über 4 mm).

Auszug aus der Packungsbeilage gemäß Standardzulassung:

Gegenanzeigen: Magen- und Darmgeschwüre.

Nebenwirkungen: Bei bestimmungsgemäßer Anwendung nicht bekannt.

Hinweis: In hohen Dosen eingenommen, können Zubereitungen aus Wermutkraut Vergiftungen hervorrufen mit Erbrechen, starken Durchfällen, Harnverhaltung, Benommenheit und Krämpfen.

Wirkstoffhaltige Pflanzenteile: Die ganze Pflanze.

Hauptwirkstoffe: Thujon im ätherischen Öl, Absinthin C30H40O6, bitteres Prinzip des Wermuts und nat. Pestizide [A 15].

Vermutlich sind die Inhaltsstoffe starken örtlichen und jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen.

Pharmakologische Wirkung: Große Dosen erzeugen Kopfschmerzen und Schwindel. Hohe Dosen haben eine krampferzeugende und lähmende Wirkung, die zu Bewußsstlosigkeit und Tod führen kann.

Eigene Beobachtung: nach Zungenprobe des Bitterstoffs Absinthin Unwohlsein, eigenartige Lähmung der Brustmuskulatur, so daßss es schwerfällt, die Arme zu heben.

Dosierung: Gebräuchliche Einzeldosis als Aufgußss 1 g auf 1 Teetasse, ÖAB 9.

Gefährlichkeitsgrad: Wenig giftig (+) bis giftig +

Vorschriften: Wegen der Gefahr schwerer Gesundheitsstörungen (Absinthismus) ist der Vertrieb von Absinthbranntwein in fast allen Kulturländern verboten.

Aromenverordnung der Bundesrepublik Deutschland v. 22. 12. 1981 (BGBl. I. 1677-1685) verbotener Stoff des § 2, Anlage I: Wermutöl.

Artemisia absinthium: Monographie der Kommission D.

Absinthii herba: Monographie der Kommission E.

Literatur:

F 16            Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

B 36           Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

G 4             Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

H 12           Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

M 2             Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Bd. I-III, G. Thieme Verlag, Leipzig, 1938

 

 

M 17           Merck-Index: Editor Budavari S., 11 th edition, Merck & Co., Inc., Rahway, N.J., 1989

 

 

 

 Therapie: 14, 18

 

 

 

 Erste Hilfe:

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen.

Bei anhaltenden Beschwerden Arzt aufsuchen.

 

 


 

Arum maculatum L.

 

Gefleckter Aronstab. E: Common arum, Lords-and-Ladies. F: Gouet maculé. I: Gigaro scuro. NL: Gevlekte Aronskelk.

 

 

 

EDV-Code: ABGMA.

Familie: Araceae, Aronstabgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: In Süd- und Mitteleuropa zerstreut, im Norden selten oder fehlend. In schattigen und feuchten Wäldern, vor allem in Laubwäldern und unter Hecken.

Beschreibung: Krautige, 15-40 cm hohe Pflanze mit knolligem Wurzelstock. Blätter langgestielt, spieß- bis pfeilförmig, häufig gefleckt. Hochblatt grünlich-weiß, unten kesselartig erweitert (Fliegenfalle). Blütenstand mit braunrotem Kolben. Beeren scharlachrot.

Blütezeit: April-Mai.

Früchte: Juli-September.

Andere europäische Aronstabgewächse sind Arum italicum Mill. und Dracunculus vulgaris.

Giftige Pflanzenteile: Alle Pflanzenteile einschließlich Beeren.

Hauptwirkstoffe: Die Frischpflanze und ihr Saft wirken stärker als getrocknete Pflanzenteile. Die Inhaltstoffe sind noch weitgehend unbekannt. Der Hauptwirkstoff soll Aroin sein (ungefähr 0,005 %), in der frischen Knolle ist der Aroingehalt am größten.

In jungen Schößlingen sollen auch Blausäureglykoside vorhanden sein, außerdem finden sich Spuren von Nicotin, Aminen und Oxalaten. In grünen Früchten beträgt der Oxalatgehalt 0,4 %, in den roten 0,28 %. In der älteren Literatur findet man auch ein conicinartiges Alkaloid erwähnt, in der neueren glykosidische Saponine.

Vergiftungserscheinungen: Blätter: Heftige Konvulsionen, stark angeschwollene Zunge. Wurzel: Starkes Brennen auf der Zunge, Hautrötung, blasenziehende Wirkung, heftigste Entzündung, namentlich der Schleimhäute, prickelnde Haut, Herzrhythmusstörungen, schließlich Schädigung und Lähmung des Zentralnervensystems, Krämpfe, starker Durst bei erhöhter Speichelabsonderung, Harnverhalten und erniedrigte Temperatur. Auffallend ist das Auftreten von Blutungen (Zahnfleisch, Magen-Darm-Kanal, Uterus). Der Saft bewirkt eine heftige Dermatitis. In neuerer Zeit wird berichtet, daßss nach dem Verzehr von zwei Blättern Brennen im Mund aufgetreten sei, von einem Blatt Prickeln auf Mundschleimhaut und Brennen auf der Zunge. 20 ml Blumengießwasser wurden ohne Folge getrunken. Von Weidevieh sind tödlich verlaufende Vergiftungen nach Verzehr der frischen, saftigen Pflanze bekannt.

Nach Weilemann sind vor allem ein- bis vierjährige Kinder durch Verzehren der Früchte gefährdet. 60 % der gemeldeten Fälle verliefen symptomlos, bei 40 % traten Symptome auf, überwiegend (90 %) Schleimhautreizungen, bei 20 % waren Magen und Darm betroffen, bei 10 % traten andere Symptome auf. Ein fünfjähriger Junge bekam kurze Zeit nach dem Genußss von fünf Beeren starkes Brennen in der Mundhöhle und Schleimhautreizung, die Heilung erfolgte in diesem Fall ohne Therapie.

Gefährlichkeitsgrad: Sehr stark giftig +++ (frische Pflanze). Die getrocknete Pflanze scheint - je nach Alterung - wesentlich weniger giftig zu sein.

Vorschriften: Arum maculatum: Monographie der Kommission D.

Literatur:

F 16           Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

H 12           Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

H 13           Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. Bd.3 Gifte, Hrsg.: H.U. Wolf, 5. Aufl., Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, 1992

 

 

L 10           Liebenow, H., Liebenow, K.: Giftpflanzen. 248 S., 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1981

 

 

M 2            Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Bd. I-III, G. Thieme Verlag, Leipzig, 1938

 

Mxx:         von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U., Bunjes, R., Brockstedt, M.: Vergiftungen im Kindesalter, 4. Aufl., Thieme Verlag Stuttgart, 2003

 

S 6            Schilcher, B.: Giftpflanzenberatung besonders gefragt zur Fruchtreifezeit. PZ 44, 9-16, 1988

 

 

Therapie: 14

 

 

 Erste Hilfe:

 

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Nur nach Verschlucken größerer Mengen Kohlegabe. Sofort Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

Bei Schleimhautschwellung lokale Steroidanwendung; bei starken Schmerzen im Mundbereich Lokalanästhetikum applizieren.

 

Nach Hautkontakt: Sofort mit Wasser abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.

 

Nach Augenkontakt: Bei geöffentem Lidspalt mindestens 10 Minuten mit viel Wasser spülen. Augenarzt hinzuziehen.


 

   

  Asarum europaeum L.

 

Haselwurz. E: Asarabacca, Hazelwort. F: Asaret d’Europe. I: Baccaro comune.

 

 

Familie: Aristolochiaceae, Osterluzeigewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Kleinasien, Sibirien, Süd- und Mitteleuropa; in Süddeutschland stellenweise häufig in humusreichen Laubwäldern und Gebüschen.

Beschreibung: Immergrünes Kraut, bis 15 cm hoch, mit kriechender, oberirdischer Sproßssachse, mit langgestielten, nierenförmigen, glänzend lederartigen Blättern. Blüten kurzgestielt, glockig, 3 zipfelig, dunkelbraunrot. Kapsel 6 fächerig, aufspringend.

Blütezeit: März-April.

Droge: Rhizoma Asari, Asari rhizoma, Haselwurzelstock.

Mehrere Dezimeter lang, stumpf vierkantig, zart längsgestreift, innen weißlich. Geschmack pfefferartig.

Giftige Pflanzenteile: Die ganze Pflanze.

Hauptwirkstoffe: 0,7-4 % ätherisches Öl mit α-Asaron=Asarumkampfer (beim Trocknen leicht flüchtig). Gehalt schwankend (30-50 % des Öles). Weiterhin das Selinan-Derivat α-Agarofuran.

Es gibt neben asaronfreien Pflanzen solche, deren ätherisches Öl bis zu 90 % aus trans-Isoasaron, bzw. trans-Isoeugenol oder trans-Isoelemicin besteht. Im Hinblick auf die verschiedene Zusammensetzung des ätherischen Öls lassen sich in Europa 4 verschiedene chemische Rassen unterscheiden.

Vergiftungserscheinungen: Brennen im Mund und Schlund. Übelkeit, Erbrechen, Magenschmerzen, Gastroenteritis mit Diarrhöen und Uterusblutungen. Im Extremfall Tod durch zentrale Atemlähmung.

Beim Kauen des Rhizoms wird die Mundhöhle und Zunge vorübergehend anästhetisiert. Verantwortlich dafür sind die Phenylpropanderivate trans-Isoasaron und trans-Isoeugenolmethylester.

Die emetische Wirkung ist dem ätherischen Öl zuzuschreiben.

Gefährlichkeitsgrad: Giftig +

Vorschriften: Asarum europaeum: Monographie der Kommission D.

Literatur:

B 18           Biering, W.E., Bungert-Hansing, I., Jork, H.: Ist es gerechtfertigt, bei Asarum Europaeum von chemischen Rassen zu sprechen. Planta medica, 29, 134-147, 1976

 

 

B 19           Biering, W.E., Jork, H.: a-Agarofuran, ein neues Selinan-Derivat aus dem Ätherischen Öl von Asarum europaeum L. Planta medica 37, 137-142, 1979

 

 

B 36           Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

G 4            Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

G 9            Gracza, L.: Über die Wirkstoffe von Asarum europaeum. Planta medica 48, 153-157, 1983

 

 

H 12           Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

 Therapie: 14

 

 

 

 Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Kohlegabe. Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen


 

   

Asparagus officinalis L.

 

Spargel. E: Asparagus. F: Asperge. I: Asparago comune, Sparagio. NL: Asperge.

 

 

EDV-Code: ASPOF.

Familie: Liliaceae, Liliengewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Europa, Nordafrika, Indien, kultiviert in Nordamerika. Sandige Standorte, an Rainen, Wegrändern etc.; als Gemüsepflanze angebaut.

Beschreibung: Ausdauernde, bis 1,5 m hohe Pflanze mit dickem Wurzelstock, der fingerdicke, fleischige, saftige Sprosse treibt, die sich zu verzweigten Stengeln entwickeln. Blätter schuppenförmig; Kurzsprosse nadelförmig. Blüten klein, zweihäusig, weiß bis grünlichgelb. Beeren erbsengroß, ziegelrot.

Blütezeit: April-Mai.

Spargelernte: Mai, Juni.

Früchte: September-November.

Nach dem Verzeht der fleischigen und saftigen Sprosse (Spargel) nimmt der Urin einen charakteristischen Geruch an, der auf die Anwesenheit von Methylmercaptan zurückzuführen ist und eine positive Fehling-, boettger und Trommer-Reaktion ergibt, obwohl kein Zucker im Urin ist. [H 12]

Als gebräuchliche Zimmerpflanzen: Asparagus crispus Lam.

Asparagus densiflorus (Kunth)

Asparagus setaceus (Kunth)

Die beiden erstgenannten Arten können auch rote Beeren entwickeln.

Droge: Rhizoma Asparagi, Asparagi rhizoma, Spargelwurzelstock.

Wurzelstock mit Wurzeln, Geschmack fade, süßlich.

Auszug aus der Monographie der Kommission E: Asparagi rhizoma (Spargelwurzelstock).

Gegenanzeigen: Entzündliche Nierenerkrankungen.

Hinweis: Keine Durchspülungstherapie bei Ödemen infolge eingeschränkter Herz- oder Nierenfunktion.

Nebenwirkungen: In sehr seltenen Fällen kann es zu allergischen Hautreaktionen kommen.

Giftige Pflanzenteile: Beeren.

Hauptwirkstoffe: In den Sprossen Asparagin, Tyrosin, in den blassen Sprossen Diosgenin, Jamogenin, Sarsapogenin [H 12]; in den roten Beeren Sparginin [K 40]. A. densiflorus und A. setaceus enthalten Steroidsaponine.

Vergiftungserscheinungen: Bei Ingestion von Beeren in größerer Anzahl ist eine Gastroenteritis möglich. Nach Erfahrungen einer Beratungsstelle für Vergiftungserscheinungen zeigen sich bei zwei bis sieben Beeren keine Symptome - in einem Fall erbrach sich ein Kind mehrmals.

Nach Weilemann werden die Beeren und Blätter vorwiegend von Einhalb- bis Vierjährigen gegessen. In 10 % aller Fälle wurden Magen- und Darmbeschwerden beobachtet, die aber meist harmlos waren und nur in Ausnahmefällen behandelt werden mußssten [W 38].

Wirkungen auf die Haut: In Konservenfabriken trat früher bei der Verarbeitung von Spargel öfters die Spargeldermatitis „Spargelkrätze” auf.

Zwei Fälle einer hochgradigen Spargelkontaktallergie wurden kürzlich bei Spargelanbauern beobachtet. Beide mußssten ihren Beruf aufgeben .Durch Epikutantests und tierexperimentelle Untersuchungen ließ sich nachweisen, daßss das Allergen zu Beginn der Wachstumsphase in nachweisbaren Mengen im Saft des Spargels vorhanden ist. Zu Ende der Spargelsaison ist es nicht mehr nachweisbar. An der Strukturaufklärung des Allergens wird zur Zeit gearbeitet (Hausen unveröffentlicht).

Anwendungen: Die fleischigen saftigen Sprosse (Spargel) dienen als Lebensmittel.

Gefährlichkeitsgrad: Die Beeren sind kaum giftig (+)

Anwendungen in der Homöopathie: Asparagus D2 bei Blasen- und Nierenleiden. Spargel wirkt diuretisch.

Vorschriften: Asparagus officinalis: Monographie der Kommission D.

Asparagi herba und A. rhizoma: Monographie der Kommission E.

Literatur:

F 16             Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

H 12             Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

K 40             Krienke, E.G., von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U.: Vergiftungen im Kindesalter, 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1986

 

 

L 13              Ludewig, R., Lohs, K.: Akute Vergiftungen, Ratgeber für toxikologische Notfälle. 692 S., 6. Aufl., G. Fischer Verlag, Stuttgart, New York, 1981

 

 

M 2              Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Bd. I-III, G. Thieme Verlag, Leipzig, 1938

 

Mxx:         von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U., Bunjes, R., Brockstedt, M.: Vergiftungen im Kindesalter, 4. Aufl., Thieme Verlag Stuttgart, 2003

 

 

W 27            Wirth, W., Gloxhuber, C.: Toxikologie für Ärzte, Naturwissenschaftler und Apotheker. 4. Aufl., G. Thieme Verlag, Stuttgart, New York, 1985

 

 

 

Therapie: 18

 

Erste Hilfe:

Nach Verschlucken von bis zu 5 Beeren: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen).

Bei mehr als 5 Beeren Kohlegabe, bei mehr als 10 Beeren Magenentleerung (Ipecac).

Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.


 

   

Atropa bella-donna L.

 

Tollkirsche. E: Deadly night shade. F: Belladone. I: Belladonna. NL: Wolfskers.

 

EDV-Code: ATRBE.

Familie: Solanaceae, Nachtschattengewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Europa, Asien, Nordafrika; in Mitteleuropa verbreitet; Laubwälder, Waldschläge, Waldränder.

Beschreibung: Krautige Staude, bis 1,5 m hoch, stark verästelt. Blätter groß, eiförmig, dunkelgrün, ganzrandig. Blüten einzeln, gestielt, abstehend oder hängend röhrig-glockig, braunrot. Beere kirschgroß, glänzend-schwarz.

Die Pflanze hat im Sommer gleichzeitig grüne Blütenknospen, braune Blüten, grüne unreife Beeren und schwarze reife Beeren.

Blütezeit: Juni-August.

Früchte: August-September.

Droge: Folia Belladonnae, Belladonnae folium, Tollkirschenblätter.

Geruch schwach, Geschmack schwach bitter, scharf.

Das Auftreten von Apoatropin und Tropanol wird als Anzeichen für alte oder unsachgemäß gelagerte Droge gewertet.

Belladonnae radix, Belladonnawurzel.

Auszug aus der Monographie der Kommission E: Atropa belladonna (Tollkirsche)

Gegenanzeigen: Tachykarde Arrhythmien, Prostataadenom mit Restharnbildung. Engwinkelglaukom, akutes Lungenödem, mechanische Stenosen im Bereich des Magendarmtraktes, Megacolon.

Nebenwirkungen: Mundtrockenheit, Abnahme der Schweißdrüsensekretion, Akkomodationsstörungen, Hautrötung und- trockenheit, Wärmestau, Tachykardie, Miktionsbeschwerden, Halluzinationen und Krampfzustände (vor allem bei Überdosierung).

Giftige Pflanzenteile: Alle Pflanzenteile. Giftaufnahme auch durch die Haut möglich. Vergiftungen meist mit Beeren, die süß und angenehm schmecken. Bei Kindern gelten 3-4 Beeren als tödlich, bei Erwachsenen 10-12. Mit Blättern sind Vergiftungen ab 0,3 g möglich.

Hauptwirkstoffe: 0,1-1,2 % Gesamtalkaloide, stark abhängig von Standort, Zeitpunkt etc., L-Hyoscyamin bis 70 %, daneben Atropin, Scopolamin (Hyoscin), wenig Atropamin (Apoatropin).

Atropamin

 

Vergiftungserscheinungen: Innerhalb einer viertel Stunde stellen sich folgende Vergiftungserscheinungen ein: Psychomotorische Unruhe und allgemeine Erregung, nicht selten auch in erotischer Hinsicht, Rededrang, starke Euphorie (Heiterkeit, Lachlust), aber auch Weinkrämpfe, starker Bewegungsdrang, u.a. Tanzlust, Intentionsstörungen, manirierte stereotype Bewegungen, choreatische Zustände, Ataxie, Ideenflucht, Umnebelungsgefühl, Irrereden, Schreien, Halluzinationen der verschiedensten Art; Zunahme des Erregungszustandes bis zu Anfällen von Tobsucht, Wut, Raserei, mit völliger Verkennung der Umgebung (wie bei manischer Psychose), ferner Zuckungen oder allgemeine klonische (epileptiforme) Krämpfe. Außerdem Schwindel, Übelkeit, aber nur selten und dann meist initiales, bei reiner Atropinvergiftung stets fehlendes Erbrechen, starke Beschleunigung und Vertiefung der Atmung, heftiges Herzklopfen, Klopfen der Pulse, insbesondere auffälliges Pulsieren der Carotiden, Tachykardie (bis 160 pro Min.), Blutdrucksteigerung, bei hartem und steilem Puls; maximale Erweiterung und Starre der Pupillen, dadurch bedingt Blendungsgefühl und Lichtscheu, glanzvolle Augen, langanhaltende Sehstörungen (undeutliches Sehen in der Nähe, Diplopie, Mikropie, Chromopie), in schweren Fällen völlige Aufhebung des Sehvermögens; Sprachstörungen bis zum Sprechunvermögen; scharlachrote, trockene und heiße Haut, stark erhöhte Körpertemperatur, Trockenheit im Mund, Schlund und Kehlkopf (Aphonie), Durst, dabei Wasserscheu wegen vorhandener Schluckstörungen. Allmählich tritt, oft unter zeitweiser Wiederkehr der Erregungszustände einschließlich der Krämpfe, zunehmende Bewußsstlosigkeit, Erschöpfung und ein narkoseähnlicher Schlafzustand ein, in dem die bis dahin anhaltende Gesichtsröte einer durch die fortschreitende Atemschädigung zustande kommenden Cyanose Platz macht; die Körpertemperatur ist nunmehr unter die Norm gesunken. Entweder kommt es aus diesem Lähmungsstadium heraus allmählich wieder zur Erholung oder es tritt unter Fortschreiten der Lähmung und Zunehmen der Atemschädigung im Koma der Tod durch zentrale Atemlähmung ein [H 12].

Am Anfang Rauhheit, Trockenheit und Kratzen in Mund und Kehle, quälender Durst, Heiserkeit, Nausea, Schlingbeschwerden, dann Unmöglichkeit zu schlucken, zuerst Pulsverlangsamung, dann Beschleunigung, Herzklopfen, Kopfweh, Schwindel, gesteigerte Reflexe, heftige Aufregung mit hastigen Bewegungen, Zittern und schwankendem Gang, Delirien mit Halluzinationen, plötzliche Wahnsinnsanfälle, denen Krämpfe, zentrale Lähmung und Stupor folgen. Schließlich Kollaps, Koma mit äußerst beschleunigter Atmung und Asphyxie [M 2].

Tiere sollen gegenüber Tollkirschen weniger empfindlich sein als Menschen. Vergiftungen sind selten [H 18].

Nach den Erfahrungen der Beratungsstelle für Vergiftungserscheinungen in Berlin aß ein Fünfjähriger eine unbekannte Menge Tollkirschen. Es zeigten sich die typischen Symptome einer Atropinvergiftung, die nach entsprechender Behandlung innerhalb von eineinhalb Tagen abklangen. Ähnliche Symptome zeigten sich bei einem Neunjährigen, der ebenfalls eine unbekannte Menge aufgenommen hatte. Bei der Magenspülung entleerten sich noch ca. 8 unbeschädigte Früchte. Nach einem halben Tag besserte sich der Zustand deutlich.

Belladonna-Extrakte wurden ab 1867 (Charcort) und vermehrt in den zwanziger Jahren (Raeff) als „bulgarische Kur” zur Behandlung der Schüttellähmung (Parkinsonismus) verwendet. Die Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Sehstörungen, Harnverhalten etc. waren aber so gravierend, daßss man die Behandlung oft unterbrechen oder abbrechen mußsste. [Medikament u. Meinung 19.6.(1992)]

Nach Weilemann sind durch die Früchte zweijährige und ältere Kinder besonders gefährdet. In 55 % aller Fälle traten folgende Symptome auf: Erweiterte Pupille 60 %, Herz-Kreislauf 50 %, Magen- und Darmbeschwerden 20 %, trockene Haut und Schleimhaut 50 %, Psychose 20 %. W. führt folgendes Fallbeispiel auf: Ein dreieinhalb Jahre alter Junge aß eine oder zwei Tollkirschen. Nach fünf Stunden traten trockene Haut und Schleimhaut, Pulsbeschleunigung, erweiterte Pupillen und Ataxie auf. Die Heilung erfolgte unter symptombezogener Therapie. Bei Verzehr von Pflanzenteilen ärztliche Entleerung des Magen- und Darmtraktes, bei typischer Atopiesymptomatik Physostigminsalicylat (Anticholium R). (Anmerkung des Verfassers: Bei einer Aufnahme von zwei Tollkirschen gegenüber einer würde es sich um 100 % mehr Wirkstoffe handeln. Dies als Beispiel, daßss Mengenangaben sehr genau gemacht und in der Anamnese erhoben werden sollten.)

Gefährlichkeitsgrad: Sehr stark giftig +++

Vorschriften: Atropa belladonna: Monographie der Kommission D und E.

Kosmetikverordnung, Anlage 1, Nr. 44: Atropa belladonna L. und ihre Gemische dürfen beim Herstellen oder Behandeln von kosmetischen Mitteln nicht verwendet werden.

Verbotener Stoff der Kosmetikverordnung v. 19. 6. 1985, Anlage 1: 44 Atropa belladonna L. und ihre Zubereitungen.

Literatur:

B 36             Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

F 16             Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

G 4               Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

H 12             Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

H 18             Hapke, H.J.: Toxikologie für Veterinärmediziner. 408 S., Enke Verl., Stuttgart, 1975

 

 

J 5                Jaspersen-Schib, R.: Giftpflanzen aktuell - Herbst. Dtsch. Apoth. Ztg., 124, 2321-2327, 1984

 

 

L 10              Liebenow, H., Liebenow, K.: Giftpflanzen. 248 S., 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1981

 

 

M 2              Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Bd. I-III, G. Thieme Verlag, Leipzig, 1938

 

Mxx:         von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U., Bunjes, R., Brockstedt, M.: Vergiftungen im Kindesalter, 4. Aufl., Thieme Verlag Stuttgart, 2003

 

 

O 4               Oprach, F., Hartmann, Th.: Zur Rolle des Tropanols als Reinheitskriterium der Solanaceen-Drogen nach Ph. Eur. Dtsch. Apoth. Ztg. 126(13), 643-644, 1986

 

 

S 6               Schilcher, B.: Giftpflanzenberatung besonders gefragt zur Fruchtreifezeit. PZ 44, 9-16, 1988

 

 

T 5               Thesen, R.: Phytotherapeutika - nicht immer harmlos. Ztschr. f. Phytother. 9, 105-111, 1988

 

 

W 38           

 

 

Y 3               Ylinen, M. et al.: Tropane alkaloids from Atropa belladonna. Planta medica, 85-87, 1986

 

 

 

 

Therapie:  1

 

 

 Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Sofort Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

Nach Verschlucken von mehr als 1 Frucht durch Kleinkinder oder mehr als 2 Früchten durch Jugendliche oder größere Mengen aller anderen Pflanzenteil Kohlegabe (wegen rasch möglicher ZNS-Symptome keine routinemäßige primäre Giftentfernung). Stationäre Überwachung.

 

Nach Hautkontakt: Sofort mit Wasser und Seife abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.

 

Nach Augenkontakt: Bei geöffentem Lidspalt mindestens 10 Minuten mit viel Wasser spülen. Bei anhaltender Augenreizung Arzt aufsuchen.

 

 


 

   

Aucuba japonica Thunb.

 

Japanische Goldorange. E: Japanese aucuba. F: Aucuba du Japon. I: Aucuba giapponese.

 

 

EDV-Code: AUCJA.

Familie: Cornaceae, Hartriegelgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Heimat: Japan, Korea, Formosa; Topfpflanze, in milderen Teilen Mitteleuropas auch im Freien (Rheingebiet).

Beschreibung: Immergrüner Strauch. Blätter bis 20 cm lang, länglich-eiförmig, bei Züchtungsformen goldgefleckt oder weiß panaschiert. Blüten klein, rötlich, in endständigen Rispen. Beerenfrüchte scharlachrot.

Blütezeit: März-April.

Giftige Pflanzenteile: Alle Pflanzenteile, vor allem die oberirdischen.

Hauptwirkstoffe: Aucubin. Nach Trimm und Hill 1,4 % in den Blättern und 3 % in den Samen.

 

Vergiftungserscheinungen: Entzündungen im Magen-Darm-Kanal, Diarrhöen und Koliken. Bei Aufnahmen großer Mengen Blutungen im Gehirn, die schnell zum Tod führen.

Gefährlichkeitsgrad: Giftig +

Literatur:

F 16            Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

M 17           Merck-Index: Editor Budavari S., 11 th edition, Merck & Co., Inc., Rahway, N.J., 1989

 

 

 

Therapie:  16

 

 

 

 Erste Hilfe:

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen.

Bei anhaltenden Beschwerden Arzt aufsuchen.

 

 


 

   

Averrhoa carambola L.

 

Karambolabaum, Sternfruchtbaum. E: Carambola tree, Star fruit tree. F: Carambolier vrai.

 

 

EDV-Code: AVRCA.

Familie: Oxalidaceae, Sauerkleegewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Der in Malaysia heimische Baum ist in den Tropen oft eingebürgert und wird in Brasilien, Thailand und Israel kultiviert.

Beschreibung: Früchte bis 10 cm lang und 5 cm breit, sternförmig, mit 5-6 scharfkantigen Längsrippen. Fruchtfleisch saftig, grün, reif bernsteinfarbig. Geschmack aromatisch, säuerlich; Geruch aromatisch.

Wirkstoffhaltige Pflanzenteile: Früchte.

Hauptwirkstoffe: Außer Vitamine A und C, Calcium und Eisen haben die Früchte einen hohen Gehalt an Oxalsäure. Averrhoa carambola enthält bis 1000 mg Oxalsäure/100 g.

Verwendung: Als Zugabe zu Obstsalaten. In Scheiben geschnitten zur Dekoration z. B. in Getränken (Sekt). Beim Rohverzehr der Früchte kann die Haut mitgegessen werden. Sie ist bei reifen Früchten leicht abziehbar.

Vergiftungserscheinungen: Oxalsäure. Da die Früchte meist nur zur Dekoration verwendet werden, ist eine Vergiftung kaum zu erwarten.

Gefährlichkeitsgrad: Giftig + nur beim Verzehr großer Mengen, sonst nicht oder nur wenig giftig (+).

 

 Therapie: 15

 

 Erste Hilfe:

 

Keine besonderen Maßnahmen erforderlich.

 


 

 

Begonia-Hybriden

 

Begonie, Schiefblatt. E: Begonia.

 

 

Familie: Begoniaceae, Schiefblattgewächse.

Verbreitung, Vorkommen, Beschreibung: Über 800 Arten mit asymetrischem (schiefem) Blattaufbau. Ursprüngliche Arten („botanische Begonien”) sind fast nur in botanischen Gärten und bei Liebhabern zu finden. Unsere Zimmer- und Gartenpflanzen sind meistens mehrfache Arthybriden. Je nach der Verwendung spricht man von Blatt- oder Blütenbegonien.

Einteilung nach der Herkunft:

Rexbegonien-Hybriden: Blattbegonien (Herkunft: Asien, Begonia rex).

EDV-Code: BEGRH.

Knollenbegonien-Hybriden: Blütenbegonien (Herkunft: Südamerika).

EDV-Code: BEGKH.

Lorraine-Begonien-Hybriden: Blütenbegonien (Herkunft: Südafrika).

EDV-Code: BEGLH.

Semperflorens-Begonien-Hybriden: Blütenbegonien (Herkunft: Brasilien).

EDV-Code: BEGSH.

Giftige Pflanzenteile: Ganze Pflanze.

Hauptwirkstoffe: Calciumoxalat, gelöste Oxalsäure und Leucoanthocyane. In den Knollen von Knollenbegonien neben Oxalsäure auch Cucurbitacin B [J 6].

Vergiftungserscheinungen: Begonia gracilis H.B.K. und Begonia rex Putz. reizt die Schleimhäute stark, wirkt diuretisch, brechreizerregend und abführend.

Ein Blatt und eine Blüte einer Begonienart wurde gegessen, ohne irgend eine Symptomatik hervorzurufen.

Einige Begonien-Arten sind giftig, andere aber essßbar, besonders junge Blätter als Gemüse.

Bei peroraler Aufnahme von Knollenbegonien kommt es zu drastischen und blutigen Durchfällen [J 6].

Gefährlichkeitsgrad: Je nach Art giftig + bis ungiftig.

Literatur:

D 12       Douglas Kinghorn, A.: Toxic plants. 195 S., Columbia University Press, New York, 1979

 

 

F 16        Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

J 6          Jaspersen-Schib, R.: Giftige Zimmerpflanzen. Dtsch. Apoth. Ztg., 127, 1417-1423, 1987

 

Mxx:         von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U., Bunjes, R., Brockstedt, M.: Vergiftungen im Kindesalter, 4. Aufl., Thieme Verlag Stuttgart, 2003

 

 

Therapie: 15

 

 

Erste Hilfe:

Nach Verschlucken : Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Kohlegabe. Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

Nach Hautkontakt: Mit Wasser und Seife abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.

 

 


 

Berberis vulgaris L.

 

Berberitze, Sauerdorn. E: Barberry. F: Vinettier. I: Crespino comune.

 

 

EDV-Code: BEBVU.

Familie: Berberidaceae, Sauerdorngewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Zerstreut im gemäßigten Europa, nach Nordwesten seltener werdend; kalkliebend; an Waldsäumen und lichten Wäldern.

Beschreibung: Strauch bis 3 m hoch, mit rutenförmigen, dornigen Zweigen. Blätter länglich elliptisch, 2-4 cm lang. Blütentrauben ca. 5 cm lang, gelb. Beeren länglich, rot.

Blütezeit: Mai-Juni.

Weitere bei uns häufig kultivierte Arten sind:

Berberis buxifolia Lam. ex Poir.

Berberis candidula Schneid.

Berberis julianae Schneid.

Berberis thunbergii DC.

Droge: Cortex Berberidis radicis, Berberidis radicis cortex, Berberitzenwurzelrinde.

In den Handel kommt die Rinde oder die ganze Wurzel. Geschmack stark bitter, beim Kauen färbt sich der Speichel gelb.

Giftige Pflanzenteile: Mit Ausnahme der Beeren die ganze Pflanze, besonders die Wurzel. Die Beeren sind genießbar. Während das Fruchtfleisch und die Samen von Berberis vulgaris keine Alkaloide enthalten, weisen die Samen anderer Berberis-Arten davon oft beträchtliche Mengen auf. Vor einem Verzehr der Früchte anderer Arten muß daher gewarnt werden.

Hauptwirkstoffe: Etwa 1-3 % Berberin C20H18NO4, Fp. 144 °C oder 205 °C (Hydrat), 1,5 % Oxyacanthin C37H40N2O6, Fp. 216-217 °C,

 

Magnoflorin C20H24NO4, Berberrubin C19H15NO4, Fp. 285 °C (Hydrat), Berbamin C37H40N2O6, Fp. 172 °C, Jatrorrhizin (Jatrorhizin) C20H20NO4, Columbamin C20H20NO4, Palmatin C21H22NO4 und Isotetrandrin C38H42N2O6, Fp. 182 °C [H 12].

Der Alkaloidgehalt (ca. 15 %) und die Anzahl der Alkaloide ist in der Wurzelrinde am höchsten. Die meisten Berberis-Arten enthalten die oben angeführten Alkaloide.

Vergiftungserscheinungen: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Nierenreizung, Nephritis. Berberin wird in therapeutischen Gaben bis 0,5 g vertragen. Ernstere Vergiftungen sind nicht bekannt.

Nach Weilemann waren vorwiegend Ein- bis Fünfjährige in den Monaten Mai bis Januar betroffen, nur bei 10 % der Kinder traten Symptome im Magen- und Darmbereich auf.

Anmerkung: Der flüssige Gesamtextrakt und einige Alkaloide zeigen eine cholagoge, choleretische, hypotensive Wirkung sowie antibiotische Eigenschaften.

Gefährlichkeitsgrad: Wenig giftig (+)

Vorschriften: Berberis vulgaris: Monographie der Kommissionen D und E.

Literatur:

B 36       Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

F 16        Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

G 4         Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

H 12       Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

I 7           Ikram, M.: A review on the chemical and pharmacological aspects of genus Berberis. Planta medica 28, 353-358, 1975

 

 

M 2         Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Bd. I-III, G. Thieme Verlag, Leipzig, 1938

 

Mxx:         von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U., Bunjes, R., Brockstedt, M.: Vergiftungen im Kindesalter, 4. Aufl., Thieme Verlag Stuttgart, 2003

 

 

P 7         Petcu, P., Goina, T.: Neue Methoden zur Extrahierung der Alkaloide aus Berberis vulgaris. Planta medica 18, 373-375, 1970

 

 

P 10       Pitea, M.: Beitrag zur quantitativen Bestimmung der Alkaloide von Berberis vulgaris. Planta medica 27, 203-216, 1975

 

 

P 11       Pitea, M. et al.: Dünnschichtchromatographische Untersuchungen der Alkaloide von Berberis vulgaris. Planta medica 21, 177-181, 1972

 

 

R 30       Röder, E., Bourauel, Th.: Pyrrolizidine alkaloids from Melampyrum pratense. Natural Toxins, 35-37, 1992

 

 

S 6         Schilcher, B.: Giftpflanzenberatung besonders gefragt zur Fruchtreifezeit. PZ 44, 9-16, 1988

 

Therapie: 16

 

 

Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Kohlegabe nur nach Verschlucken von Wurzel- oder Stammrinde oder größeren Mengen von Blättern.  Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

 


 

Bougainvillea glabra Choisy und Hybriden

 

Bougainvillea. E: Bougainvillea. F: Bougainvillier. I: Buganvillea.

 

 

Familie: Nyctaginaceae, Wunderblumengewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Heimat: Brasilien; verbreitet im ganzen Mittelmeerraum, bei uns als Zimmerpflanze.

Beschreibung: Kletterstrauch, mit oder ohne Dornen. Blätter eiförmig, spitz, grün, wechselständig. Krone röhrenförmig, grünlich oder weiß; 3 Blüten zu einer Gruppe zusammengestellt, jede Blüte von einem herzförmigen, lila, tomatenrot oder lachsrot gefärbten Hochblatt getragen.

Blütezeit: April-Oktober.

Hauptwirkstoffe: Von Bougainvillea sind keine gefährlichen Inhaltsstoffe bekannt.

Gefährlichkeitsgrad: Praktisch ungiftig.

Therapie:  -

Kohle-Pulvis-Gabe nach vermutlich größerer Aufnahme.

 

 

Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Bei anhaltenden Beschwerden Arzt aufsuchen.

 


 

Brunfelsia uniflora (Pohl) D. Don

 

[Brunfelsia hopeana (Hook.) Benth., Franciscea hopeana Hook.]

 

 

Familie: Solanaceae, Nachtschattengewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Heimat: Äquatoriales Amerika (Brasilien, Antillen); Topf- und Kübelpflanze.

Beschreibung: Bis 2 m hoher, locker wachsender Strauch. Blätter lanzettlich oder verkehrt eiförmig, dunkelgrün, unten heller. Blüten einzeln oder paarweise, hellviolettblau, im Verblühen weiß, Kronröhre gekrümmt, fast weiß, 2,5 cm lang (kleinste Blüten der Gattung).

Blütezeit: Januar-August.

Droge: Radix Manaca (Radix Brunfelsiae), Manakawurzel.

Hauptwurzeln ungleich lang, 1-3 cm dick, schwarz bis rostbraun, mit Nebenwurzeln. Geruch- und geschmacklos.

Giftige Pflanzenteile: Die ganze Pflanze, besonders die Wurzel.

Hauptwirkstoffe: Alkaloide Manacin C22H32N2O10 und Manacein C15H26N2O9, ferner Äsculetin. In der Rinde ca. 0,08 % Manacin.

Scopoletin ist in Brunfelsia brasiliensis, Brunfelsia pauciflora und Brunfelsia uniflora enthalten. [R 35]

Vergiftungserscheinungen: Manacin reizt die Sekretion der Drüsen und tötet durch Atemstillstand. Manacein ist von ähnlicher Wirkung.

Manakawurzel, die in Brasilien als Mittel gegen Syphilis und als Abortivum benutzt wird, wurde schon früh folgende Wirkung zugeschrieben: starker Speichelfluß, Schlaffheit, allgemeine Betäubung, teilweise Lähmung des Gesichts, geschwollene Zunge und verschwommene Sicht. [R 35]

Gefährlichkeitsgrad: Giftig +

Vorschriften: Brunfelsia uniflora: Monographie der Kommission D.

Literatur:

H 12       Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

R 35       Rätsch, Ch.: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen, Wiessenschaftl. Verl. Ges., Stuttgart, 941 S., 1998.

 

Therapie:  14

 

 

Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

 


 

Bryonia alba L.

 

Weiße Zaunrübe. E: White bryony. F: Bryone blanche. I: Brionia bianca. NL: Witte Heggerank.

 

 

EDV-Code: BYOAL.

Familie: Cucurbitaceae, Kürbisgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Südeuropa, in Mitteleuropa besonders im Nordosten, fehlt im Westen und Südwesten; Gebüsche, Hecken, Zäune.

Beschreibung: Im Habitus Bryonia dioica ähnlich, jedoch einhäusig. Beeren schwarz, kugelig, erbsengroß. Die Pflanze führt einen scharfen Milchsaft.

Blütezeit: Juni-Juli.

Früchte: August-September.

Droge: Radix Bryoniae, Bryoniae radix, Zaunrübenwurzel.

Frische Wurzel riecht widerlich, getrocknet geruchlos, Geschmack ekelhaft bitter und scharf.

Auszug aus der Monographie der Kommission E: Bryoniae radix (Zaunrübenwurzel)

Risiken: Bei der Einnahme von Zubereitungen aus Zaunrübenwurzeln wurden die folgenden Wirkungen beobachtet: Schwindel, Erbrechen, heftige Koliken, starke dünnflüssige, zum Teil auch blutige Diarrhoen, Nierenschäden, Abort, Erregungszustände und Krämpfe.

Zaunrübenwurzel enthält Cucurbitacine, die teilweise stark zytotoxisch wirken.

Giftige Pflanzenteile: Alle Pflanzenteile, besonders Beeren und Wurzeln. 40 Beeren gelten für Erwachsene und 15 Beeren für Kinder als tödliche Dosis, nach 6-8 Beeren traten Vergiftungserscheinungen auf.

Hauptwirkstoffe: Bryonidin, Bryonin C48H66O18 (Aglucon Bryogenin C30H48O3, Fp. 157°C).

Vergiftungserscheinungen: Bei Einnahme: Übelkeit, Erbrechen, Erregung, Schwindel, blutiger Durchfall, heftige Koliken, tetanusartige Krämpfe, Nierenschädigung, rascher Puls, zuletzt Atemlähmung.

Wirkungen auf die Haut: Bei Berührung Hautreizung mit Rötung und Blasenbildung.

Gefährlichkeitsgrad: Stark giftig ++

Vorschriften: Bryoniae radix: Monographie der Kommission E.

Literatur:

B 36       Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

F 16        Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

G 4         Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

H 12       Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

M 2         Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Bd. I-III, G. Thieme Verlag, Leipzig, 1938

 

Mxx:         von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U., Bunjes, R., Brockstedt, M.: Vergiftungen im Kindesalter, 4. Aufl., Thieme Verlag Stuttgart, 2003

 

 

Therapie:  14

.

 

Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken der Beeren: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Sofort Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen. Kohlegabe. Bei mehr als 3 Beeren Magenentleerung (Ipecac).

 

Nach Hautkontakt: Sofort mit Wasser und Seife abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.


 

Bryonia cretica L. ssp. dioica (Jacq.) Tutin

 

(Bryonia dioica Jacq.)

Rote Zaunrübe. E: Red bryony. F: Bryone dioïque. I: Brionia comune. NL: Heggerank.

 

 

EDV-Code: BYODI.

Familie: Cucurbitaceae, Kürbisgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Europa, in Mitteleuropa im Westen häufig; Zäune, Hecken, Gebüsche.

Beschreibung: Krautige, zweihäusige Kletterpflanze, bis 3 m lang, mit rübenförmiger Wurzel. Blätter lappig, rauh. Blüten 5 zipflig, klein, blattachselständig, gelblichweiß. Beeren erbsengroß, zuletzt scharlachrot. Pflanze führt scharfen Milchsaft.

Blütezeit: Juni-September.

Früchte: August-September.

Hauptwirkstoffe: Bryonicin C10H17NO2, Fp. 81-83°C (dec.), und Bryonol C22H34O2(OH)2, Fp. 210-212°C (dec.), Tetrahydrodrocucurbitacin I [H 12].

Außerdem Saponin, Kaffeesäure, Cucurbitacine.

Vergiftungserscheinungen: Aus den Erfahrungen der Beratungsstelle für Vergiftungserscheinungen, Berlin: Bis zu 4 Beeren wurden ohne Symptome vertragen; 8 jähr. Knabe bot nach 6-8 Beeren 3 maliges Erbrechen;

2 3/4 jähr. Mädchen hatte Bauchschmerzen nach 1 Std. ohne Symptome; im Erbrochenen (Ipecac.) rote Fruchtschalen [K 40].

Gefährlichkeitsgrad: Stark giftig ++

Vorschriften: Bryonia cretica: Monographie der Kommission D.

Bryoniae radix: Monographie der Kommission E.

Literatur:

B 36       Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

D 13       Duncan, G.R., Levi, D.D., Pyttel, R.: Bitter principles of the cucurbitaceae: Bryonia dioica. Planta medica 15, 224-230, 1968

 

 

F 16        Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

G 4         Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

K 40       Krienke, E.G., von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U.: Vergiftungen im Kindesalter, 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1986

 

Mxx:         von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U., Bunjes, R., Brockstedt, M.: Vergiftungen im Kindesalter, 4. Aufl., Thieme Verlag Stuttgart, 2003

 

 

S 6         Schilcher, B.: Giftpflanzenberatung besonders gefragt zur Fruchtreifezeit. PZ 44, 9-16, 1988

 

 

S 45       Siegers, C.-P.: Toxikologie der Phytopharmaka. Ztschr. f. Phytother. 8, 110-113, 1987

 

Therapie: 14

 

 

 

Erste Hilfe:

Nach Verschlucken der Beeren: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Sofort Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen. Kohlegabe. Bei mehr als 3 Beeren Magenentleerung (Ipecac).

 

Nach Hautkontakt: Sofort mit Wasser und Seife abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.

 

 


 

Buddleja davidii Franch.

 

Sommerflieder, Schmetterlingsstrauch. E: Orange-eye butterfly bush. F: Buddléia de David. I: Buddleja.

 

 

EDV-Code: BUDDA.

Familie: Buddleja

Verbreitung, Vorkommen: Heimat: China; in Europa häufiger Zierstrauch mit zahlreichen Züchtungen in Gärten und Parks.

Beschreibung: Strauch 3-5 m hoch. Blätter lanzettlich, kurzgestielt, gegenständig, unterseits weißfilzig. Blüten trichterförmig, lila, auch weiß, in endständigen, bis 30 cm langen Rispen.

Blütezeit: Juli-Oktober.

Giftige Pflanzenteile: Ganze Pflanze, besonders Blätter und Samen.

Hauptwirkstoffe: Nach Untersuchungen von Duff enthalten die Blätter von Buddleja-Arten die beiden Glykoside Catalpol und Methylcatalpol [H 12], nach Jaspersen-Schib Aucubin und Saponine [J 5].

Gefährlichkeitsgrad: Wenig giftig (+)

Literatur:

H 12       Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

J 5          Jaspersen-Schib, R.: Giftpflanzen aktuell - Herbst. Dtsch. Apoth. Ztg., 124, 2321-2327, 1984

 

Therapie:  16

Erste Hilfe: Kohle-Pulvis-Gabe.

Klinik: Beobachtung der Herz-Kreislauf-Funktion. Nach wahrscheinlich großer Giftaufnahme Magenspülung.

 

 

Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen.

Bei anhaltenden Beschwerden Arzt aufsuchen.

 


 

Buxus sempervirens L.

 

Buchsbaum. E: Common box tree. F: Buis bénit. I: Bosso comune, bossolo.

 

 

EDV-Code: BUXSE.

Familie: Buxaceae, Buchsbaumgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Westeuropa und westliches Südeuropa; Nordostgrenze in Südwestdeutschland. Zierstrauch, in Hecken gepflanzt oder einzeln.

Beschreibung: Immergrüner, bis 4 m hoher Strauch. Blätter lederartig, länglich eiförmig, bis 2 cm lang. Blüten unscheinbar, gelblichweiß, blattachselständig.

Früchte: 3 fächerig.

Blütezeit: März-Mai.

Giftige Pflanzenteile: Blätter und Früchte.

Hauptwirkstoffe: Die früher als Inhaltsstoffe beschriebenen Alkaloide Buxin, Parabuxin, Buxinidin, Parabuxinidin und Buxinamin werden in der neueren Literatur nicht mehr erwähnt. Bei Hager [H 12] werden folgende Alkaloide angegeben:

Alkaloid A, C25H42N2O, Fp. 247 °C (Cyclobuxin D);

Alkaloid B, C24H42N2O, Fp. 205-207 °C; Alkaloid C, C24H42N2O, Fp. 212-214 °C; Alkaloid D, C29H50N2O, Fp. 182-183 °C;

Alkaloid L, C27H48N2, Fp. 198-203 °C;

Alkaloid M, C27H26N2O, Fp. 203-204 °C; Alkaloid N, C22H35NO2, Fp. 178-179 °C .

Vergiftungserscheinungen: Die Alkaloide wirken zunächst erregend, dann lähmend und blutdrucksenkend. Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Durchfall, Krämpfe, Kollaps.

Sie erzeugen ohne Reflexerregbarkeitssteigerung heftige klonische Krämpfe, denen zentrale Lähmung, auch Atemlähmung (Todesursache) folgen. Einige Alkaloide wirken zytotoxisch [H 12].

Erfahrungen der Beratungsstelle für Vergiftungserscheinungen, Berlin: 1 jähr. Knabe aß unbekannte Menge Blätter, war kurzzeitig apathisch, dann übererregt, leicht gesteigerte MER, 1× Erbrechen [K 40].

In neuerer Zeit wurde ein Fall bekannt, bei dem Schweine bis zu 500 g abgeschnittene Zweige gefressen hatten, plötzliche Atembeschwerden bekamen, umfielen und tonisch-klonische Krämpfe, anscheinend mit erheblichen Schmerzen, bekamen. Mehrere Tiere starben an der Vergiftung.

750 g frische Buchsbaumblätter sind für Pferde tödlich [H 18].

Ein Gartenbesitzer aus Rheine hatte nach einem Heckenschnitt seine Buchsbaumzweige in freier Natur an einem Feldweg abgeladen. Zwölf Jungrinder eines Bauern, die davon gefressen hatten, erkrankten und 2 davon verendeten. Obwohl der Gartenbesitzer die Gefährlichkeit nicht kannte, mußte er DM 1000,- an den Bauern zahlen. [BNN, 31, 1992; Aktenzeichen 6U 143/89]

Wirkungen auf die Haut/Schleimhaut: Mehrere Fälle von irritativen Kontaktdermatitiden sind beschrieben worden; möglicherweise fungieren die Alkaloide dabei als Histaminliberatoren. Asthma wurde mehrfach beobachtet, wenn man den Holzstaub zum Putzen und Polieren von Edelmetallen (Gold-, Silberwerkstätten) einsetzte [Hausen].

Gefährlichkeitsgrad: Stark giftig ++

Literatur:

B 36        Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

F 16        Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

G 4         Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

G 28        Gugenhan, E.: Giftiger Buchs. Kosmos 2, 31, 1985

 

 

H 12        Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

H 18        Hapke, H.J.: Toxikologie für Veterinärmediziner. 408 S., Enke Verl., Stuttgart, 1975

 

 

J 12         Jaspersen-Schib, R.: Giftpflanzen als Weihnachtsschmuck. Dtsch. Apoth. Ztg. 130, 2766-2772, 1990

 

 

K 40        Krienke, E.G., von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U.: Vergiftungen im Kindesalter, 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1986

 

Mxx:         von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U., Bunjes, R., Brockstedt, M.: Vergiftungen im Kindesalter, 4. Aufl., Thieme Verlag Stuttgart, 2003

 

 

Therapie:  14

 

 

 

 

Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen. Magenentleerung (Ipecac) nur bei größeren Mengen.

 

 

 


 

Caladium-Bicolor-Hybriden

 

[Caladium x hortulanum Birdsey, Caladium bicolor hort. non (Ait) Vent.]

Kaladie-Hybriden, Buntwurzhybriden. E: Caladium. F: Caladion à deux couleur.

 

 

EDV-Code: CLFBH.

Familie: Araceae, Aronstabgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Heimat: Tropisches Amerika; farbenprächtige Blattpflanze (Zimmerpflanze).

Beschreibung: Ausdauernde Knollenpflanze. Blätter pfeilförmig, an langen Stielen, Blattnerven dunkelgrün, dazwischen weiße und rote Flecken. Auch Pflanzen mit roten Blattnerven, werden bei uns als Zimmerpflanzen gezogen. Blütenstand

weißgelber Kolben mit grünem Hochblatt.

Blütezeit: April-Mai.

Giftige Pflanzenteile: Ganze Pflanze.

Hauptwirkstoffe: Calciumoxalat und scharfer, ätzender Saft.

Vergiftungserscheinungen: Ruft in größeren Mengen Darmentzündungen hervor. Wurzeln und Blätter sollen gekocht essßbar sein.

Gefährlichkeitsgrad: Giftig +

Literatur:

D 12       Douglas Kinghorn, A.: Toxic plants. 195 S., Columbia University Press, New York, 1979

 

 

H 12       Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

Therapie:  16

 

 

 

 

Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen.

Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

 

Nach Hautkontakt: Mit Wasser und Seife abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen

Calla palustris L.

 

Drachenwurz, Schlangenkraut. E: Water arum. Dragontea. F: Anguine, Calle de marais. NL: Slangewortel.

 

 

 

EDV-Code: CAFPA.

Familie: Araceae, Aronstabgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Europa, Sibirien, Nordamerika; in Mitteleuropa zerstreut; Sümpfe, Torfmoore, Erlenbrüche.

Beschreibung: Ausdauernde, 15-30 cm hohe, krautige Pflanze, mit kriechender, grüner Grundachse. Blätter grundständig, langgestielt, herzförmig, zugespitzt. Blüten klein, in einem vielblütigen Kolben, von einem Hochblatt (innen weiß, außen grün) getragen. Beeren

dichtgedrängt, reif scharlachrot.

Blütezeit: Mai-Juli.

Früchte: Juli-August.

Giftige Pflanzenteile: Alle Pflanzenteile, besonders Blätter und Beeren.

Hauptwirkstoffe: Die Calla scheint ähnliche Inhaltsstoffe (Scharfstoffe) wie Aronstab zu besitzen, jedoch sind von ihr kaum Vergiftungen bekannt. Sie enthält in den Beeren auch nur einzelne Oxalatraphiden.

Vergiftungserscheinungen: Vergiftungen beim Menschen sind kaum zu befürchten. Nach großen Mengen Durchfall, Herzanfälle und Lähmungen des Zentralnervensystems.

Unter den Tieren sind besonders Rinder gefährdet [L 10].

In Schweden und Rußssland wurden früher die stärkereichen Wurzelstöcke gemahlen und dem Brotteig zugesetzt. Durch den Backprozeßss wurden die Giftstoffe unwirksam.

Wirkungen auf die Haut: Die Pflanze ist hautreizend, besonders die Wurzeln.

Gefährlichkeitsgrad: Giftig +

Vorschriften: Die Pflanze steht unter Naturschutz (A, CS, D, CH, YU, H).

In der Roten Liste ist die Pflanze als gefährdet eingestuft.

Literatur:

B 36       Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

F 16        Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

G 4         Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

H 12       Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

L 10        Liebenow, H., Liebenow, K.: Giftpflanzen. 248 S., 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1981

 

Therapie:  14

 

 

 

 

Erste Hilfe:

Nach Verschlucken der Beeren oder anderer Pflanzenteile: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Bei anhaltenden Beschwerden Arzt aufsuchen.

 

Nach Hautkontakt: Mit Wasser und Seife abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.

 

 

 


 

Caltha palustris L.

 

Sumpf-Dotterblume. E: Common marsh marigold. F: Pacoteure. I: Calta palustre. NL: Dotterbloem.

 

 

EDV-Code: CTAPA.

Familie: Ranunculaceae, Hahnenfußgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Europa, Asien, Nordamerika; in Mitteleuropa verbreitet und häufig; Sümpfe, sumpfige Wiesen, Gräben, Ufer.

Beschreibung: Ausdauernde, krautige Pflanze, bis 30 cm hoch. Blätter herz- bis nierenförmig, untere langgestielt, obere sitzend. Blüten ein

zeln, endständig, mit 5 dottergelben Blütenblättern. Sammelbalgfrucht sternförmig.

Blütezeit: April-Mai.

Droge: Herba (et Flores) Calthae palustris, Calthae palustris herba (et flos), Sumpfdotterblumenkraut.

Die Droge soll nicht aufbewahrt werden, es ist nur frisches, blühendes Kraut zu verwenden.

Giftige Pflanzenteile: Die ganze Pflanze.

Hauptwirkstoffe: Protoanemonin und Flavonglykoside. Die Angaben in der Literatur sind widersprechend. Buff gibt Magnoflorin an, Liebenow Magnoflorin in den Wurzeln und Saponine im Kraut [B 36, L 10].

Vergiftungserscheinungen: Gastroenteritis, Brechreiz, Ohrensausen, Schwindel, schwacher Puls. Vergiftungen können vorkommen durch Verwendung der Blätter als Salat oder der Blütenknospen als Kapern (letzteres wurde auch in einer Fernsehsendung empfohlen!!).

Vor dem GenußGenuss aber sollte auf jeden Fall gewarnt werden.

Auf die Frage „Woher kommen Kapern?” wurde in einer Kundenzeitschrift u.a. folgende Antwort gegeben: Bei dem im Handel ebenfalls angebotenen Kapernersatz handelt es sich um Knospen bei uns heimischer

Pflanzen (Hahnenfuß, Sumpfdotterblume, Kapuzinerkresse), die aber geschmacklich nicht an echte Kapern heranreichen.

Wegen des scharfen Geschmacks wird die Pflanze von Tieren kaum gefressen. Vergiftungen bei Schafen und Ziegen wurden beobachtet. Die Folge: Gastroenteritis, Kolik, Nephritis.

Wirkungen auf die Haut: Reizung der Haut. Nach 4-5 Std. Anschwellung des Gesichtes und pemphigusartiger Ausschlag.

Innerlich: Schleimhautreizung.

Gefährlichkeitsgrad: Giftig +

Vorschriften: Caltha palustris: Monographie der Kommission D.

Literatur:

B 36       Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

F 16        Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

G 4         Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

H 12       Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

H 18       Hapke, H.J.: Toxikologie für Veterinärmediziner. 408 S., Enke Verl., Stuttgart, 1975

 

 

L 10        Liebenow, H., Liebenow, K.: Giftpflanzen. 248 S., 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1981

 

 

M 2         Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Bd. I-III, G. Thieme Verlag, Leipzig, 1938

 

Therapie: 14

 

 

 

 

Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken der Beeren oder anderer Pflanzenteile: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Bei anhaltenden Beschwerden Arzt aufsuchen.

 

Nach Hautkontakt: Mit Wasser und Seife abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.

 


 

Cannabis sativa L.

 

Hanf. E: Hemp. F: Chanvre. I: Canapa. NL: Hennep.

 

EDV-Code: CNISA.

Familie: Cannabaceae, Hanfgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Heimat: Iran, Indien; zur Faser- und Ölgewinnung angebaut.

Beschreibung: Bis 2,5 m hohe 1 jährige Pflanze, Blätter 5-9 zählig, gefingert, langgestielt, gesägt. Blüten zweihäusig, achsel- und endständig, unscheinbar grünlich. Frucht eiförmiges Nüßsschen.

Blütezeit: Juli-August.

Hauptwirkstoffe: Harz der weiblichen Pflanze (Haschisch) von Cannabis sativa ssp. indica (Lam.) Small et Cronq.

Die Hauptwirkstoffe von C. s. ssp. indica haben ein phenolisches C21-Grundgerüst (Cannabinoide). Hiervon gibt es zahlreiche Isomere (Terpenteil).

Wildpflanzen, die in Indien in einer Höhe über 2000 m gesammelt wurden, enthielten 1,33 % Cannabinoide, während solche unter 2000 m 2,74 % aufwiesen.

Die halluzinogene Wirkung ist von der Höhe des Gehalts an isomeren Tetrahydrocannabinolen abhängig. Marihuana enthält 0,5-2 %, Haschisch 2-8 % und Haschischöl bis 60 % THC.

In Tierversuchen haben sich nur geringe Unterschiede in der Aktivität männlicher und weiblicher Pflanzen gezeigt.

Vergiftungserscheinungen: Rauschzustand, der sich durch Euphorie, Sinnestäuschungen, ohne völlige Aufhebung des Bewußsstseins äußert. Typische körperliche Zeichen sind stark gerötete Bindehäute, vergrößerte Pupillen und ein beschleunigter Puls.

Cannabis sativa (non indica) enthält meist keine narkotischen Bestandteile. Es ist anzunehmen, daßdass Cannabis s. in südlichen Ländern mehr wirksame Stoffe enthält als in Mitteleuropa.

 

 

Marihuana (getrockneter Hanf) wird gegessen, getrunken und geraucht. Letztere Anwendungsart ist die häufigste, doch soll die Wirkung des gegessenen Präparates weitaus heftiger und nachhaltiger sein.

M. gehört zu den Rauschgiften, die süchtig machen. Wer sich ihm einmal verschrieben hat, kommt aus eigenen Kräften kaum mehr los, obwohl die Entwöhnung mit weitaus weniger Schwierigkeiten und viel geringeren Abstinenzerscheinungen verbunden ist als etwa die von Heroin oder Kokain. Der Rausch, den der Genussß von Marihuana bewirkt, ist dadurch gekennzeichnet, dassß der Berauschte selbst in den wildesten Halluzinationen immer noch bei Bewussßtsein ist, sich bloß in einem Zustand befindet, aus dem er sich, wenn nötig, mit einem Ruck befreien kann. Er weiß, dassß seine Träumereien nur Träumereien sind und kann - energisch angeschrieen - sich soweit zusammennehmen, dassß er nüchtern erscheint. Für die während des Marihuana-Rausches auftretenden Halluzinationen ist es charakteristisch, dassß sie immer an etwas Wirkliches, etwas Vorhandenes anknüpfen, dieses aber vergrößern. Je nach dem Bildungsgrad und dem Charakter zeigt sich die Wirkung in Wutanfällen, fantastischen Schwelgereien über Naturwunder, in lasziven Träumen und geschlechtlichen Erregungen. Jeder größere Eindruck von angenehmer Art wird vergrößert, verfeinert, jeder unangenehme herabgemindert. Schwierigkeiten zu überwinden, scheint eine Kleinigkeit, Beschränkungen von Zeit und Raum verschwinden. Dem Rausch folgt ein Stadium der Depression und dann Schlaf. Der eine wacht ohne jedes Unbehagen auf, der andere hat einen abscheulichen Katzenjammer.

Da sich oft eine Tollwut nach dem Genussß von Marihuana einzustellen pflegt, wurde in Mexiko der Hanfanbau allgemein verboten; weitere ausführliche Berichte finden sich bei Reko S.40-60 [R 25].

Cannabis am Steuer und der Führerschein: Gerichtsmediziner haben festgestellt: Ist THC im Blut nachweisbar, liegt Fahruntüchtigkeit vor. Dieser Nachweis ist heute aufgrund verbesserter Messßmethoden auch bei Aufnahme geringer Mengen möglich.

•     Das Reaktionsvermögen wird herabgesetzt: Dadurch verlängert sich der Anhalteweg.

 

 

•     Das Zeitgefühl geht verloren, Entfernungen und Geschwindigkeiten werden falsch eingeschätzt.

 

 

•     Man fährt und fährt und glaubt doch nicht weiter zu kommen; der Fußgänger auf dem Zebrastreifen scheint noch weit weg zu sein, in Wahrheit ist man schon dicht vor ihm.

 

 

•     Konzentration und Aufmerksamkeit werden gestört: Man lässßt sich leicht ablenken und hält unscheinbare Dinge am Straßenrand für wichtiger als den Verkehrsflußfluss.

 

 

•     Verwirrtheit tritt ein: Trotz bekannter Fahrtstrecke verfährt man sich leicht.

 

 

•     Bewegungen werden falsch aufeinander abgestimmt: Unsichere Fahrweise ist die Folge.

 

 

•     Auch Sinnestäuschungen sind möglich („Elefanten auf der Fahrbahn”).

 

Wie lange hält die THC-Wirkung an?Man kann nicht vorherberechnen, wie lange der Wirkstoff THC wirkt.

Fest steht: Auch nach dem Abklingen des High-Gefühls dauern die beschriebenen Beeinträchtigungen mindestens noch 6-8 Stunden fort [B 44].

(Aber auch noch nach 1-3 Monaten kann ein plötzlicher „Black-out” eintreten.)

Wirkungen auf die Haut/Schleimhaut: Beim Erntepersonal können Haut- und Schleimhautentzündungen auftreten. Eine Sensibilisierung wird für wahrscheinlich gehalten, auch bei Marihuana-Abhängigen.

Gefährlichkeitsgrad: Giftig +

Vorschriften: Betäubungsmittelgesetz, Anlage I.

Cannabis (Marihuana): Pflanzen und Pflanzenteile der zur Gattung Cannabis gehörenden Pflanzen - ausgenommen

a)    deren Samen,

 

 

b)    wenn sie als Schutzstreifen bei der Rübenzüchtung gepflanzt und vor der Blüte vernichtet werden oder

 

 

c)    wenn der Verkehr mit ihnen (ausgenommen der Anbau) zur Gewinnung oder Verarbeitung der Fasern für gewerbliche Zwecke dient -.

 

Cannabisharz (Haschisch): Das abgesonderte Harz der zur Gattung Cannabis gehörenden Pflanzen.

Literatur:

F 16         Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

G 4          Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

H 12        Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

K 32        Kovar, K.-A.: Chemie und Wirkungsweise N-freier Halluzinogene. Pharmazie in unserer Zeit 10, 65-74, 1981

 

 

L 10         Liebenow, H., Liebenow, K.: Giftpflanzen. 248 S., 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1981

 

 

M 2          Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Bd. I-III, G. Thieme Verlag, Leipzig, 1938

 

 

M 9          Malingré, Th.: The essential oil of Cannabis sativa. Planta medica 28, 56-61, 1975

 

 

M 23        Mittmeyer, H.-J.: Drogen und Straßenverkehr. Dtsch. Apoth. Ztg. 126(11), 521-525, 1986

 

 

R 25        Reko, A.: Magische Gifte, Rausch- und Betäubungsmittel der Neuen Welt. 3. Auflage, Enke Verlag, Stuttgart, 1949

 

 

S 23        Schmid, R.: Halluzinogene aus Pflanzen. Naturw. Rdsch. 23, 5-18, 1970

 

 

T 1           Täschner, K.L.: Haschisch - eine ungefährliche Droge? Dtsch. Apoth. Ztg. 128(22), 1148-1152, 1988

 

 

T 15         Turner, C.E. et al.: Constituens of Cannabis sativa. Planta medica 37, 217-225, 1979

 

Therapie:  14

 

 

 

 

Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Kohlegabe. Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen. Bei unklaren Wirkstoffmengen stationäre Überwachung in ruhiger Umgebung, bei ausgeprägten Symptomen auch mit Kreislaufmonitoring.

 

Nach Hautkontakt: Mit Wasser und Seife abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.

 


 

Caragana arborescens Lam.

 

Erbsenstrauch. E: Pea-tree. F: Acacia jaune, Arbre aux pois. I: Albero dei piselli.

 

EDV-Code: CRAAR.

Familie: Fabaceae, Schmetterlingsblütler.

Verbreitung, Vorkommen: Heimat: Sibirien, Mandschurei, in Frankreich eingebürgert; Zierstrauch in Gärten und Parks.

Beschreibung: Bis 4 m hoher Strauch. Blättchen in 4-6 Paaren, elliptisch, stachelspitzig. Blüten gelb, einzeln oder zu mehreren an den Zweigen. Hülsen ca. 5 cm lang.

Blütezeit: Mai.

Giftige Pflanzenteile: Alle Pflanzenteile.

Hauptwirkstoffe: Sehr wahrscheinlich ein unerforschter toxischer Inhaltsstoff. Zweifelhaft ist das Vorkommen von Cytisin in den Samen.

Vergiftungserscheinungen: Da sich die Literaturangaben widersprechen, erscheint es möglich, dassß der Erbsenstrauch in verschiedenen Varietäten vorkommt, die in den Inhaltsstoffen, evtl. auch je nach Reifegrad variieren.

Anwendungen: Hegi schreibt: Die erbsenartigen, Fett enthaltenden Samen geben ein gutes Geflügelfutter und sind auch schon als menschliche Notnahrung empfohlen worden.

Gefährlichkeitsgrad: Wenig giftig (+)

Literatur:

B 36       Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

F 16        Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

H 27       Hegi, G.: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Band I-VI, München, 1906-1931, 1936-1970

 

Therapie: 16

.

 

 

 

 

Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Bei anhaltenden Beschwerden Arzt aufsuchen.

 


 

Catharanthus roseus (L.) G. Don

 

[Vinca rosea L., Lochnera rosea (L.) Rchb.]

Madagaskar-Immergrün. E: Madagascar periwinkle. F: Pervenche de Madagascar.

 

 

EDV-Code: CTURO.

Familie: Apocynaceae, Hundsgiftgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Heimat: Wahrscheinlich Madagaskar, verbreitet über die tropischen Gebiete; bei uns als Zierpflanze.

Beschreibung: 40-80 cm hoher Halbstrauch, am Grunde holzig. Blätter 3-8 cm lang, eiförmig, gestielt, gegenständig. Blüten violett, rosa oder weiß, mit 5 Blütenblättern. Bälge bis 4 cm lang, mit 12-20 Samen.

Blütezeit: März-Oktober.

Giftige Pflanzenteile: Die ganze Pflanze, besonders die Wurzeln.

Hauptwirkstoffe: Über 60 Alkaloide, darunter Ajmalicin C21H24N2O3, Fp. 253-254°C; Catharanthin C21H24N2O2, Fp.

126-128°C, Leurosin C46H58N4O9, Fp. 200-205°C, Tetrahydroalstonin C21H24N2O3; Vindolin C25H32N2O4, Fp. 154-155°C; Vindolin(hydrochlorid) C21H24N2O2·HCl, Fp. 210-212°C (dec.); Lochnerin C20H24N2O2, Fp. 202-203°C sowie Flavone etc.

Vergiftungserscheinungen: Vincaalkaloide sind Mitosehemmer wie Colchicin, aber etwa 10 fach stärker. Die Pflanzeninhaltsstoffe von Catharanthus werden zur Krebsbekämpfung eingesetzt, sie haben aber erhebliche Nebenwirkungen bei Überdosierung oder zu langer Behandlung.

Es treten auf:

Erbrechen, Fieber, Exanthem, neuromuskuläre, vegetative Störungen, Wirkungen auf das ZNS und die Psyche, Apoplexie und Leukopenie, irreversible Paresen und Atrophien; an der Erythropoese Bildung von megaloplastischen Zellpopulationen [H 12].

Anwendungen: Die Vincaalkaloide stellen phasenspezifisch-wirkende Zytostatika dar. Klinische Verwendung finden heute vor allem Vinblastin, Vincristin und Vindesin (Zeitschr. f. Phytother. 6, 1983)

Gefährlichkeitsgrad: Stark giftig ++

Literatur:

E 4           El-Merzabani, M.M. et al.: A bioassay of antimitotic alkaloids of Catharanthus roseus. Planta medica 36, 87-90, 1979

 

 

H 12         Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

L 10          Liebenow, H., Liebenow, K.: Giftpflanzen. 248 S., 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1981

 

 

L 17          Leslie Gunatilaka: Alkaloids of some plants of Sri Lanka, chemistry and pharmacology. J. of the Nat. Science Coun. of Sri Lanka 6, 39-87, 1978

 

 

W 26        Wilms, K.: Chemie und Wirkungsmechanismus von Vinca-Alkaloiden. Planta medica, 22, 324-333, 1972

 

Therapie:  14, 3

 

 

 

 

Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Kohlegabe. Sofort Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

 


 

Chamaecyparis Spach-Arten

 

Scheinzypressen-Arten.

 

Familie: Cupressaceae, Zypressengewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Die Gattung Chamaecyparis ist in Nordamerika und Ostasien heimisch. In Mitteleuropa werden einige Arten angepflanzt.

Beschreibung: Bei den Chamaecyparis-Arten ist der Gipfeltrieb meist überhängend, während dieser bei den Thuja-Arten aufrecht ist. Die Zapfen sind kugelig, mit nebeneinander liegenden schildförmigen Schuppen.

Chamaecyparis nootkatensis ist ein 2-30 m hoher Baum, mit schlaff herabhängenden Ästen. Schuppenblätter mit scharfen Spitzen, die vom Zweig abspreizen. Zweige unterseits ohne weiße Flecken. Männliche und weibliche Blüten unscheinbar. Reife Zapfen kaum 1 cm dick, kugelig, bläulich bereift.

Blütezeit: April- Mai.

In Gärten und Parks sind folgende Arten zu finden:

Chamaecyparis obtusa (Sieb. et Zucc.) Sieb. et Zucc. ex Endl., Feuerzeder, Heimat: Japan;

Chamaecyparis nootkatensis (D. Don) Spach, Nootkatzypresse, Heimat: Nordamerika;

Chamaecyparis lawsoniana (Murr.) Parl., Oregonzeder, Heimat: Nordamerika;

Chamaecyparis pisifera (Sieb. et Zucc.) Sieb. et Zucc. ex Endl., Sawarazeder, Heimat:

Japan.

Giftige Pflanzenteile: Ganze Pflanze.

Hauptwirkstoffe: Sabinen, Thujen, Pinen und andere Terpene.

Chamaecyparis nootkatensis

Vergiftungserscheinungen: Thuja occidentalis.

Wirkungen auf die Schleimhäute: Die Pollen können eine inhalative Allergie hervorrufen.

Gefährlichkeitsgrad: Giftig +

Literatur:

G 5      Gildemeister, E., Hoffmann, F.: Die ätherischen Öle. 4. Aufl., Akademie Verl., Berlin, 1956-1961

 

 

J 5       Jaspersen-Schib, R.: Giftpflanzen aktuell - Herbst. Dtsch. Apoth. Ztg., 124, 2321-2327, 1984

 

Therapie:  14

 

 

 Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Sofort Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen. Nach Verschlucken größerer Mengen Magenentleerung (Ipecac), danach Kohlegabe.

Nach Hautkontakt: Sofort mit Wasser und Seife abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.

 

 


 

Cheiranthus cheiri L.

 

[Erysimum cheiri (L.) Crantz]

Goldlack. E: Wallflower. F: Giroflée jaune. I: Violaciocca gialla. NL: Gele muurbloem.

 

 

EDV-Code: CHUCH.

Familie: Brassicaceae, Kreuzblütler.

Verbreitung, Vorkommen: Heimat: Mittelmeergebiet, Westasien; in Mitteleuropa als Zierpflanze in Gärten, selten verwildert.

Beschreibung: Halbstrauch, 20-60 cm hoch. Blätter grün, lanzettlich, in den Stiel verschmälert, wechselständig. Blüten in dichter Traube, verschiedene Farbvariationen.

Blütezeit: Mai-Juni.

Droge: Flores et Semen Cheiri, Cheiri flos et semen, Goldlackblüten und -samen.

Giftige Pflanzenteile: Alle Pflanzenteile, besonders die Samen.

Hauptwirkstoffe: Sinapin, 1,6-1,7 % Cheirolin C5H9NO2S2 (3-Methylsulfonylpropyl-isothiocyanat), etwa 1,5 % Glucocheirolin, 0,009-0,040 % Cheirotoxin (Strophanthidin+Gulomethylose+D-Glucose) [CAS 7044-33-9] C35H52O15, Fp. 210-211 °C, 0,6 % Glucocheirolin, 0,045 % Glucoiberin, 0,021-0,040 % Cheirosid A.

 

 

Vergiftungserscheinungen: Cheirotoxin und Cheirosid A sind toxische Herzglykoside von digitalisähnlicher Wirkung [H 12].

Letale Dosis Katze: 0,1185 mg Cheirotoxin/kg

Wirkungen auf die Haut: Obligat hautreizend.

Gefährlichkeitsgrad: giftig +

Vorschriften: Cheiranthus cheiri: Monographie der Kommission D.

Literatur:

B 36       Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

G 4         Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

H 12       Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

M 2         Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Bd. I-III, G. Thieme Verlag, Leipzig, 1938

Ausführlicher bei: M. Rothschild: A Strophanthidin Glycoside in Siberian Wallflower Cheiranthus x allionii (Erysimum scoparium). A Contact Deterrent for the Large White Butterfly, Phytochem. 27, 101-108, 1988.

 

Therapie: 14, 14a

 

 

 

 Erste Hilfe:

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen.

Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

 

Nach Hautkontakt: Sofort mit Wasser und Seife abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.

 


 

Chelidonium majus L.

 

Schöllkraut. E: Celandine. F: Eclaire. I: Celidonia, Erba di porri. NL: Stinkende gouwe

 

 

EDV-Code: CHQMA.

Familie: Papaveraceae, Mohngewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Europa, Nordasien; in Mitteleuropa häufig; Wegränder, Raine, Hecken, Gebüsch.

Beschreibung: Bis 50 cm hohe krautige Pflanze, mit orangefarbenem Milchsaft. Blätter 1 fach gefiedert, mit gelappten und gekerbten Teilblättchen, oben grün, unten blaugrün. Krone goldgelb, 4 teilig, Blüten in langgestielten Dolden. Frucht 2-5 cm lang, zweiklappig aufspringend.

Blütezeit: April-Oktober.

Droge Herba (Radix) Chelidonii, Chelidonii herba (radix), Schöllkraut und Schöllkrautwurzel.

Den höchsten Alkaloidgehalt soll die im Spätsommer und Herbst gesammelte Droge haben. Die Wurzel hat einen bitteren Geschmack.

Giftige Pflanzenteile: Die ganze Pflanze, besonders der orangegelbe Milchsaft. Giftwirkung geht beim Trocknen verloren.

Hauptwirkstoffe: Frohne ermittelte im frischen Kraut 0,25-0,5 %, in der frischen Wurzel 0,5-2 % Alkaloide wie Chelidonin, Chelerythrin, Sanguinarin. Bis zu 1,5 % Alkaloide in Radix Chelidonii.

Nach einer neuen Arbeit, veröffentlicht in DAZ 12, 24.3.1994, ist das Hauptalkaloid von Schöllkraut Coptisin. Neben Coptisin sind außer den oben erwähnten Wirkstoffen Stylopin, Berberin, Protopin und Alocryptopin enthalten. Der Gesamtalkaloidgehalt wurde mit 0,01 bis 1 % angegeben. Bei Ende Oktober geernteten Pflanzenteilen von Schöllkraut ergaben sich folgende prozentuale Alkoloidgehalte (Fulde, Wichtl, DAZ 12, 1031 ff, 1994):

Alkaloid

 

Wurzel

 

Rhizom

 

Blätter

 

Coptisin

 

0,33

 

0,59

 

1,07

 

Chelidonin

 

1,14

 

1,28

 

0,07

 

Berberin

 

0,07

 

0,07

 

0,11

 

Chelerythrin

 

0,77

 

1,06

 

0,04

 

Sanguinarin

 

0,14

 

0,37

 

0,01

 

Vergiftungserscheinungen: Chelerythrin gilt als wirksamstes Schöllkrautalkaloid.

Chelidonin und Sanguinarin wirken zentral sedierend, spasmolytisch und schwach narkotisch.

Nach Kreitmair [Pharmazie 5, 85 (1950)] und Kwasniewski [Pharmazie 13, 363 (1958)] ergibt sich für das Schöllkraut folgende Gesamtwirkung: es wirkt leicht betäubend, führt aber zu keiner eigentlichen Hypnose oder Narkose; es erschlafft die glatte Muskulatur des Darmes, der Bronchien, der Herzkranzgefäße und wahrscheinlich der Gallengänge, es regt die Herztätigkeit an, erhöht den Blutdruck, erweitert die Herzkranzgefäße und senkt den Blutzuckerspiegel. Nach Kim et al. [J. pharm. Sci. 58, 372 (1969)] wirken Coptisin und Alkaloid CM-1 zytotoxisch [H 12].

Innerlich Entzündungen und Brennen im Mund, Lähmungen, Harndrang, Benommenheit, Herzrhythmusstörungen, Schock, Reizwirkung auf den gesamten Verdauungskanal, Blut im Stuhl, Pulsverlangsamung, Blutdruckabfall, zuletzt Tod im Kollaps.

Wegen des unangenehmen Geruchs und Geschmacks der Pflanze kommen Vergiftungen bei Haustieren nur selten vor [H 18].

Anwendungen in der Homöopathie: D1-D6 bei Hepatopathie, Ikterus, Cholecystopathie, Gallensteine.

Dosierung: Mittlere Einzelgabe als Einnahme 0,5 g, Erg. B. 6 [H 12].

Gefährlichkeitsgrad: Stark giftig ++

Vorschriften: Chelidonium majus: Monographie der Kommission D.

Chelidonii herba: Monographie der Kommission E.

Literatur:

B 36        Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

D 9          DHU (Deutsche Homöopathie-Union): Homöopathisches Repetitorium. Karlsruhe, 1992

 

 

F 10         Franz, Ch., Fritz, D.: Experiences with the cultivation of Chelidonium majus L. Planta medica 38, 246-247, 1979

 

 

F 12         Freytag, W.E.: Schöllkraut-Alkaloide. Dtsch. Apoth. Ztg. 126(21), 1113-1117, 1986

 

 

F 16         Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

G 4          Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

H 12        Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

H 18        Hapke, H.J.: Toxikologie für Veterinärmediziner. 408 S., Enke Verl., Stuttgart, 1975

 

 

L 10         Liebenow, H., Liebenow, K.: Giftpflanzen. 248 S., 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1981

 

 

M 2          Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Bd. I-III, G. Thieme Verlag, Leipzig, 1938

 

 

M 27        Mezger, J.: Gesichtete Homöopathische Arzneimittellehre. 2. Ausgabe, Karl F. Haug Verlag, Saulgau, 1951

 

Therapie: 14, 14a

 

 

 

 Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Kohlegabe. Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

Nach Hautkontakt: Sofort mit Wasser und Seife abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.

 


 

Chlorophytum comosum (Thunb.) Jacques

 

[Chlorophytum sternbergianum (Schult. et Schult. f.) Steud.]

Grünlilie, Brautschleppe, Fliegender Holländer.

 

 

Familie: Liliaceae, Liliengewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Heimat: Südafrika; Ampelpflanze in Zimmern.

Beschreibung: Ausdauernde Pflanze mit 20-40 cm langen, bis 2,5 cm breiten, herabhängenden, grundständigen Blättern, mit weißer Mittelrippe. Ausläufer mit Blattbüscheln (als Ableger verwendbar). Blüten klein, weiß, sternförmig, in Trauben.

Blütezeit: März-Juli.

Giftige Pflanzenteile: Besonders die Samen.

Hauptwirkstoffe: Die Samen enthalten Saponine.

Vergiftungserscheinungen: Eine Blüte (Blütenstand?) wurde ohne Symptome vertragen.

Gefährlichkeitsgrad: Wenig giftig (+)

 

Literatur:

Mxx:         von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U., Bunjes, R., Brockstedt, M.: Vergiftungen im Kindesalter, 4. Aufl., Thieme Verlag Stuttgart, 2003

 

Therapie:  16

 

 

 

 Erste Hilfe:

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen.

Kohlegabe nur nach Einnahme sehr großer Mengen. Bei anhaltenden Beschwerden Arzt aufsuchen.

 

 


 

Chrysanthemum-Indicum-Hybriden

 

(Chrysanthemum indicum hort. non L., Chrysanthemum x hortorum L. H. Bailey)

Winteraster, Gärtner-Chrysanthemen. E: Mother chrysanthemum. F: Chrysanthème de la Chine. I: Crisantemo.

 

 

EDV-Code: CHYIN.

Familie: Asteraceae, Korbblütler.

Verbreitung, Vorkommen: Heimat: Indien, China; Zierpflanze in Gärten und Gewächshäusern.

Beschreibung: 40-100 cm hoch, mit ästigem StengelStängel. Blätter wechselständig, buchtig-fiederlappig, schlaff oder lederartig. Blütenköpfe in einer Vielfalt von Formen und Farben.

Blütezeit: September-Dezember.

Giftige Pflanzenteile: Die ganze Pflanze.

Hauptwirkstoffe: Sesquiterpenlactone.

Arteglasin A

 

Vergiftungserscheinungen: Vergiftungen durch Chrysanthemen sind nicht beschrieben. In Japan, Korea und China werden junge Chrysanthemenblätter seit Jahrtausenden als Salat gegessen. Möglicherweise führt der GenußGenuss von Chrysanthemenblättern zu einer Toleranz, da aus diesen Ländern praktisch keine Chrysanthemenallergie bekannt ist.

Wirkungen auf die Haut/Schleimhaut: Der berufsbedingte Umgang mit Chrysanthemen kann bei Gärtnern, Floristen, Blumenbindern u.a. zu einer allergischen Kontaktdermatitis führen. Betroffen werden hauptsächlich die Hände, Unterarme und das Gesicht. Im norddeutschen Raum sind bis zu 30 % der Blumenzüchter gegenüber Chrysanthemen sensibilisiert. Ursächlich verantwortlich zeichnen die Sesquiterpenlacton-Inhaltsstoffe, unter denen das Arteglasin A als Hauptkontaktallergen nachgewiesen wurde. Gegenüber anderen sesquiterpenlactonhaltigen Arten, besonders aus der gleichen Familie (Asteraceae) bestehen ausgeprägte Kreuzreaktivitäten. Einige Chrysanthemen können auch ein allergisches Asthma hervorrufen [Hausen, Allergologie 2, 143, 1979 (Übersicht)].

Gefährlichkeitsgrad: wenig giftig (+)

Literatur:

F 16        Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

H 12       Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

Therapie: 18

 

 

 

 

Erste Hilfe:

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen.

Bei anhaltenden Beschwerden Arzt aufsuchen.

 

Nach Hautkontakt: Sofort mit Wasser und Seife abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.

 


 

Chrysanthemum vulgare (L.) Bernh.

 

(Tanacetum vulgare L.)

Rainfarn. E: Tansy. F: Tanaisie. I: Erba-amara selvatica, tanaceto. NL: Boerenwormkruid.

 

 

EDV-Code: CHYVU.

Familie: Asteraceae, Korbblütler.

Verbreitung, Vorkommen: Europa, Nordasien; in Mitteleuropa häufig, in den Alpen fehlend; Raine, Wegränder, Schutt, Ödland.

Beschreibung: 60-120 cm hohe, ausdauernde Pflanze, mit dicht beblättertem StengelStängel. Blätter wechselständig, einfach bis doppelt fiederspaltig. Blüten goldgelb, nur Röhrenblüten, Köpfchen in dichter Schirmrispe.

Blütezeit: Juli-September.

Droge: Herba Tanaceti, Tanaceti herba, Wurmfarnkraut.

Die getrockneten, während der Blütezeit gesammelten oberirdischen Teile der Pflanze. Geruch kampferartig, Geschmack bitter, würzig.

Auszug aus der Monographie der Kommission E: Chrysanthemum vulgare (Rainfarn)

Bezeichnung des Arzneimittels: Chrysanthemi vulgaris flos, Rainfarnblüten, Chrysanthemi vulgaris herba, Rainfarnkraut.

Risiken: Rainfarn enthält ätherisches Öl, das in der Regel thujonhaltig ist. Thujone besitzen neurotoxische Eigenschaften.

Bei missßbräuchlicher Verwendung großer Mengen der Droge oder des ätherischen Öls als Abortivum wurden die folgenden Vergiftungssymptome beobachtet: Erbrechen, Leibschmerzen, Gastroenteritis, starke Rötung des Gesichts, dann bei völliger Bewussßtlosigkeit starke klonisch-tonische Krämpfe, starke Beschleunigung der Atmung und unregelmäßige Herztätigkeit, Mydriasis und Pupillenstarre, Uterusblutungen, u.U. Abort, Nierenschädigung, Leberschädigung.

Bei unkontrollierter Anwendung von Rainfarn können in Abhängigkeit von der verwendeten Droge Thujonmengen aufgenommen werden, die auch bei normaler Dosierung toxisch sind. Untersuchungen zur Toxizität der thujonfreien Chemotypen liegen nicht vor.

Giftige Pflanzenteile: Alle Pflanzenteile.

Hauptwirkstoffe: 0,1-0,6 % ätherisches Öl (im frischen Kraut) mit ca. 70 % Thujon, Thujylalkohol etc. In den Blüten Sesquiterpenlactone, Flavonoide.

Vergiftungserscheinungen: Erbrechen, Leibschmerzen, Gastroenteritis, starke Rötung des Gesichtes, dann bei völliger Bewussßtlosigkeit starke klonische, aber auch tonische Krämpfe (auch mit Trismus und Opisthotonus), starke Beschleunigung der Atmung und der unregelmäßig werdenden Herztätigkeit, Mydriasis und Pupillenstarre, Uterusblutungen, u. U. auch Abort, Nierenschädigung, auch Nierenblutungen, schwere Leberschädigung. Bei Aufnahme großer Dosen etherischen Öles tritt der Tod durch Kreislauf- und Atemstillstand, nach kleineren letalen Gaben wohl infolge der schweren, degenerativen Organveränderungen, insbesondere der Leberatrophie und der sich daraus ergebenden schädlichen Stoffwechselstörungen ein. Für die toxische und letale Wirkung des ätherischen Öles ist in erster Linie das Thujon verantwortlich zu machen. Dosis letalis des ätherischen Öles beim Menschen 15-30 g. Der Tod tritt nach 1-31/2 Std. ein [H 12].

Bei Rindern Reizung der Schleimhäute und Nieren, aber auch Leberschäden. Im Aallgemeinen wird die Pflanze gemieden [L 10].

Wirkungen auf die Haut: Der Rainfarn gehört wie die Chrysanthemen zu den Korbblütlern mit stark kontaktsensibilisierender Wirkung. Verantwortlich für die Allergie sind die Sesquiterpenlactone Tanacetin, Reynosin und 1-β-Hydroxyarbuscilin A und andere. Neben Floristen und Blumenzüchtern können auch solche Personen allergisch werden, die Kosmetika und Hygieneartikel mit Rainfarnextrakten selbst herstellen oder benutzen. Kreuzreaktionen auf andere Asteraceen werden häufig beobachtet [Hausen, Allergologie 2, 275, 1979].

Dosierung: Mittlere Einzelgabe als Einnahme 2,0 g (als Aufgußss), Erg. B. 6.

Vorschriften:

Aromenverordnung, Anlage 4: Thujongehalt in alkoholischen Getränken und Bitter-Spirituosen begrenzt.

Aromenverordnung der Bundesrepublik Deutschland v. 22. 12. 1981 (BGBl I, 1677-1685) verbotener Stoff des §2, Anlage I: Rainfarnkraut (Wurmkraut, Herba Tanaceti).

Chrysanthemum vulgare: Monographie der Kommission D und E.

Gefährlichkeitsgrad: Giftig +

Literatur:

G 4         Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

H 12       Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

L 10        Liebenow, H., Liebenow, K.: Giftpflanzen. 248 S., 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1981

 

 

M 2         Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Bd. I-III, G. Thieme Verlag, Leipzig, 1938

 

 

O 1         Ognyanov, I., Todorova, M.: Sesquiterpene lactones and flavonoids in flowers of Tanacetum vulgare. Planta medica 48, 181-183, 1983

 

 

R 30       Röder, E., Bourauel, Th.: Pyrrolizidine alkaloids from Melampyrum pratense. Natural Toxins, 35-37, 1992

 

Therapie:  16

 

 

 

 Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen.

Bei anhaltenden Beschwerden Arzt aufsuchen.

 

Nach Hautkontakt: Sofort mit Wasser und Seife abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.


 

Cicuta virosa L.

 

Wasserschierling. E: Water-hemlock, Cow bane. F: Ciguë aquatique. I: Cicuta acquatica. NL: Waterscheerling.

 

 

EDV-Code: CIUVI.

Familie: Apiaceae, Doldenblütler.

Verbreitung, Vorkommen: Europa, Nordasien, Nordamerika; in Norddeutschland verbreitet, sonst zerstreut; Sümpfe, Teichränder, Gräben.

Beschreibung: Circa 1 m hohe Pflanze, mit dickem, innen gefächertem Wurzelstock, StengelStängel hohl. Blätter 2-3 fach gefiedert, Blattscheiden blasig aufgetrieben. Blüten weiß, in zusammengesetzter Dolde.

Blütezeit: Juli-August.

Droge: Herba Cicutae virosae, Cicutae virosae herba, Wasserschierlingskraut; Fructus Cicutae virosae, Cicutae virosae fructus, Wasserschierlingsfrüchte; Radix Cicutae virosae, Cicutae virosae radix, Wasserschierlingswurzel.

Giftige Pflanzenteile: Alle Pflanzenteile, besonders StengelStängel und Wurzelstock. 2-3 Rhizome für Rinder tödlich [H 1], Pferde und Rinder verenden nach einem walnußssgroßen Stück vom frischen Rhizom [H 18]. Die Giftwirkung bleibt auch nach dem Trocknen bestehen.

Hauptwirkstoffe: In allen Organen (frisch 0,2 %, trocken bis 3,5 %, besonders reichlich im Saft des gefächerten Wurzelstocks, das amorphe, bitter schmeckende, sehr giftige Cicutoxin C17H22O2, Fp. 54 °C, und das in noch größerer Menge vorliegende, aber nicht so toxische Cicutol C17H22O, Fp. 66 °C, beides Acetylenverbindungen [H 12].

Vergiftungserscheinungen: Die Vergiftung durch das typische Krampfgift Cicutoxin ähnelt einer Picrotoxinvergiftung. Es wirkt primär lähmend auf das Großhirn. Symptome meist schon innerhalb 20 min. Brennen im Mund und Rachen, Übelkeit und Erbrechen, Krämpfe mit Zähneknirschen und Schaumabsonderung, Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Erweiterung der Pupillen, Schock, Bewussßtlosigkeit, Atemnot, zuletzt Atemlähmung.

Aus den Erfahrungen der Beratungsstelle für Vergiftungserscheinungen, Berlin:

21/2 jähr. Knabe lutschte an den Blüten, zeigte keine Symptome. 20 jähr. Mann aß Wurzelteile, hatte tonisch-klonische Krämpfe [K 40].

Symptome bei Tieren sind ähnlich wie beim Menschen, und sie treten ebenfalls sehr rasch auf. In der 2. Phase Sehstörungen, Brüllen, Muskelzucken, krankhaftes Absetzen von Kot und Harn, zuerst erhöhte Herz- und Atemfrequenz, danach erniedrigt. Tod durch Lähmung, unterbrochen von Krämpfen, meistens innerhalb von 24 Std.

Anwendungen in der Homöopathie zur Behandlung von Krämpfen, Schwindel und Epilepsie, häufig in den Dosierungen D6 bis D12 in der Laienanwendung, Verschreibungspflichtig bis einschl. D3: 2,5 mg bei Epilepsie; D6 bei hysterischen Krämpfen.

Gefährlichkeitsgrad: Sehr stark giftig +++

Vorschriften: Cicuta virosa: Monographie der Kommission D.

Literatur:

B 36        Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

F 16         Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

G 4          Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

H 1          Habermehl, G.: Mitteleuropäische Giftpflanzen und ihre Wirkstoffe. 137 S., Springer Verlag, Heidelberg, 1985

 

 

H 12        Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

H 18        Hapke, H.J.: Toxikologie für Veterinärmediziner. 408 S., Enke Verl., Stuttgart, 1975

 

 

K 40        Krienke, E.G., von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U.: Vergiftungen im Kindesalter, 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1986

 

 

K 48        Krienke, E.G., Mühlendahl, K.E. v.: Akzidentelle Vergiftungen durch Pflanzen. Notfallmedizin 4, 486-495, 552-559, 619-627, 1978

 

 

L 10         Liebenow, H., Liebenow, K.: Giftpflanzen. 248 S., 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1981

 

 

M 2          Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Bd. I-III, G. Thieme Verlag, Leipzig, 1938

 

 

M 27        Mezger, J.: Gesichtete Homöopathische Arzneimittellehre. 2. Ausgabe, Karl F. Haug Verlag, Saulgau, 1951

 

Mxx:         von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U., Bunjes, R., Brockstedt, M.: Vergiftungen im Kindesalter, 4. Aufl., Thieme Verlag Stuttgart, 2003

 

 

Therapie:  8

 

 

 

 Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Sofort Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen. Magenspülung schon bei Veracht, danach Gabe von Kohle und Glaubersalz.

 

Nach Hautkontakt: Sofort mit Wasser und Seife abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.


 

Clematis alpina (L.) Mill.

 

(Atragene alpina L.)

Alpen-Waldrebe. E: Alpine clematis. F: Atragène des Alpes. I: Clematide alpina.

 

 

Familie: Ranunculaceae, Hahnenfußgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Europa, v. a. Alpen, Sibirien, Mandschurei; Nadelwälder, Zwergstrauchheiden.

Beschreibung: 2-3 m langer Kletterstrauch. Blätter einfach bis doppelt gefiedert, gegenständig. Blüten einzeln, blattachselständig, gestielt, blauviolett, glockig. Früchte mit verlängerten, federigen Griffeln.

Blütezeit: Mai-August.

Gefährlichkeitsgrad: Giftig +

Vorschriften: Die Pflanze steht unter Naturschutz.

Giftwirkung etc. Clematis recta L.

 

Therapie: 14

 

 Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen.

Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

 

Nach Hautkontakt: Mit Wasser und Seife abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.


 

Clematis recta L.

 

Aufrechte Waldrebe. E: Upright virgin’s bower. F: Clématide droite. I: Clematide eretta.

 

 

Familie: Ranunculaceae, Hahnenfußgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Europa; trockene Wiesen, Waldränder, Abhänge.

Beschreibung: Ausdauernde, bis 1,5 m hohe aufrechte Pflanze. Blätter blaugrün, gegenständig, unpaarig gefiedert, Teilblättchen eiförmig, zugespitzt. Blüten milchweiß, 4 zählig, in endständigen Trugdolden. Früchte mit verlängerten, federigen Griffeln.

Blütezeit: Juni-Juli.

Droge: Herba Clematidis rectae, Clematidis rectae herba, Waldrebenkraut.

Zur Blütezeit gesammeltes, getrocknetes Kraut.

Giftige Pflanzenteile: Die ganze Pflanze. Die getrocknete Pflanze ist frei von hautreizenden Stoffen.

Hauptwirkstoffe: Protoanemonin, Anemonin, nach älteren Angaben Anemonol.

Vergiftungserscheinungen: Gastroenteritis, Reizerscheinungen der Niere und des Nervensystems, die sich durch Krämpfe und Lähmungen kundtun.

Wirkungen auf die Haut: Blasenziehende Wirkung.

In früheren Zeiten nutzten Bettler die hautreizende und blasenziehende Wirkung, um Mitleid zu erregen.

Anwendungen in der Homöopathie: D2-D6: Ulcus cruris, Hodenentzündung, Prostatitis, Lymphdrüsenentzündung, Tripperfolgen.

Gefährlichkeitsgrad: Giftig +

Vorschriften: Clematis recta: Monographie der Kommission D.

Literatur:

B 36        Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

D 9          DHU (Deutsche Homöopathie-Union): Homöopathisches Repetitorium. Karlsruhe, 1992

 

 

F 16         Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

G 4          Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

G 22        Gugenhan, E.: Giftige Waldrebe. Kosmos 6, 25, 1984

 

 

H 12        Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

H 24        Haut, H.: Erythrophleum-Alkaloide. Planta medica 25, 201-215, 1974

 

 

M 2          Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Bd. I-III, G. Thieme Verlag, Leipzig, 1938

 

 

M 27        Mezger, J.: Gesichtete Homöopathische Arzneimittellehre. 2. Ausgabe, Karl F. Haug Verlag, Saulgau, 1951

 

 

R 35        Rätsch, Ch.: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen, Wiessenschaftl. Verl. Ges., Stuttgart, 941 S., 1998.

 

Therapie:  14

 

 

 Erste Hilfe:

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen.

Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

 

Nach Hautkontakt: Mit Wasser und Seife abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.

 

 


 

Clematis vitalba L.

 

Gemeine Waldrebe. E: Old man’s beard. F: Clématide des haies. I: Clematide vitalba. NL: Bosrank.

 

 

EDV-Code: CLVVT.

Familie: Ranunculaceae, Hahnenfußgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Süd-, West- und Mitteleuropa; Wälder, Hecken, Auwälder.

Beschreibung: Blattstiel-Kletterstrauch, bis 15 m lang. Blätter meist 5 zählig, Teilblättchen herzförmig, Blattstiele rankend. Blüten 4 zählig, außen grünlich, innen weiß, in end- und blattachselständigen Rispen. Früchte mit verlängerten, federigen Griffeln.

Blütezeit: Juni-September.

Vergiftungserscheinungen: Einige 12 jährige Buben, die Clematis vitalba-StengelStängel als „Zigaretten” geraucht hatten, bekamen anschließend starke Leibschmerzen und sehr heftigen Durchfall, der nach ca. zwei Tagen abklang (eigene Beobachtung).

Giftige Pflanzenteile: Die ganze Pflanze. Die getrocknete Pflanze ist frei von hautreizenden Stoffen.

Hauptwirkstoffe: Protoanemonin, Anemonin, nach älteren Angaben Anemonol.

Vergiftungserscheinungen: Gastroenteritis, Reizerscheinungen der Niere und des Nervensystems, die sich durch Krämpfe und Lähmungen kundtun.

Wirkungen auf die Haut: Blasenziehende Wirkung. In früheren Zeiten nutzten Bettler die hautreizende und blasenziehende Wirkung, um Mitleid zu erregen.

Gefährlichkeitsgrad: Giftig +

Vorschriften: Clematis vitalba: Monographie der Kommission D.

Therapie:  16

Klinik: In Extremfällen Entgiftung und Alkalisierung.

 

 

 

 

Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen.

Bei anhaltenden Beschwerden Arzt aufsuchen.

 

Nach Hautkontakt: Mit Wasser und Seife abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.

 


 

Cleome spinosa Jacq.

 

(Cleome pungens Willd.)

Spinnenpflanze. E: Spider flower. F: Cléome épineuse. I: Cleome comune.

 

Cleome spec.

 

EDV-Code: CLESP.

Familie: Capparidaceae, Kaperngewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Heimat: Südamerika, in vielen wärmeren Ländern verwildert. Gartenzierpflanze.

Beschreibung: Krautige bis 1,5 m hohe Pflanze, mit behaartem, drüsigem StengelStängel. Blätter handförmig, mit 5-7 Teilblättchen; wechselständig. Blüten langgestielt, in reichblütigen Trauben, purpurrosa bis weiß. Einzelblüten mit 6 langen Staubblättern (wie Spinnenbeine, Name!). Frucht bis 12 cm lang und 4 mm dick.

Blütezeit: Juli-September.

Giftige Pflanzenteile: Besonders die Samen.

Hauptwirkstoffe: Glucocapparin C8H14O9·NS2K, Fp. 208-210 °C und andere Senfölglykoside sowie alkaloidartige [H 12] und furocumarinähnliche Verbindungen [H 21]

Glucocapparin

 

Vergiftungserscheinungen: Eingenommen wirkt der Samen giftig [J 4].

Wirkungen auf die Haut: Beim Umgang mit der Pflanze können Hautschädigungen auftreten [J 4].

Gefährlichkeitsgrad: Giftig +

Literatur:

H 12       Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

H 21       Hausen, B.M.: Allergiepflanzen - Pflanzenallergene. 332 S., ecomed Verlagsges., Landsberg, 1988

 

 

J 4          Jaspersen-Schib, R.: Unsere toxischen Garten- und Zimmerpflanzen. Schweiz. Ap. Ztg. 117 (15, 16), 1979

 

Therapie:  16

 

 

 

Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen.

Bei anhaltenden Beschwerden Arzt aufsuchen.

 

Nach Hautkontakt: Mit Wasser und Seife abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.

 


 

Clivia miniata Regel

 

Klivie, Riemenblatt. E: Scarlet kaffirlily. F: Clivie vermillon.

 

 

EDV-Code: CLJMI.

Familie: Amaryllidaceae, Narzissengewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Heimat: Südafrika; Zimmerpflanze.

Beschreibung: Bis 60 cm hohe Zwiebelpflanze. Blätter dunkelgrün, riemenartig, grundständig, zweireihig angeordnet. Blüten mennigrot, trichterförmig, ca. 20 Blüten doldenförmig an einem Blütenschaft.

Blütezeit: Februar-Mai.

Giftige Pflanzenteile: Alle Pflanzenteile, besonders der (von Blattscheiden umgebene) Zwiebelstamm.

Hauptwirkstoffe: Die Blätter enthalten einen gelben Milchsaft mit folgenden Alkaloiden bei einem Gesamtgehalt von 0,06 %: 47 % Lycorin, 25 % Clivimin und 3 % Clivatin. Die getrocknete Pflanze enthält 0,43 % Lycorin.

Vergiftungserscheinungen: Kleinere Mengen Lycorin erzeugen Speichelflußfluss, Erbrechen, Diarrhoe, in größerer Dosis zentrale Lähmung und Kollaps. Aus den Erfahrungen der Beratungsstelle für Vergiftungserscheinungen, Berlin: ein 6 monat. und ein 8 jähr. Kind aßen Früchte, Blatt- und Blütenteile und zeigten Übelkeit, Husten [K 40].

Gefährlichkeitsgrad: Giftig +

Literatur:

A 8         Amico, A., Stefanizzi, L.: Osservazioni Morfologiche, Astrazione e Localizzazione di Alcaloidi in Clivia miniata Reg. 4, 157-165, 1979

 

 

F 16        Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

I 8           Ieven, M., et al.: Inhibition of polio virus by Lycorine, a plant alkaloid. Planta medica, 36, 254-255, 1979

 

 

K 40       Krienke, E.G., von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U.: Vergiftungen im Kindesalter, 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1986

 

Mxx:         von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U., Bunjes, R., Brockstedt, M.: Vergiftungen im Kindesalter, 4. Aufl., Thieme Verlag Stuttgart, 2003

 

 

Therapie:  16

 

 

 

 Erste Hilfe:

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Kohlegabe nach Verschlucken größerer Mengen oder von Teilen der Zwiebel. Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

 

 

 


 

Codiaeum variegatum pictum (Lodd.) Muell. Arg.

 

Kroton, Wunderstrauch, Krebsblume. E: Ornamental croton. F: Croton panaché.

 

 

EDV-Code: CDIVP.

Familie: Euphorbiaceae, Wolfsmilchgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Indien, Malaysia; Zimmerpflanze.

Beschreibung: Blattpflanze mit buschigem Wuchs, bis 1 m hoch, in vielen Variationen. Blätter lanzettlich oder gelappt, grün, gelbrötlich gemustert, gestielt, wechselständig. Blüten unscheinbar.

Blütezeit: Frühjahr bis Sommer.

Giftige Pflanzenteile: Die ganze Pflanze.

Hauptwirkstoffe: Der farblose Saft enthält vermutlich Phorbolester, evtl. Toxalbumine.

Vergiftungserscheinungen: Aus den Erfahrungen der Beratungsstelle für Vergiftungserscheinungen, Berlin: In einem Fall kam es zu Erbrechen und Durchfall, als ein Kind an Blättern lutschte.

Wirkungen auf die Haut: Der Saft kann bei häufigem Umgang zu einer allergischen Kontaktdermatitis führen [Hausen et al.: Contact Derm. 3, 289, 1977].

Gefährlichkeitsgrad: giftig +

Literatur:

B 36       Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

D 12       Douglas Kinghorn, A.: Toxic plants. 195 S., Columbia University Press, New York, 1979

 

 

F 16        Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

J 6          Jaspersen-Schib, R.: Giftige Zimmerpflanzen. Dtsch. Apoth. Ztg., 127, 1417-1423, 1987

 

 

 

Mxx:         von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U., Bunjes, R., Brockstedt, M.: Vergiftungen im Kindesalter, 4. Aufl., Thieme Verlag Stuttgart, 2003

 

 

Therapie:  18

 

 

 

 Erste Hilfe:

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Bei größeren Mengen Kohlegabe. Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

 

Nach Hautkontakt: Sofort mit Wasser und Seife abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.

 

 

 


 

Coffea arabica L.

 

Kaffeebaum. E: Coffee tree. F: Caféier d’Arabie. I: Caffé (arbusto). NL: Arabische Koffieboom.

 

 

EDV-Code: COFAR.

Familie: Rubiaceae, Rötegewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Heimat: Äthiopien; fast in allen tropischen Ländern kultiviert; bei uns als Zimmerpflanze.

Beschreibung: Strauch oder Baum. Blätter länglich-elliptisch, lederig, gegenständig, mit gewelltem Rand, Blüten klein, weiß, 4-5 teilig, büschelig in den Blattachseln. Steinfrüchte kirschgroß, zuletzt violettschwarz, zweisamig.

Blütezeit: September.

Von den 70 Coffea-Arten haben außerdem noch 2 weitere Arten wegen des GenußGenusswertes ihrer „Bohnen” praktische Bedeutung erlangt: 70 % der Welterzeugung von Kaffee entfallen auf Coffea arabica, 30 % auf Coffea canephora Pierre ex Froehn. - Kongokaffee, während Coffea liberica Bull. ex Hiern - Liberiakaffee kaum noch gefragt ist [S 64].

Droge: Semen Coffeae tostae, Coffeae tostae semen, geröstete Kaffeebohnen.

Giftige Pflanzenteile: Samen (Kaffeebohnen). Über die Giftigkeit der Pflanze selbst ist nichts bekannt.

Hauptwirkstoffe: Rohkaffee enthält lt. Hager [H 12] und eigenen Feststellungen folgende Wirkstoffe:

0,6-3 % Coffein (Trimethylxanthin) C8H10N4O2, Fp. 235 °C (an Chlorogensäure gebunden),

0,3-1,3 % Trigonellin (Coffearin), ein N-Methylbetain der Nicotinsäure, C7H7NO2 Fp. 218 °C,

2-6 % Chlorogensäure (Helianthsäure), eine Caffeoyl-3-chinasäure, C16H18O9, Fp. 207 bis 208 °C (als Kaliumsalz bzw. Kaliumcoffeinsalz vorliegend).

Durchschnittlicher Coffeingehalt von 1 Tasse Kaffee 70-80 mg bei einem Aufgußss von 5 g gutem Filterkaffee mit 300 ml Wasser (Dt. Ap. Zeit. 126, 329-330, 1986). Die Chlorogensäure ist vor allem für den „Säuregehalt” des Kaffees und damit für die Magenverträglichkeit verantwortlich. Beim Rösten treten bei allen Inhaltsstoffen Verluste auf, die je nach Röstart und Kaffeesorte verschieden sind.

Pharmakologische Wirkung: Madaus [M 2] zitiert:

Die Kaffeewirkung ist im wesentlichen eine Wirkung des Coffeins. Rohe Kaffeebohnen enthalten 0,8-2,43 % Coffein. In Bohnen, die im Gewächshaus gezogen worden waren, konnte ich nur 0,75 % nachweisen. Auf die Frage der Wirkung der Röstprodukte, die bei der Beurteilung coffeinarmer oder coffeinfreier Kaffees eine Rolle spielt, soll hier nicht eingegangen werden. Die Coffeinwirkung ist komplexer Natur. Einzelheiten aus der älteren Literatur siehe bei Bock (Bock, in Heffter-Heubners Handb. d. exp. Phar., Bd. 2, 1, S. 508 ff). -

Am Zentralnervensystem wird die Reflexerregbarkeit erhöht, eine Wirkung, die sich beim Menschen in Aufregung, Schlaflosigkeit und Herzklopfen äußert, in kleinen Dosen in der Anregung geistiger Vorgänge (Curschmann, D. Klinik 1983). Die Coffeinwirkung auf den Kreislauf setzt sich zusammen aus einer Erregung des Vasomotorenzentrums, einer Erregung der zentralen Organe des Vagus, einer Erregung der Ganglien des Reizleitungssystems, einer Wirkung auf die Herzmuskulatur und einer Erweiterung der Coronargefäße (Sollmann u. Pichler, J. of Pharm. and Therap. 1911, Bd. 3, S. 1). Daraus erklärt sich die mögliche Blutdrucksteigerung, die Wirkung auf die Herzaktion, die beschleunigt oder verlangsamt sein kann. Das Pulsvolumen wird nicht vergrößert, doch vermag das Herz einen größeren Maximaldruck zu überwinden (Meyer-Gottlieb, Exp. Pharm., 9. Aufl., S. 393 u. 511). Das Coffein kann einmal durch die Verbesserung der Herzaktion die Diurese vermehren; wesentlich ist aber vor allem die Wirkung an der Niere selbst (v. Schröder, Arch. f. exp. Path. u. Pharm. 1887, Nr. 22, S. 39; Bauer u. Aschner, D. Arch. f. klin. Medizin, 1922, S. 138. Über diese Frage besteht eine ausgedehnte Literatur.).

In meinem Laboratorium verglich ich die Menge der Harnausscheidung nach Filterkaffee oder türkischem Kaffee an mehreren Versuchspersonen (Madaus Jahrbuch 1933, S. 36).

Unter türkischem Kaffee versteht man bekanntlich einen höchst dispers gemahlenen mit Zucker aufgekochten Kaffee, bei welchem der größte Teil des Bodensatzes mitgenossen wird, unter Filterkaffee dagegen einen vom Bodensatz befreiten Kaffee.

Bei meinen Versuchen wurde folgendes festgestellt:

1.    Zeitlich gesehen, ist die Harnausscheidung beim Genussß türkischen Kaffees schneller als beim Filterkaffee (vgl. Fig.1-3, 3 Versuchspersonen). Der Effekt tritt nach 1-1½1/2 Std. übereinstimmend bei allen drei Versuchspersonen ein. Die erste Person hat nach 1 Std. ein Maximum der Harnausscheidung, die zweite auch nach 1 Std., die dritte nach 1 ½1/2 Std.
Der türkische Kaffee hat also die Harnausscheidung beschleunigt.

Fig. 1 Fig. 2 Fig. 3

 

Fig. 4 Fig. 5 Fig. 6

 

 

 

2.    Die Gesamtharnmenge, die innerhalb 5 Std. von allen drei Versuchspersonen ausgeschieden wurde, ist beim türkischen Kaffee wesentlich größer als beim Filterkaffee. Die Vermehrung beträgt bei der ersten Person 27 %, bei der zweiten 28 %, bei der dritten 60 %. Der hohe diuretische Effekt des türkischen Kaffees, der von der gleichen Stärke war wie der Filterkaffee (0,08 g Coffein in der aufgenommenen Menge im Versuch mit der ersten Person, 0,20 g Coffein in den Versuchen mit den beiden anderen Personen), kann logischerweise nur den Ballaststoffen zugeschrieben werden. Es erscheint einleuchtend, dassß mit der Verstärkung der Diurese eine verkürzte Verweilzeit des Coffeins im Organismus bedingt wird; möglich ist auch eine Beschleunigung der Oxiydation oder einer sonstigen Veränderung des Coffeins. Damit wird aber derjenige Bestandteil schneller eliminiert, der die unangenehmen Begleiterscheinungen des Kaffees veranlassßt, so dassß diese Nebenerscheinungen möglicherweise gar nicht erst auftreten, indem jede Kumulation des Coffeins verhindert ist. Die angeblich gute Verträglichkeit des türkischen Kaffees kann somit als Wirkung der Ballaststoffe der Kaffeebohne durch Beschleunigung und Verstärkung der Nierenausscheidung verstanden werden.

 

Daßss bei Tieren das Coffein anders wirkt als ein Kaffeeaufgussß, kann man ausgezeichnet am Süßwasserpolypen zeigen. Das Coffein bringt die einzelnen Zellen zur Quellung und zum Zerfall, während der Kaffeeauszug das gesamte Tier mehr gerbt [M 2].

Coffein besitzt in vitro ab einer bestimmten Konzentration mutagene Wirkungen. Diese hohen Konzentrationen werden aber in vivo nicht erreicht, zudem werden durch den Röstprozeßss entstehende mutagen wirkende Stoffe im Körper inaktiviert.

Im Tierexperiment kann Coffein in sehr hohen Dosen embryotoxisch wirken, auch diese Dosen werden durch Kaffeekonsum niemals erreicht. Epidemiologische Untersuchungen haben keinerlei Hinweise auf eine teratogene Wirkung von Kaffee ergeben [N 15].

Dosierung: (Coffein) Gebräuchliche Einzeldosis 0,1-0,3 g; Einzelmaximaldosis 0,5 g; Tagesmaximaldosis 1,5 g (ÖAB 9).

Anwendungen in der Homöopathie: D12 bei Schlaflosigkeit, Migräne und Folgen von Kaffeeabusus; nervöses Herz.

Gefährlichkeitsgrad: wenig giftig (+)

Vorschriften: Coffea arabica und Coffea arabica tosta: Monographie der Kommission D.

Literatur:

B 20        Blättig, K.: Kaffee in wissenschaftlicher Sicht. Ztschr. f. Phytother. 9, 95-98, 1988

 

 

D 9          DHU (Deutsche Homöopathie-Union): Homöopathisches Repetitorium. Karlsruhe, 1992

 

 

H 12        Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

I 2            Imming, P. et al.: Was macht müde Männer morgens munter? Dtsch. Apoth. Ztg. 126(7), 329-330, 1986

 

 

K 9          Karsten, G., Weber, U., Stahl, E.: Lehrbuch der Pharmakognosie. 642 S., 9. Aufl., G. Fischer Verlag, Stuttgart, 1962

 

 

M 2          Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Bd. I-III, G. Thieme Verlag, Leipzig, 1938

 

 

M 27        Mezger, J.: Gesichtete Homöopathische Arzneimittellehre. 2. Ausgabe, Karl F. Haug Verlag, Saulgau, 1951

 

 

N 15        Nestele, M.: Neue Erkenntnisse zur Toxizität. Ztsch. Apoth. Ztg. 127, 1876, 1987

 

 

S 17        Schmidt, M.: Kaffee - unser tägliches Getränk. PTA heute 1(12), 387-389 1987

 

 

S 64        Strubelt, O.: Kaffee und Coffein. Dtsch. Apoth. Ztg. 126(38), 2025-2032, 1986

 

Therapie:  14

 

 

 

Erste Hilfe:

 

Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Kohlegabe. Nur nach Aufnahme großer Mengen Magenspülung.

 


 

Colchicum autumnale L.

 

Herbstzeitlose. E: Meadow saffron. F: Colchique d’automne. I: Colchico d’autunno. NL: Herfsttijdloos.

 

 

EDV-Code: CXHAU.

Familie: Liliaceae, Liliengewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Süd-, West- und Mitteleuropa; feuchte Wiesen.

Beschreibung: Ausdauernde Knollenpflanze. Blüten lilarosa, mit 6 Perigonblättern. Blätter breitlanzettlich, 25-40 cm lang, erscheinen im Frühjahr mit der Frucht. Frucht eine länglich-eiförmige Kapsel mit zahlreichen Samen.

Blütezeit: September-Oktober.

Früchte: Mai-Juni.

Droge: Semen Colchici (autumnalis), Colchici (autumnalis) semen, Herbstzeitlosensamen.

Bis 3 mm dick, fast kugelig, hart. Oberfläche braun, matt, körnig-höckerig.

Geruchlos, Geschmack bitter und scharf.

Auszug aus der Monographie der Kommission E:

Colchicum autumnale (Herbstzeitlose)

Bezeichnung des Arzneimittels:

Colchici semen, Herbstzeitlosensamen

Colchici tuber, Herbstzeitlosenknollen

Colchici flos, Herbstzeitlosenblüten

Weitere giftige Colchicum-Arten [E 12]

Art

 

Wuchsform

Blütezeit

 

Verbreitung

 

Colchicum arenarium Waldst. et Kit.

 

Staude

9 - 10

 

Östliches Mitteleuropa

 

Colchicum byzantinicum Ker.-Gawl.

 

Staude

9

 

Taurus

 

Colchicum haussknechtii Boiss.

 

Staude

10

 

Iran

 

Colchicum laetum Stev.

 

Staude

9-10

 

Kaukasus

 

Colchicum pannonicum Griseb. et Schenk

 

Staude

9

 

Südost-Europa

 

Colchicum sibthorpii Bak.

 

Staude

9-10

 

Süd-Balkan, Kreta

 

Colchicum speciosum Stev.

 

Staude

9-10

 

Syrien, Iran, Kaukasus, Kleinasien

 

Colchicum troodi Kotschy

 

Staude

9-1

 

Syrien, Israel

 

Colchicum variegatum L.

 

Staude

8

 

Griechenland, Kreta

 

 

Gegenanzeigen: Schwangerschaft.

Hinweis: Vorsicht bei alten und geschwächten Patienten sowie bei solchen mit Herz-, Nieren- oder gastrointestinalen Erkrankungen.

Nebenwirkungen: Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Leukopenie, bei längerem Gebrauch Hautveränderungen, Agranulozytose, aplastische Anämie, Myopathie und Alopezie.

Giftige Pflanzenteile: Alle Pflanzenteile, besonders Knolle und Samen. Von den Samen gelten 5 g (ca. 20 mg Colchicin) für einen Erwachsenen und 1,2-1,5 g (ca. 5 mg) für ein Kind als tödlich.

Hauptwirkstoffe: Colchicin; Gehalt stark schwankend 0,25-1,23 %. Als Nebenalkaloide β-Lumicolchicin, γ-Lumicolchicin, Demecolcin u.a.

Mit der Reife nimmt der Alkaloidgehalt zu, während er mit zunehmender Höhenlage des Standorts abnimmt. Beim Trocknen (Heu) bleibt die Giftwirkung erhalten.

Vergiftungserscheinungen: Zellgift, Symptome oft erst 2-6 Std. nach Einnahme. Übelkeit, Benommenheit, Schock, heftiger Harndrang, kolikartige Magenschmerzen, Krämpfe, Lähmungen, Herzrhythmusstörungen, blutiger Durchfall, Blaufärbung der Lippen, rascher Puls, Atemlähmung.

9 jähriges Kind zeigte nach Einnahme von 3-4 Samen Übelkeit und erbrach.

10 jähriges Kind bekam nach Aussaugen einer Blüte Kollaps, Tachykardie, Schweißausbruch, Übelkeit.

Vergiftungen bei Tieren im Sommer durch die Pflanze mit Kapseln und Samen, im Herbst durch Blüten. Pferd und Schwein sind wesentlich empfindlicher als Rind und Schaf.

Als Symptome treten auf: Verweigerung der Nahrung, kaum Wiederkäuen (Rinder), Speicheln, Erbrechen, Schweißausbruch, Kolik, blutiger Durchfall, der zur Abmagerung führt, Kreislaufstörungen, Lähmung, Tod kann nach 1-3 tägiger Dauer durch Atemlähmung eintreten. Ausscheidung der Gifte auch über die Milch laktierender Tiere [M 18].

Tödliche Dosis bei Rindern 1500-2500 g frische Blätter und grüne Kapseln oder 2000 bis 2500 g getrocknete Pflanzen.

Anwendungen in der Homöopathie: D2-D4 bei Gicht; D2-D6 bei akuter Herzentzündung, Darmtenesmus.

Anwendungen: Colchicin und seine Derivate werden heute vorwiegend in der Therapie von Hauterkrankungen eingesetzt.

Es dient in der Pflanzenzüchtung zur Mutationsauslösung.

Gefährlichkeitsgrad: Sehr stark giftig +++

Vorschriften: Herbstzeitlosensamen sind im DAC enthalten; es werden 0,4 % Colchicin gefordert.

Colchicum autumnale e seminibus: Monographie der Kommission D.

Colchicum autumnale: Monographie der Kommission D und E.

Kosmetikverordnung, Anlage 1, Nr. 104: Colchicum autumnale L. und seine Gemische dürfen beim Herstellen oder Behandeln von kosmetischen Mitteln nicht verwendet werden.

Verbotener Stoff der Kosmetikverordnung v. 19. 6. 1985. Anlage 1: 104 Colchicum autumnale L. und seine Zubereitungen.

Literatur:

B 36        Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

D 9          DHU (Deutsche Homöopathie-Union): Homöopathisches Repetitorium. Karlsruhe, 1992

 

 

F 16         Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

G 3          Gašič, O. et al.: Substanzen von Arten der Unterfamilie Wurmbaeoideae und ihre Derivate. Planta medica 30, 75-81, 1976

 

 

G 4          Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

G 24        Gugenhan, E.: Herbstzeitlose - schön und giftig. Kosmos 9, 25, 1984

 

 

H 1          Habermehl, G.: Mitteleuropäische Giftpflanzen und ihre Wirkstoffe. 137 S., Springer Verlag, Heidelberg, 1985

 

 

H 12        Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

H 18        Hapke, H.J.: Toxikologie für Veterinärmediziner. 408 S., Enke Verl., Stuttgart, 1975

 

 

L 10         Liebenow, H., Liebenow, K.: Giftpflanzen. 248 S., 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1981

 

 

M 2          Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Bd. I-III, G. Thieme Verlag, Leipzig, 1938

 

 

M 8          Malichová, V. et al.: Alkaloids from Leaves and Flowers of Colchicum autumnale L. Planta medica 36, 119-127, 1979

 

 

M 27        Mezger, J.: Gesichtete Homöopathische Arzneimittellehre. 2. Ausgabe, Karl F. Haug Verlag, Saulgau, 1951

 

Mxx:         von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U., Bunjes, R., Brockstedt, M.: Vergiftungen im Kindesalter, 4. Aufl., Thieme Verlag Stuttgart, 2003

 

 

R 30        Röder, E., Bourauel, Th.: Pyrrolizidine alkaloids from Melampyrum pratense. Natural Toxins, 35-37, 1992

 

 

S 7          Schilcher, B.: Giftpflanzenberatung - eine lohnende Aufgabe für den Apotheker. PZ 24, 9-15, 1988

 

 

S 69        Seeger, R., Neumann, H.G.: Giftlexikon. Dtsch. Apoth. Verlag, Stuttgart, 1990

 

 

T 5           Thesen, R.: Phytotherapeutika - nicht immer harmlos. Ztschr. f. Phytother. 9, 105-111, 1988

 

 

T 6           Thies, P.W.: Colchicum. Pharmazie in unserer Zeit 14(5), 149-152, 1985

 

Therapie: 14

 

 

Erste Hilfe:

 

Sofort Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Sofortige Magenentleerung (Ipecac, ggf. Magenspülung). Kohlegabe. Intensivüberwachung.

Auch im Verdachtsfall sofort reagieren.


 

Coleus-Blumei-Hybriden

 

(Coleus blumei Benth.)

Buntnessel-Hybriden. E: Common coleus. F: Coleus scutellaire.

 

 

EDV-Code: CXUBL.

Familie: Lamiaceae, Lippenblütler.

Beschreibung: Farbenprächtige Zimmerpflanze.

Krautige, 30-80 cm hohe Pflanze. Blätter kreuzgegenständig, eiförmig, zugespitzt, gesägt, mehrfarbig (grün, gelb, rot, braun). Blüten klein, mit weißer Oberlippe und blauer Unterlippe, in endständiger Traube.

Blütezeit: Juni-September.

Eine weitere dekorative Art ist Coleus pumilus Blanco, Hängende Buntnessel, Heimat: Borneo.

Blütezeit: November-Januar.

Giftige Pflanzenteile: Blätter.

Wirkstoffhaltige Pflanzenteile: Blattdrüsen auf der Oberfläche der Blätter, Blüten und Wurzelknollen.

Hauptwirkstoffe: Die Blätter von Coleus amboinicus Lour. enthalten ätherische Öle mit ca. 43 % Carvacrol, außerdem Oxalessigsäure. Coleus-Blumei-Hybriden enthalten Diterpene, die als Coleone zusammengefaßsst werden. Als Sensibilisiator wurde Coleon O identifiziert. [H 21]

Vergiftungserscheinungen: Die Blätter der südafrikanischen Coleus-Arten werden officinell genutzt. In Asien und Afrika werden einige Arten wegen ihrer eßssbaren Knollen angebaut. Coleus blumei und C. pumilus werden von den Mazatec-Indianern in Mexico als Narkotika zu rituellen Handlungen verwendet.

Die Psychoaktivität ist in der Fachliteratur sehr umstritten [R 35].

Wirkung auf die Haut: Bei längerem Kontakt mit den Blättern kann es zu Dermatiden kommen. Obwohl die Topfpflanze sich großer Beliebtheit erfreut, liegen nur wenige Fälle vor. [H 21]

Gefährlichkeitsgrad: Wenig giftig (+), aber sensibilisierend      ?

Literatur:

H 12       Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

H 21       Hausen, B.M.: Allergiepflanzen - Pflanzenallergene. 332 S., ecomed Verlagsges., Landsberg, 1988

 

Mxx:         von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U., Bunjes, R., Brockstedt, M.: Vergiftungen im Kindesalter, 4. Aufl., Thieme Verlag Stuttgart, 2003

 

 

S 23       Schmid, R.: Halluzinogene aus Pflanzen. Naturw. Rdsch. 23, 5-18, 1970

 

 

R 35       Rätsch, Ch.: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen, Wiessenschaftl. Verl. Ges., Stuttgart, 941 S., 1998.

 

Therapie:  16

 

 

Erste Hilfe:

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen.

Bei anhaltenden Beschwerden Arzt aufsuchen. Kohlegabe nur nach Einnahme sehr großer Mengen.

 

 

Nach Hautkontakt: Mit Wasser und Seife abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.


 

Colutea arborescens L.

 

Gelber Blasenstrauch. E: Bladder senna. F: Baguenaudier. I: Vesicaria.

 

 

EDV-Code: CXIAR.

Familie: Fabaceae, Schmetterlingsblütler.

Verbreitung, Vorkommen: Mittelmeergebiet; in Mitteleuropa selten (Südwestdeutschland im Rheingebiet); Zierpflanze in Gärten und Parks.

Beschreibung: Reichverzweigter Strauch, bis 2 m hoch. Blätter gefiedert, 7-13 zählig, Blättchen kurz gestielt, breit elliptisch. Blütenstände blattachselständig, mit 2-8 gelben, rotbraun gezeichneten Blüten. Hülsen blasenförmig.

Blütezeit: Mai-August.

Droge: Folia Coluteae, Coluteae folium, Blasenstrauchblätter.

Gelegentlich werden Sennesblätter damit verfälscht.

Giftige Pflanzenteile: Samen und Blätter.

Hauptwirkstoffe: In Blättern und Hülsen Coluteasäure; in den Blättern und Samen ein chemisch noch nicht erforschter Bitterstoff. Im Samen ferner noch etwa 1 % Canavanin C5H12H4O3, Fp. 182-184 °C (dec.) [H 12].

In der Literatur wird verschiedentlich behauptet, dassß Colutea das Alkaloid Cytisin enthält. In neueren anderen Arbeiten wird das aber bestritten und ein noch nicht erforschter Bitterstoff für die laxierende Wirkung verantwortlich gemacht.

Canavanin

 

Vergiftungserscheinungen: Durchfall, gelegentlich Erbrechen.

Vergiftungen durch Zweige sind bei Tieren (Pferde) selten [L 10].

Gefährlichkeitsgrad: Giftig +

Vorschriften: Colutea arborescens steht in der Roten Liste unter den potentiell gefährdeten Pflanzen.

Literatur:

B 36       Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

F 16        Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

G 4         Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

H 12       Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

L 10        Liebenow, H., Liebenow, K.: Giftpflanzen. 248 S., 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1981

 

Mxx:         von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U., Bunjes, R., Brockstedt, M.: Vergiftungen im Kindesalter, 4. Aufl., Thieme Verlag Stuttgart, 2003

 

 

Therapie:  16

 

 

 

Erste Hilfe:

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen.

Bei anhaltenden Beschwerden Arzt aufsuchen.

 

 


 

Conium maculatum L.

 

Gefleckter Schierling. E: Hemlock. F: Ciguë tachée. I: Cicuta maggiore. NL: Gevlekte Scheerling.

 

 

EDV-Code: COIMA.

Familie: Apiaceae, Doldenblütler.

Verbreitung, Vorkommen: Asien, Europa, Nordafrika, in Mitteleuropa stellenweise fehlend; Ufergebüsche, Ruderalstellen, Wegränder.

Beschreibung: 2 jährige, bis 2 m hohe Pflanze mit blaubereiftem, meist rotbraun geflecktem, kahlem StengelStängel. Blätter 2- bis 3 fach gefiedert, Abschnitte fiederspaltig. Blüten unscheinbar, trübweiß, in 10-15 strahligen Dolden. Pflanze beim Zerreiben mit widerlichem, mäuseharnartigem Geruch.

Blütezeit: Juni-September.

Droge: Herba Conii (maculati), Conii maculati herba, Fleckenschierlingskraut.

Die im zweiten Jahr zur Blütezeit gesammelten, getrockneten Blätter und blühenden StengelStängelspitzen ohne dickere StengelStängel und Äste.

Giftige Pflanzenteile: Die ganze Pflanze. Beim Trocknen nimmt der Alkaloidgehalt nur langsam ab.

Hauptwirkstoffe: Gesamtalkaloidgehalt der Pflanze kurz vor der Reife ca. 2 %, besonders hohe Konzentrationen in den Früchten (bis 3,5 %). Durch das Trocknen verliert die Droge Alkaloide, so dassß getrocknetes Schierlingskraut nur noch 0,7 % enthält, die im Laufe der Zeit verringert werden.

2 Hauptalkaloide: Coniin (ca. 90 % des Gesamtalkaloidgehalts), γ-Conicein (ca. 9 % des Gesamtalkaloidgehalts), 3 Nebenalkaloide: Conhydrin, Pseudoconhydrin, Methylconiin.

Vergiftungserscheinungen: Schnelle und leichte Aufnahme durch die Schleimhäute und sogar durch die unverletzte Haut. Zuerst Brennen im Mund, Lähmung der Zunge und Erbrechen, danach aufsteigende Lähmung, Kälte und Gefühlslosigkeit, zuletzt Tod durch Atemlähmung, meist bei vollem Bewussßtsein. Als Dosis let. gelten beim Menschen oral 0,5-1 g Coniin

Ein 3 jähriges Kind, das eine unbekannte Menge Wurzeln gegessen hatte, erbrach 6 mal (Tachykardie 140/min.).

Aus den Erfahrungen der Beratungsstelle für Vergiftungserscheinungen, Berlin:

3 jähr. Mädchen zeigte nach einem1 Bissen von der Wurzel 6 mal heftiges Erbrechen, Puls 140/min., Mydriasis bei normaler Lichtreaktion [K 40].

Heu, das Schierling enthält, soll ungiftig sein. Vermutlich ist das flüchtige Alkaloid nach intensivem Trocknen in der Sonne großenteils verdunstet. Ob getrockneter Schierling nach dem Monographieentwurf längere Zeit wirksam ist, müssßte deshalb im Einzelfall überprüft werden. (Anm. d. Verf.)

Frischpflanzen werden von Tieren im allgemeinenAllgemeinen gemieden. Nach der Aufnahme werden die Alkaloide schnell resorbiert, und es sind folgende Symptome zu beobachten: Speicheln, glotzender Blick, Freßssunlust, Aussetzen des Wiederkäuens, Puls verlangsamt, dann beschleunigt, aufsteigende Lähmung,

Bbeim Erreichen des Atemzentrums Tod durch Atemlähmung.

Rinder und Schweine sind besonders gefährdet, während Schafe und Ziegen ziemlich resistent sein sollen. LD für Rinder 4 kg frische Pflanzen. Sauen werfen nach überstandener Vergiftung missßgebildete Ferkel.

Anwendung in der Homöopathie: D6-D12 bei Hypochondrie insbes. auf sexuellem Gebiet sowie bei nervösen Störungen durch unbefriedigten Trieb; D3-D6 bei Emphysem und Pruritus.

Gefährlichkeitsgrad: Sehr stark giftig +++

Vorschriften: Conium maculatum: Monographie der Kommission D.

Kosmetikverordnung, Anlage 1, Nr. 99: Conium maculatum L. (Früchte, Pulver und Gemische) darf nicht beim Herstellen oder Behandeln von kosmetischen Mitteln verwendet werden.

Verbotener Stoff der Kosmetikverordnung v. 19. 6. 1985. Anlage 1: 99 Conium maculatum L. (Früchte, Pulver und Zubereitungen).

Literatur:

B 36        Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

C 2          Cappelleti, E.M.: Botanical identification of anise and hemlock fruits in powdered drug samples. Planta medica 39, 88-94, 1980

 

 

F 16         Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

G 4          Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

H 12        Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

H 18        Hapke, H.J.: Toxikologie für Veterinärmediziner. 408 S., Enke Verl., Stuttgart, 1975

 

 

K 40        Krienke, E.G., von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U.: Vergiftungen im Kindesalter, 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1986

 

 

K 48        Krienke, E.G., Mühlendahl, K.E. v.: Akzidentelle Vergiftungen durch Pflanzen. Notfallmedizin 4, 486-495, 552-559, 619-627, 1978

 

 

K 48L10   Liebenow, H., Liebenow, K.: Giftpflanzen. 248 S., 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1981

 

 

M 1          Macura, P.: Elsevier's Dictionary of Botany I, Plant names. Amsterdam, Oxford, New York, 1979

 

 

M 2          Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Bd. I-III, G. Thieme Verlag, Leipzig, 1938

 

 

M 27        Mezger, J.: Gesichtete Homöopathische Arzneimittellehre. 2. Ausgabe, Karl F. Haug Verlag, Saulgau, 1951

 

Mxx:         von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U., Bunjes, R., Brockstedt, M.: Vergiftungen im Kindesalter, 4. Aufl., Thieme Verlag Stuttgart, 2003

 

R 10        Roberts, M.F.: An alkaloid from Conium maculatum. Planta medica 38, 216, 1980

 

Therapie:  14

 

 

 

Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Sofort Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen. Magenentleerung (Ipecac) auch im Verdachtsfall, danach (wiederholte) Kohlegabe und Natriumsulfat.

Nach Hautkontakt: Sofort mit Wasser und Seife abwaschen. Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

 

 


 

Consolida regalis S.F. Gray

 

(Delphinium consolida L.)

Feld-Rittersporn. E: Forking larkspur, Branching larkspur. F: Daphinette consoude. I: Speronella consolida. NL: Veldridderspoor.

 

 

EDV-Code: CNSRE.

Familie: Ranunculaceae, Hahnenfußgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Europa, Kleinasien; Getreidefelder, Brachäcker; durch Herbizide seltener geworden.

Beschreibung: Einjährige, 20-40 cm hohe Pflanze. Blätter wechselständig, 2-3 fach geteilt, mit langen Zipfeln. Blüten blauviolett, mit 5 Blütenhüllblättern, das obere gespornt, in lockeren Trauben. Balg ca. 2 cm lang.

Blütezeit: Mai-August.

Droge: Semen Calcatrippae, Calcatrippae semen, Ritterspornsamen.

Geschmack scharf und bitterlich.

Flores Delphinii consolidae (Flores Calcatrippae), Ritterspornblüten.

Giftige Pflanzenteile: Alle Pflanzenteile, besonders die Samen.

Hauptwirkstoffe: Die Samen enthalten 1 % Alkaloide. Die wichtigsten sind Delcosin C24H39NO7, Delsonin C24H41NO6, Lycoctonin C25H41NO7. In den Blüten Delphinin, ein blaues Anthocyanglykosid; Aglucon Delphinidin (C15H11Cl O7) Im Kraut soll Calcatrippin enthalten sein.

Vergiftungserscheinungen: Übelkeit, Herzrhythmusstörungen, Erregung, Krämpfe, Atmungslähmung, Schock. Wirkung aconitinähnlich, aber schwächer.

In größeren Mengen besonders für Rinder giftig. Die Folgen sind Speichelflussß, Gastroenteritis, Bewegungsstörungen, selbst Tod durch Atemlähmung. Durch den starken Rückgang der Pflanze sind Vergiftungen kaum noch möglich [H 18].

Gefährlichkeitsgrad: Giftig +

Vorschriften: Delphinii flos: Monographie der Kommission E.

Literatur:

B 36       Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

F 16        Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

G 4         Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

H 12       Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

H 18       Hapke, H.J.: Toxikologie für Veterinärmediziner. 408 S., Enke Verl., Stuttgart, 1975

 

 

L 10        Liebenow, H., Liebenow, K.: Giftpflanzen. 248 S., 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1981

 

Therapie:  16

 

 

 Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Kohlegabe. Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

 


 

Convallaria majalis L.

 

Maiglöckchen. E: Lily of the valley. F: Muguet. I: Mughetto, Giglio delle convalli. NL: Lelietje-van-Dalen.

 

 

EDV-Code: CNKMA.

Familie: Liliaceae (Convallariaceae), Liliengewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Europa, Nordasien, Nordamerika; in Mitteleuropa häufig in schattigen Laubwäldern.

Beschreibung: Ca. 30 cm hohe Pflanze mit kriechendem Wurzelstock, StengelStängel mit 2 elliptischen, parallelnervigen Blättern. Blüten glockenförmig, weiß, duftend, in einseitswendiger Traube. Beere erbsengroß, rot.

Blütezeit: April-Mai.

Beeren: Juli-August.

Droge: Herba (Folia) Convallariae (majalis), Convallariae herba (folium), Maiglöckchenkraut.

Die getrockneten, während der Blütezeit gesammelten oberirdischen Teile der Pflanze. Das Kraut ist geruchlos. Geschmack süßlich-bitter, etwas scharf.

Auszug aus der Monographie der Kommission E: Convallariae herba (Maiglöckchenkraut).

Gegenanzeigen: Therapie mit Digitalis-Glykosiden; Kalium-Mangelzustände.

Nebenwirkungen: Übelkeit, Erbrechen, Herzrhythmusstörungen.

Giftige Pflanzenteile: Alle Pflanzenteile, besonders Blüten und Frucht.

Hauptwirkstoffe: Der Gesamtglykosidgehalt von Drogen verschiedener europäischer Herkunft schwankt zwischen 0,12 % und 0,68 %. Späte Ernte bringt höchsten Glykosidgehalt. 38 Glykoside wurden in der Pflanze gefunden, die sich von 9 Aglykonen ableiten lassen.

Convallatoxin (Strophanthidin-β-L-rhamnosid) C29H42O10, Fp. 236-242 °C;

Convallatoxol (Strophanthidol-β-L-rhamnosid) C29H44O10, Fp. 170-172 °C;

Convallosid (3-[D-Glucosido-L-rhamnosido]-strophanthidin) C35H52O15+2H2O, Fp. 201-205 °C;

Desgluco-cheirotoxin (Substanz C1; B3; Komponente VI; Strophanthidin-3-β-gulomethylosid) C29H42O10, Fp. 184-185 °C, [H 12].

Vergiftungserscheinungen: Bei Berührung Haut- und Augenreizung. Bei Aufnahme durch den Mund Übelkeit, Durchfall, Herzrhythmusstörungen, Schwindel, Brustbeklemmung. Zunächst hoher Blutdruck, rascher Puls; später verminderter Blutdruck, sehr langsame und tiefe Atmung, schließlich Herzstillstand.

Nach GenußGenuss von 1-5 Beeren sind höchstens kurzzeitige Sinusarrhythmien beobachtet worden, meist keine Symptome. Bei größeren Mengen mussß wie bei einer Überdigitalisierung behandelt werden. Digitalisglykoside.

Aus den Erfahrungen der Beratungsstelle für Vergiftungserscheinungen, Berlin:

In der Regel wurden Beeren ingestiert: gastrointestinale Erscheinungen als Folge; nur in zwei Fällen wurde bei unbekannter Menge Beeren eine leichte Sinusarrhythmie beobachtet. Beim Kauen der Blätter wurden 3 mal Erbrechen, 2 mal Durchfall beobachtet.

Nach Weilemann sind durch Beeren, Blüten und Blätter vorwiegend Ein- bis Dreijährige gefährdet. Bei mehr als einer halben Handvoll Beeren sollte der Arzt eingreifen. Die Beschwerden bei Kindern sind Erbrechen und Durchfall (90 %) und Schwindel (20 %).

Schwere Vergiftungen bei Tieren können bei der Waldmast auftreten. Auch Geflügel ist gefährdet.

Anwendungen in der Homöopathie: D2 bei nervösen Herzstörungen ohne erkennbare Praeinsuffizienz; Tbl. 0,25 g bei Herzschwäche; Herzinsuffizienz mit Oedemen.

Gefährlichkeitsgrad: Sehr stark giftig +++

Vorschriften: Die Pflanze steht unter Naturschutz.

Convallaria majalis: Monographie der Kommission D.

Convallariae herba: Monographie der Kommission E.

Literatur:

B 36       Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

D 9         DHU (Deutsche Homöopathie-Union): Homöopathisches Repetitorium. Karlsruhe, 1992

 

 

F 16        Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

G 4         Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

H 12       Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

H 33       Hölzl, J., Franz C.: Drogenertrag und Glykosidgehalt im Verlauf der Vegetation kultivierter Convallaria majalis L. Planta medica 24, 378-385, 1973

 

 

K 30       Kopp, B., Kubelka, W.: Neue Cardenolide aus Conavallaria majalis. Planta medica 45, 195-202, 1982

 

 

K 40       Krienke, E.G., von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U.: Vergiftungen im Kindesalter, 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1986

 

 

L 10        Liebenow, H., Liebenow, K.: Giftpflanzen. 248 S., 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1981

 

 

M 2         Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Bd. I-III, G. Thieme Verlag, Leipzig, 1938

 

 

M 3         Madaus, G.: Rezeptiertaschenbuch, 8. Aufl., Verlag Dr. Madaus & Co., Radebeul, 1940

 

Mxx:         von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U., Bunjes, R., Brockstedt, M.: Vergiftungen im Kindesalter, 4. Aufl., Thieme Verlag Stuttgart, 2003

 

R 9         Ritter, S.: „Mein Kind hat rote Beeren gegessen...”. Dtsch. Apoth. Ztg., 127, 1377-1382, 1987

 

 

R 30       Röder, E., Bourauel, Th.: Pyrrolizidine alkaloids from Melampyrum pratense. Natural Toxins, 35-37, 1992

 

 

S 4         Schenk, B., Junior, P., Wichtl, M: Cannagenol-3-a-L-rhamnosid und Cannogenol-3-0-b D-allomethylosid, zwei neue Cardenolidglykoside aus Convallaria majalis. Planta medica 40, 1-11, 1980

 

 

S 7         Schilcher, B.: Giftpflanzenberatung - eine lohnende Aufgabe für den Apotheker. PZ 24, 9-15, 1988

 

Therapie:  14

 

Erste Hilfe:

Sofort Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

Nach Verschlucken von bis zu 3 Beeren: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen.

Nach Verschlucken von mehr als 3 Beeren oder vielen Blättern: Magenentleerung (Ipecac), immer Kohlegabe.


 

Cornus sanguinea L.

 

Roter Hartriegel. E: Common dogwood, Dogberry. F: Cornouiller sauvage. I: Corniolo sanguinello. NL: Rode kornoelje.

 

 

EDV-Code: CRWSA.

Familie: Cornaceae, Hartriegelgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Europa. In Mitteleuropa verbreitet, im Norden zerstreut. An Waldrändern, trockenen Abhängen, an Ufern und Gebüschen.

Beschreibung: 2-5 m hoher Strauch, mit blutroten Zweigen. Blätter eiförmig bis elliptisch, gegenständig, hellgrün, im Herbst rot. Blüten weiß, duftend, in schirmförmigen Blütenständen. Steinfrüchte 5-8 mm, schwarz-violett, weiß punktiert.

Blütezeit: Mai-Juni.

Früchte: August-Herbst (Winter).

Als häufige Zierpflanze: Cornus sericea L. (Cornus stolonifera Michx.) - Weißer Hartriegel.

Giftige Pflanzenteile: Früchte und Blätter. Für Kinder sind die Früchte besonders verlockend.

Hauptwirkstoffe: In Blüten und Blättern ein Flavonglykosid, Gallus- und Ellagsäure. Im frischen Blätterdestillat Salicylsäure. Wurzel und Zweige enthalten Verbenalin. In der frischen Frucht ein Anthocyankomplex [H 12].

Vergiftungserscheinungen: Die als giftverdächtig geltenden Früchte sind roh fast ungenießbar und können bei Kindern höchstens eine Gastroenteritis bewirken [K 40].

Wirkungen auf die Haut: Reizerscheinungen treten nach Berührung der Blätter an empfindlichen Hautstellen auf. Die Wirkung ist den mit Calciumcarbonat inkrustierten Blatthaaren zuzuschreiben.

Gefährlichkeitsgrad: Früchte ungenießbar, höchstens schwach giftig (+), leicht hautreizend.

Literatur:

F 16        Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

H 12       Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

K 40       Krienke, E.G., von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U.: Vergiftungen im Kindesalter, 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1986

 

 

L 10        Liebenow, H., Liebenow, K.: Giftpflanzen. 248 S., 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1981

 

Mxx:         von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U., Bunjes, R., Brockstedt, M.: Vergiftungen im Kindesalter, 4. Aufl., Thieme Verlag Stuttgart, 2003

 

 

Therapie:  16

 

 

 

Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen.

Bei anhaltenden Beschwerden Arzt aufsuchen.

 

Nach Hautkontakt: Mit Wasser und Seife abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.

 


 

Coronilla varia L.

 

Bunte Kronwicke. E: Crown-vetch. F: Coronille bigarrée. I: Cornetta ginestrina. NL: Bont kroonkruid.

 

 

EDV-Code: CZRVA.

Familie: Fabaceae, Schmetterlingsblütler.

Verbreitung, Vorkommen: Süd- und Mitteleuropa; sehr häufig, Wiesen, Wegränder, Abhänge.

Beschreibung: Niederliegende, krautige Pflanze, bis 1 m lang. Blätter unpaarig gefiedert, Teilblättchen (11-15) länglich oder verkehrt eiförmig. Blüten in Doldentrauben, Fahne rosa, Schiffchen weiß.

Blütezeit: Juni-September.

Eine weitere giftige Coronilla-Art [E 12]: Coronilla scorpioides (L.) W. D. J. Koch (Staude, Verbreitung: Mittelmeergebiet).

Giftige Pflanzenteile: Ganze Pflanze, besonders die Samen.

Hauptwirkstoffe: Coronilla-Glykoside mit digitalisartiger Wirkung, Psoralen.

Vergiftungserscheinungen: Übelkeit, Erbrechen, Würgen, Diarrhoen, Krämpfe, kann auch zum Tode führen.

Betroffen sind meistens Tiere, Wiederkäuer weniger, da diese in der Lage sein sollen, die Giftstoffe abzubauen.

Gefährlichkeitsgrad: Giftig +

Literatur:

B 36       Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

E 12       Enke, F., Buchheim, G., Seybold, S.: Zander Handwörterbuch der Pflanzennamen. 14. Aufl., 810 S., Verl. Eugen Ulmer, Stuttgart, 1993

 

 

F 16        Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

G 4         Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

H 12       Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

Mxx:         von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U., Bunjes, R., Brockstedt, M.: Vergiftungen im Kindesalter, 4. Aufl., Thieme Verlag Stuttgart, 2003

 

 

Therapie:  16

 

 

 

Erste Hilfe:

 

Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

Nach Verschlucken von bis zu 3 Samenhülsen oder 4 Blättern: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen.

Nach Verschlucken größerer Mengen und kurzer Latenz: Magenentleerung (Ipecac), immer Kohlegabe.

 


 

Corydalis cava (L.) Schweigg. et Koerte

 

Hohler Lerchensporn. E: Hollow root. F: Corydale bulbeuse. I: Colombina cava.

 

 

Familie: Papaveraceae (offincin’ceae), Mohngewächse (Erdrauchgewächse).

Verbreitung, Vorkommen: Europa; in Mitteleuropa stellenweise häufig, im Nordwesten selten; Auwälder, Gebüsche, Hecken.

Beschreibung: Ausdauernde, krautige, bis 30 cm hohe Pflanze, mit hohler Knolle, 2 Blätter am Stäengel. Blätter doppelt 3 spaltig, wechselständig, gestielt. Blüten zweiseitig symmetrisch, rot oder weiß, in endständiger Traube. Hochblätter ganzrandig. Kapsel vielsamig. Blütezeit: März-Mai.

Von ähnlichem Aussehen und Wirkung ist Corydalis solida (L.) Clairv., Gefingerter Lerchensporn (Knolle nicht hohl).

Droge: Tubera Aristolochiae cavae, Aristolochiae cavae tuber (Rhizoma Corydalidis cavae), Lerchensporn(wurzel)knolle.

Geruchlos, Geschmack bitter.

Giftige Pflanzenteile: Alle Pflanzenteile, besonders alkaloidreich ist die Knolle.

Hauptwirkstoffe: Je nach Standort variierend. In der Knolle (getrocknet) 5-6 %, (frisch) über 2 % Alkaloide. Der höchste Alkaloidgehalt wurde beim Beginn der Blütezeit festgestellt. Hauptalkaloid ist das Corydalin mit ca. 20 weiteren Verbindungen, u. a. Bulbocapnin, Corybulbin, Isocorybulbin, Corypalmin, Tetrahydropalmatin.

Vergiftungserscheinungen: Bulbocapnin erzeugt eine katalepsieartige Bewegungsarmut bis hin zur Aufhebung der willkürlichen und reflektorischen Bewegungen ohne Erstarrung der Muskulatur. Die Aufnahmefähigkeit für sensible Reize bleibt erhalten. Eine größere Dosis wirkt außerdem hypnotisch. Tetrahydropalmatin besitzt nach neueren Untersuchungen sedativ-tranquillierende Eigenschaften.

Gefährlichkeitsgrad: Giftig +

Da die Knolle tief im Erdreich sitzt, ist die Vergiftungsgefahr gering.

Vorschriften: Corydalis cava: Monographie der Kommission D.

Literatur:

B 36       Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

F 16        Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

G 4         Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

H 12       Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

M 2         Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Bd. I-III, G. Thieme Verlag, Leipzig, 1938

 

 

N 2         Nahrstedt, A.: Drogen und Phytopharmaka mit sedierender Wirkung. Ztschr. f. Phytother. 6, 101-109, 1985

 

 

V 6         Verzár-Petri, G. et al.: Biosynthesis of main alkaloids in Corydalis cava. Planta medica 38, 290, 1980

 

Therapie:  14

 

Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Kohlegabe. Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

 


 

Cotoneaster Medicus-Arten

 

Zwergmispel-Arten. E: Cotoneaster. F: Néflíer-cotonnier. I: Cotognastro.

 

 

Familie: Rosaceae, Rosengewächse.

Beschreibung: Zahlreiche Zwergmispelarten haben als Strauch oder Bodendecker Eingang in unsere Gärten gefunden. Es sind aufrechte oder niederliegende Sträucher mit kleinen, weißen bis rötlichen Blüten. Die Blätter mancher Arten sind winterhart. Besonders attraktiv sind die roten, selten schwarzen beerenartigen Scheinfrüchte, die bei einigen Arten noch im Winter zu finden sind. Heimat der angepflanzten Ziersträucher ist China und das Himalaya-Gebiet.

Häufige bodendeckende Arten:

Cotoneaster praecox Bois et Berthault, Buchsblättrige Zwergmispel (1772 ppm HCN/100 g Trockenfrüchte).

Cotoneaster horizontalis Decne., Fächer-Zwergmispel.

Cotoneaster microphyllus Wall. ex Lindl., Kleinblättrige Zwergmispel.

Cotoneaster dammeri Schneid., Teppich-Zwergmispel.

Häufige aufrechte Arten:

Cotoneaster franchetii Bois, Franchets Zwergmispel.

Cotoneaster multiflorus Bunge, Reichblütige Zwergmispel.

Cotoneaster salicifolius Franch., Weidenblättrige Zwergmispel.

Cotoneaster integerrimus Medik., Gemeine Zwergmispel, wildwachsend und kultiviert (15 ppm HCN/100 g Trockenfrüchte).

Wirkstoffhaltige Pflanzenteile: Die ganze Pflanze, besonders die Früchte, da diese für Kinder sehr verlockend sind.

Hauptwirkstoffe: In Blättern, Rinde und Blüten ist Prunasin enthalten, in den Früchten außerdem Amygdalin. Der Glykosidgehalt der Früchte ist aber geringer. Die cyanogenen Glykoside sind mehr im Fruchtfleisch, weniger in den Samen zu finden.Frohne geht davon aus, daßss Mengen ab 20 mg HCN/100 g frischen Pflanzenmaterials als gefährlich anzusehen sind. Die meisten Cotoneaster-Arten enthalten jedoch sehr viel weniger HCN.

Vergiftungserscheinungen: Selbst beim Verzehr größerer Mengen an Zwergmispelfrüchten sind Symptome einer Blausäurevergiftung nur in abgeschwächter Form zu erwarten

Durch Verzehr zahlreicher Früchte, besonders bei Kindern, kann es zu Brennen im Mund, Lippenschwellung und Gastroenteritis kommen.

Aus den Erfahrungen der Beratungsstelle für Vergiftungserscheinungen, Berlin:

7 jähr. erbrach nach unbekannter Menge Früchten mehrfach, Übelkeit, kurzfristig Kollaps [K 40].

Nach Weilemann sind durch die Früchte vorwiegend Ein- bis Dreijährige gefährdet. In 10 % aller Fälle traten Magen- und Darmbeschwerden (64 %), Fieber (18 %), andere Symptome (18 %) auf. Die Ursache des Fiebers ist unklar.

Gefährlichkeitsgrad: Wenig giftig (+)

Literatur:

B 36       Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

F 16        Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

G 4         Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

J 5          Jaspersen-Schib, R.: Giftpflanzen aktuell - Herbst. Dtsch. Apoth. Ztg., 124, 2321-2327, 1984

 

 

K 40       Krienke, E.G., von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U.: Vergiftungen im Kindesalter, 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1986

 

Mxx:         von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U., Bunjes, R., Brockstedt, M.: Vergiftungen im Kindesalter, 4. Aufl., Thieme Verlag Stuttgart, 2003

 

R 9         Ritter, S.: „Mein Kind hat rote Beeren gegessen...”. Dtsch. Apoth. Ztg., 127, 1377-1382, 1987

 

Therapie:  16

 

 

Erste Hilfe:

 

Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

Nach Verschlucken von bis zu 10 Beeren: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen.

Nach Verschlucken von 10 bis 20 Beeren: zusätzlich Kohlegabe.

Ab 20 Beeren: bei kurzer Latenz Magenentleerung (Ipecac), danach Kohlegabe.

 

 


 

 Cotyledon orbiculata L.

 

E: Pig’s ear. F: Cotylédon.

 

Cotyledon orbiculata

 

Familie: Crassulaceae, Dickblattgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Heimat: Südafrika. Selten als Zierpflanze.

Beschreibung: Bis 80 cm hoher sukkulenter Strauch. Blätter gegenständig, rundlich bis verkehrt eiförmig, fleischig, mit wachsartigem Überzug. Blüten rot, in Trugdolden.

Blütezeit: Juli-August.

Ebenfalls als seltene Zierpflanze, Cotyledon decussata Sims.

Giftige Pflanzenteile: Die ganze Pflanze, besonders die Blätter.

Hauptwirkstoffe: Cotyledontoxin C32H28O7 (farblose, bittere, kristalline Substanz).

Cotyledontoxin

 

Vergiftungserscheinungen: In Südafrika verursacht die Pflanze beim Vieh, besonders bei Ziegen und Schafen, die „Krimpsiekte” oder „Cotyledonosis”. Menschen, die Fleisch von vergiftetem Vieh gegessen haben, können ebenfalls erkranken. Cotyledontoxin wirkt auf das Nervensystem; es treten Krämpfe und Lähmungen auf. Bei Versuchen am Tier zeigt Cotyledontoxin digitalisartige Wirksamkeit in abgeschwächter Form sowie Reizungen des Vagus und Atemzentrums [K 27].

Anwendungen in der Homöopathie: Bei Epilepsie und Herzbeschwerden.

Gefährlichkeitsgrad: Stark giftig ++

Literatur:

H 12       Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

K 27       Koenen, E.: Heil- und Giftpflanzen in Südafrika. 272 S., Windhoek: Akademischer Verlag, Stuttgart, Stuttgarter Verlagskontor, 1978

 

 

R 35       Rätsch, Ch.: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen, Wiessenschaftl. Verl. Ges., Stuttgart, 941 S., 1998.

 

Therapie:  14

 

 

Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Kohlegabe. Sofort Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

 


 

Crocus sativus L.

 

Echter Safran. E: Saffron. F: Safran. I: Zafferano vero. NL: Safraan.

EDV-Code: CVOSA.

Familie: Iridaceae, Schwertliliengewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Südlicher Balkan, Kleinasien, Persien. Kultiviert in Südeuropa.

Kultur: Spanien, Italien, Griechenland, Marokko, Iran, Kaschmir (Indien), Pakistan (Versuche), Volksrepublik China, Aserbeidschan, Safranbolu (Türkei), Holland (Knollenzucht), Mund (Wallis), nahe Orléans (Frankreich), seit 1992 nach 550 Jahren Rekultivierung in Ilbesheim (Rheinland-Pfalz).

Beschreibung: Aus der von netzfaserigen Scheidenresten umgebenen Knolle (sog. Knollzwiebel), bilden sich schmallineale Blätter und eine oder mehrere Blüten, die aus 6 blaßssvioletten Perigonblättern bestehen und zu einer ca. 15 cm langen Röhre verwachsen sind. Der aus dem Inneren kommende Griffel teilt sich in 3 Narbenschenkel, die aus der Blüte herausragen.

Blütezeit (Mitteleuropa):

September-Oktober.

Droge: Stigmata Croci, Croci stigma, Safran.

Die Droge stellt die getrockneten etwa 2 cm, aufgeweicht etwa 3-3,5 cm langen, am oberen freien Rand 3-4 mm breiten, gelbroten, zusammengedrückten Narbenschenkel dar [H 12]. Beim Kauen wird der Speichel orangegelb gefärbt.

Anmerkung: Um ~1 g Safran zu erhalten, benötigt man ca. 120-130 Krokusblüten. 0,1 g Safran färben 10 l Wasser noch deutlich gelb.

Auszug aus der Monographie der Kommission E:

Risiken: Bei einer maximalen Tagesdosis von 1,5 g sind bislang keine Risiken dokumentiert.

Die letale Dose beträgt 20,0 g, die Abortivdosis 10,0 g Safran.

Als Wirkungen bei der Anwendung der Droge als Abortivum wurden beobachtet:

Schwere Purpura nach 5 g Safran (in Milch aufgelöst) mit tiefschwarzer Nekrose der Nase bei einer Thrombozytopenie von 24000, einer Hypothrombinämie von 41 % und schwerem Kollaps mit Urämie [M 24].

Ansonsten: Erbrechen, Uterusblutungen, blutige Durchfälle, Haematurie, Blutungen der Nasen-, Lippen- und Lidhaut, ferner Schwindelanfälle, Benommenheit. Es kommt zu Gelbfärbung von Skleren, Haut und Schleimhaut, so daßdass ein Ikterus vorgetäuscht werden kann.

Hauptwirkstoffe: In den getrockneten Narbenschenkeln: Crocin, Picrocrocin, Safranal.

Crocin

 

Picrocrocin

 

Safranal

 

Vergiftungserscheinungen: Kleine Kinder: in großen Dosen schwere toxische Erscheinungen, die mit dem Tode enden können.

Nach einem kurzen Erregungsstadium folgt ein längeres der verminderten Reaktion. Im Erregungsstadium zeigt sich ein unbändiger Lachreiz. Im zweiten Stadium zeigen sich Beschleunigung des Pulses, Herzklopfen, Kopfweh, Schwindel, Hirnhyperämie, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Delirien, Sinnestäuschungen, anschließend Lethargie, Betäubung, Lähmung des Zentralnervensystems und schließlich Exitus.

Beim Pflücken von Safrannarben können Frauen ohnmächtig werden und Uterusblutungen bekommen, andere wieder geschwollene Hände und Beine.

Ausdünstungen: betäubende Wirkung auf das Gehirn, schlafbringend, erzeugen Kopfschmerzen, heitere Delirien und lähmen die motorischen Nerven. Blindheit. Eigentümlicher Orgasmus.

Nach längerem Crocus-Genussß Geburt ikterischer Kinder; auch Fruchtwasser und Plazenta-Inneres goldgelb verfärbt.

Nach Genussß einer stark safranhaltigen Soße in einem französischen Restaurant traten folgende Symptome auf: Unruhe, rascher, unregelmäßiger Puls, allgemeines Unwohlsein, unruhiger Schlaf. Nach etwa 15 Std. waren die Beschwerden, die symptomatisch behandelt wurden, abgeklungen [eigene Beob.].

Dosierung: Mittlere Einzeldosis 0,1 g, Jug. II.

Anwendungen in der Homöopathie: D3-D6 bei Menorrhagie, Metrorrhagie.

Crocus sativus wird von alters her als Färbepflanze verwendet. Zum Färben werden nur die Narben verwendet. Nach einer mündlichen Mitteilung an die Verfasser genügen 1 bis 2 Gramm Safran, um ein Kilo Wolle zu färben.

Gefährlichkeitsgrad: Giftig +

Vorschriften: Crocus sativus: Monographie der Kommission D.

Croci stigma: Monographie der Kommission E.

Literatur:

D 9          DHU (Deutsche Homöopathie-Union): Homöopathisches Repetitorium. Karlsruhe, 1992

 

 

C 19        Czygan, F.C.: Crocus sativus - Safran. Ztschr. f. Phytother. 7, 180-184, 1986

 

 

H 12        Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

K 9          Karsten, G., Weber, U., Stahl, E.: Lehrbuch der Pharmakognosie. 642 S., 9. Aufl., G. Fischer Verlag, Stuttgart, 1962

 

 

M 2          Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Bd. I-III, G. Thieme Verlag, Leipzig, 1938

 

 

M 24        Moeschlin, S.: Klinik und Therapie der Vergiftungen. 6. Aufl. 640 S., G. Thieme Verlag, Stuttgart, New York, 1980

 

Therapie:  14

 

 

 Erste Hilfe:

 

Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Kohlegabe.

 


 

Crocus vernus (L.) Hill und andere Crocus-Arten

 

Frühlings-Krokus. E: Purple crocus. F: Safran Printanier. I: Zafferano alpino.

 

Crocus spec.

 

Familie: Iridaceae, Schwertliliengewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Alpen, Voralpen verbreitet; Wiesen, Mulden, Gräben; in Gärten und Parks in zahlreichen Formen.

Beschreibung: 8-15 cm hohe Pflanze mit einer nährstoffreichen, unterirdischen Knolle, die von bräunlichen Niederblättern umhüllt ist. Blätter linealisch, schmal, so lang oder kürzer als die Blüte. Blüten 1 oder 2, weiß bis violett. Perigon in langer Röhre auslaufend. Fruchtkapsel bis 20 Samen.

Blütezeit: Februar-Mai.

Häufig kultivierte Arten:

Crocus flavus West.; Heimat: Ungarn, Balkan; gelb.

Crocus laevigatus Bory et Chaub.; Heimat: Griechenland, Kreta; purpurviolett.

Crocus speciosus M.B.; Heimat: Südrußssland, Vorderasien; violett.

Toxikologie Crocus sativus L.

 

Literatur:

Mxx:         von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U., Bunjes, R., Brockstedt, M.: Vergiftungen im Kindesalter, 4. Aufl., Thieme Verlag Stuttgart, 2003

 

 

Therapie:  14

 

 

 

 

Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen.

Bei anhaltenden Beschwerden Arzt aufsuchen.

 


 

Cyclamen persicum Mill.

 

Alpenveilchen. E: Ivy-leaved cyclamen. F: Cyclamen de Perse.

 

 

EDV-Code: CYZPE.

Familie: Primulaceae, Primelgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Heimat: Vorderer Orient, Kleinasien. Bei uns eine der beliebtesten Zimmerpflanzen.

Beschreibung: Ausdauerndes Kraut mit unterirdischer Knolle. Blätter grundständig, herzförmig, auf langen, rötlichblassen Stielen. Blattfarbe meist dunkelgrün mit heller Zeichnung. Blüte mit 5 nach hinten gebogenen Blütenblättern, die glatte, gefranste oder gewellte Ränder haben, an ca. 20 cm langen StengelStängeln. Blütenfarben: In den verschiedensten Farbvariationen, meist weiß, rot, lachsfarben oder auch zweifarbig.

Blütezeit: August-April.

Giftige Pflanzenteile: Vor allem die Knolle.

Der Saft der Knolle ist hautreizend. Schon bei ca. 0,2 g wirkt die Knolle giftig. 8 g gelten als tödliche Dosis.

Hauptwirkstoffe: Saponine, davon besonders das Triterpensaponin Cyclamin C56H96O29 in glykosidischer Bindung.

Vergiftungserscheinungen: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, starke Magenschmerzen, Blutzersetzung, Schweißausbruch, Kreislaufstörungen, Krämpfe, Atemlähmung. Beim Hantieren Kribbeln an den Händen. Nach Angabe einer Giftinformationszentrale aß ein Kind eine Blüte, ohne irgendwelche Symptome zu zeigen.

Auf Fische wirkt das Cyclamin ebenfalls toxisch. Schon geringe Konzentrationen betäuben und lähmen die Tiere, und das wissen zum Beispiel die Fischer auf Sizilien: Sie setzen das Gift zum Fischfang ein [G 27].

Gefährlichkeitsgrad: Giftig +

Literatur:

F 16        Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

G 27        Gugenhan, E.: Gift auf der Fensterbank. Kosmos 1, 27, 1985

 

 

H 12        Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

M 2         Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Bd. I-III, G. Thieme Verlag, Leipzig, 1938

 

Mxx:         von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U., Bunjes, R., Brockstedt, M.: Vergiftungen im Kindesalter, 4. Aufl., Thieme Verlag Stuttgart, 2003

 

Therapie:  14

 

 

Erste Hilfe:

Sofort Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

Nach Verschlucken von Blatt- oder Blütenteilen: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Zusätzlich Kohlegabe, wenn größere Mengen oder Teile der Knolle verschluckt wurden.

Bei größeren Mengen der Knolle und kurzer Latenz: Magenentleerung (Ipecac), danach Kohlegabe.

 

 


 

Cyclamen purpurascens Mill.

 

(Cyclamen europaeum auct. non L.)

Europäisches Alpenveilchen. E: Sowbread. F: Pain de pourceau. I: Ciclamino delle Alpi.

 

 

Familie: Primulaceae, Primelgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Europa in den Alpen und Karpaten; in lichten Wäldern und Gebüschen.

Beschreibung: Ausdauernde, 5-20 cm hohe, immergrüne Pflanze. Blätter nieren- bis herzförmig, mit silbriger Zeichnung, langgestielt, grundständig. Blüten karminrot, mit 5 zurückgeschlagenen Blütenblättern, einzeln, auf langen Stielen.

Blütezeit: Juni-September.

Anwendungen: Früher wurde Rhizoma Cyclaminis von Cyclamen purpurascens Mill. als drastisches Abführmittel verwendet.

Anwendungen in der Homöopathie: Nur bei Frauen D3-D15 Migräne, Menorrhagie, zu späte und aussetzende Regel, bei Rhinitis vasomotorica 2-3 Monate D15.

Wirkung etc: Cyclamen persicum Mill.

Gefährlichkeitsgrad: Giftig +

Vorschriften: Die Pflanze steht unter Naturschutz (A, CS, D, CH, I, YU, H). Sie ist in der Roten Liste unter den potentiell gefährdeten Pflanzen aufgeführt.

Cyclamen europaeum: Monographie der Kommission D.

Literatur:

D 9      DHU (Deutsche Homöopathie-Union): Homöopathisches Repetitorium. Karlsruhe, 1992

 

 

J 6       Jaspersen-Schib, R.: Giftige Zimmerpflanzen. Dtsch. Apoth. Ztg., 127, 1417-1423, 1987

 

Mxx:         von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U., Bunjes, R., Brockstedt, M.: Vergiftungen im Kindesalter, 4. Aufl., Thieme Verlag Stuttgart, 2003

 

Therapie:  14

 

 

 Erste Hilfe:

 

Sofort Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

Nach Verschlucken von Blatt- oder Blütenteilen: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Zusätzlich Kohlegabe, wenn größere Mengen oder Teile der Knolle verschluckt wurden.

Bei größeren Mengen der Knolle und kurzer Latenz: Magenentleerung (Ipecac), danach Kohlegabe.

 


 

Cytisus scoparius (L.) Link

 

[Sarothamnus scoparius (L.) Wimm. ex W.D.J. Koch]

Besenginster. E: Broom. F: Gênet à balais. I: Citiso scopario, Ginestra dei carbonai. NL: Bezemstruik, brem.

 

EDV-Code: SAOSC.

Familie: Fabaceae, Schmetterlingsblütler.

Verbreitung, Vorkommen: Europa, Vorderindien, Japan; in den Alpen fehlend; verbreitet auf Lehm- und Sandböden; auf Heiden, an Waldrändern, Waldlichtungen.

Beschreibung: Strauch bis 2 m hoch. Blättchen meist 3 zählig, mit kurzem Stiel, spiralständig. Blüten leuchtend gelb, ca. 2 cm lang, meist einzeln an Kurztrieben. Hülse flach mit schwarzen Samen.

Blütezeit: Mai-Juni.

Früchte: Juli-Winter.

Droge: Herba Spartii scoparii, Sarothamni (spartii) scoparii herba, Besenginsterkraut.

Die Ganzdroge besteht aus holzigen Sprossen mit Zweigen, Blättern und Blüten. Geschmack stark bitter.

Giftige Pflanzenteile: Die ganze Pflanze.

Hauptwirkstoffe: D-Spartein (Pachycarpin), Kp.1 135°C, L-Spartein (Lupinidin), Kp.1 135°C und

DL-Spartein C15H26N2, Kp.1 145°C,

ferner L-α-Isospartein („Genistein”) C15H26N2, Fp. 96-117°C, Oxyspartein, Sarothamnin C30H50N4, Fp. 173-174°C,

D-Lupanin, Fp. 44°C, L-Lupanin, Fp. 44°C und

DL-Lupinin C15H24N2O, Fp. 99°C,

Hydroxylupanin (Octalupin) C15H24N2O, Fp. 173-174°C (und Spuren anderer Alkaloide, Anm. d. Verf.) [H 12].

Vergiftungserscheinungen: Die Gesamtwirkung des Besenginsters bei oraler Anwendung wird durch die Alkaloide und das Scoparin bestimmt. Herz und Gefäße werden durch Spartein und auch Scoparin, wesentlich weniger durch D-α-Isospartein beeinflussßt. Spartein hemmt die pathologisch beschleunigte Reizbildung im Vorhof, dämpft die gesteigerte Reiz- und Erregbarkeit im Reizleitungssystem, verbessert den venösen Rückflussß, die Diastole wird verlängert. Spartein hat im Gegensatz zu Digitalis keinen inotropen und keinen diuretischen Effekt. Die Diurese wird vor allem durch Scoparin und die harzigen Substanzen gesteigert. Der isolierte Darm und der Uterus werden durch Spartein erregt. Die Tonuszunahme beim menschlichen Uterus ist nur in der Gravidität nachweisbar.

Vergiftungserscheinungen sind ähnlich der durch Nicotin. Beobachtet wurden Kreislaufkollaps mit Tachykardie und paralytischer Ileus, Erbrechen, Durchfall, Schwindel und Kopfschmerzen [H 12].

Eine therapeutische Anwendung ist während der Schwangerschaft kontraindiziert, da es beim graviden Uterus zu einer Tonussteigerung kommen kann. Auch bei Bluthochdruck sollte der Gebrauch wegen der leicht hypertonisierenden Wirkung unterbleiben [W13].

Eigenartig ist die Hemmung von Schlangengiften durch Spartein in vitro. Schafe, die Besenginster fressen, sind gegen Schlangengifte weniger empfindlich.

Ginster sollte nicht am Rande eines Goldfischteiches gepflanzt werden, da die Fische verenden können, wenn Samen ins Wasser fallen.

Gefährlichkeitsgrad: Giftig +

Vorschriften: Besenginsterkraut ist im DAC enthalten. Gehalt mind. 0,8 % Alkaloide, berechnet als Spartein und bezogen auf die getrocknete Droge.

Cytisus scoparius: Monographie der Kommission D.

Cytisi scoparii herba und C.s. flos: Monographie der Kommission E.

Literatur:

B 36         Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

G 4           Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

G 29         Gugenhan, E.: Giftiger Frühjahrsblüher. Kosmos 3, 27, 1985

 

 

F 16          Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

H 12         Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

Mxx:         von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U., Bunjes, R., Brockstedt, M.: Vergiftungen im Kindesalter, 4. Aufl., Thieme Verlag Stuttgart, 2003

 

 

S 45         Siegers, C.-P.: Toxikologie der Phytopharmaka. Ztschr. f. Phytother. 8, 110-113, 1987

 

 

W 13        Wichtl, M.: Teedrogen. 2. Aufl., 568 S., Wissensch. Verl., Stuttgart, 1989

 

Therapie:  16

 

 Erste Hilfe:

 

 

Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

Nach Verschlucken  von mehr als 5 Samen: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Ab 10 Samen Magenentleerung (ipecac), danach Kohlegabe.

 


 

 

Daphne cneorum L.

 

Heideröschen, Rosmarinseidelbast. E: Garland-flower. F: Petit thymélée. I: Dafne odorosa.

 

 

Familie: Thymelaeaceae, Seidelbastgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Europa, vor allem in den Alpen; in Deutschland im Süden und Westen; trockene Wälder, Trockenrasen, Felshänge.

Beschreibung: 10-30 cm hoher Strauch, selten 1–2 m. Blätter immergrün, ledrig. Blüten wohlriechend, rot, kurzgestielt, in endständigen Büscheln. Beeren rotgelb.

Blütezeit: Mai-Juni.

Giftige Pflanzenteile: Alle Pflanzenteile. 10-12 Beeren gelten für Kinder als tödliche Dosis.

Hauptwirkstoffe: In den Laubknospen ca. 22 % Daphnin, Mezerein, ätherische Öle. Wird auch als Fischgift verwendet.

Vergiftungserscheinungen: Übelkeit, Erbrechen, Krämpfe, Schock, Lähmungen, Brennen im Mund, Blut im Stuhl, Nierenschäden, blutiges Erbrechen, verlangsamter Puls, Schwindelgefühl, Durst, Atemnot.

Gefährlichkeitsgrad: Sehr stark giftig +++

Vorschriften: Die Pflanze steht unter Naturschutz (A, CS, D, CH, I, YU, H). Sie gehört in der Roten Liste zu den stark gefährdeten Pflanzen.

Literatur:

B 36       Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

E 12       Enke, F., Buchheim, G., Seybold, S.: Zander Handwörterbuch der Pflanzennamen. 14. Aufl., 810 S., Verl. Eugen Ulmer, Stuttgart, 1993

 

 

F 16        Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

G 4         Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

H 12       Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

Therapie: 14

Siehe Daphne mezereum

 

 

 

 Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Kohlegabe. Sofort Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

 

Nach Hautkontakt: Sofort mit Wasser und Seife abwaschen.

Daphne mezereum L.

 

Gemeiner Seidelbast, Kellerhals. E: Mezereon. F: Mézeréon, Bois-jentil. I: Dafne mezereo.

 

Blüten

 

 

Früchte

 

EDV-Code: DAPME.

Familie: Thymelaeaceae, Seidelbastgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Europa, Kleinasien, Nordasien; in Mitteleuropa zerstreut im mittleren und südlichen Teil; schattige feuchte Wälder; Zierstrauch in Gärten.

Beschreibung: Strauch, bis 1,50 m hoch. Blätter verkehrteiförmig, ganzrandig, hellgrün, kurzgestielt. Blüten röhrig, 4 teilig, rot, selten weiß, vor den Blättern erscheinend. Beeren eiförmig, scharlachrot.

Blütezeit: Februar-April.

Früchte: Juni-August.

Droge: Cortex Mezerei, Mezerei cortex, Seidelbastrinde.

Vor dem Blühen gesammelte Rinde der Stämme und dickeren Zweige.

Giftige Pflanzenteile: Alle Pflanzenteile, besonders die roten Beeren und die Rinde. Für Erwachsene gelten 10-12 Beeren als tödlich, für Kinder entsprechend weniger. Die Samen sind ganz besonders giftig. Der Giftgehalt wird durch Trocknung nicht beeinflußsst.

Hauptwirkstoffe: Daphnin (7-Glucosido-7,8-dioxycumarin) C15H16O9,

Umbelliferon, 0,02 % Daphnetoxin, Fp. 194-196°C, Mezerein C38H38O10, Fp. 265-269°C (hautreizend und cocarcinogen).

Mezerein

 

Vergiftungserscheinungen: Niesen, Übelkeit, Fieber, Krämpfe, Lähmungen, Nierenschädigung, Schock, Gastroenteritis mit Nekrose der Magenschleimhaut, zuletzt Kreislaufkollaps.

Aus den Erfahrungen der Beratungsstelle für Vergiftungserscheinungen, Berlin:

Ein 18 jähr. zeigte einen geröteten Mund, nachdem er einen Zweig im Mund hatte.

2 jähr., der max. 3 Blätter aß, war 24 Std. später apathisch, erbrach mehrfach und hatte enge Pupillen.

Bei einem 1½1/2 jähr. wurden Benommenheit und Krämpfe beobachtet [K 40].Mxx

Bei Tieren besondere Gefährdung von Schwein, Rind und Pferd. Tödliche Dosis beim Schwein 3-5 Beeren, beim Pferd

ca. 30 g Rinde [M 18].

Wirkungen auf die Haut: Bei äußerlicher Einwirkung (z.B. Auflegen der frischen Rinde oder Applikation des Saftes) Entzündung

der Haut: Rötung, Blasenbildung, bei längerer Einwirkung geschwüriger Zerfall der Haut.

Anwendungen in der Homöopathie: D3-D4 bei Ekzemen, Erythem, Pruritus, Impetigo, Herpes zoster, Neuralgien.

Gefährlichkeitsgrad: Sehr stark giftig +++

Weitere giftige Seidelbast-Arten [E 12]: D. alpina L.-Alpenseidelbast (Verbreitung: Gebirge in Mittel- und Südeuropa, Klein-Asien, Nordafrika). D. Laureola L.-Lorbeerseidelbast (Verbreitung: West-, Mittel-, Südeuropa, Nordafrika, Azoren).

Vorschriften: Die Pflanze steht unter Naturschutz (A, CS, D, CH, I, YU, H).

Daphne mezereum: Monographie der Kommission D.

Literatur:

B 36       Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

D 9         DHU (Deutsche Homöopathie-Union): Homöopathisches Repetitorium. Karlsruhe, 1992

 

 

E 12       Enke, F., Buchheim, G., Seybold, S.: Zander Handwörterbuch der Pflanzennamen. 14. Aufl., 810 S., Verl. Eugen Ulmer, Stuttgart, 1993

 

 

F 16        Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

G 4         Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

H 1         Habermehl, G.: Mitteleuropäische Giftpflanzen und ihre Wirkstoffe. 137 S., Springer Verlag, Heidelberg, 1985

 

 

H 12       Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

H 18       Hapke, H.J.: Toxikologie für Veterinärmediziner. 408 S., Enke Verl., Stuttgart, 1975

 

 

K 40       Krienke, E.G., von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U.: Vergiftungen im Kindesalter, 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1986

 

 

L 10        Liebenow, H., Liebenow, K.: Giftpflanzen. 248 S., 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1981

 

 

M 2         Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Bd. I-III, G. Thieme Verlag, Leipzig, 1938

 

 

Mxx:         von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U., Bunjes, R., Brockstedt, M.: Vergiftungen im Kindesalter, 4. Aufl., Thieme Verlag Stuttgart, 2003Mxx: von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U., Bunjes, R., Brockstedt, M.: Vergiftungen im Kindesalter, 4. Aufl., Thieme Verlag Stuttgart, 2003

 

R 9         Ritter, S.: „Mein Kind hat rote Beeren gegessen...”. Dtsch. Apoth. Ztg., 127, 1377-1382, 1987

 

 

S 6         Schilcher, B.: Giftpflanzenberatung besonders gefragt zur Fruchtreifezeit. PZ 44, 9-16, 1988

 

Therapie: 14

 

 

 

 Erste Hilfe:

 

Sofort Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Nach Zerbeißen von 1 Samen: Kohlegabe.

Bei 2 oder mehr Samen und kurzer Latenz: Magenentleerung (Ipecac) und danach Kohlegabe.

Nach Hautkontakt: Sofort mit Wasser und Seife abwaschen.


 

Daphne striata Tratt.

 

Steinröschen, Gestreifter Seidelbast, Alpenflieder. I: Dafne rosea.

 

 

Familie: Thymelaeaceae, Seidelbastgewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Mittel- und Südeuropa, Alpengebiet; Felsschutt, steinige Matten.

Beschreibung: Zwergstrauch, bis 35 cm hoch. Blätter immergrün, linealisch, keilförmig, büschelig an den Zweigenden. Blüten rosa, röhrig, 4 teilig in endständigen Büscheln. Beeren zuletzt bräunlich.

Blütezeit: Mai-Juni.

Vorschriften: Die Pflanze steht unter Naturschutz (A, D, CH, I, YU).

Giftwirkung etc. Daphne mezereum L.

Gefährlichkeitsgrad: Sehr stark giftig +++

 

Therapie: 14

 

Erste Hilfe:

 

Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Kohlegabe. Sofort Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

 

Nach Hautkontakt: Sofort mit Wasser und Seife abwaschen.


 

 

 

 

Datura stramonium L.

 

Gemeiner Stechapfel. E: Thorn apple. F: Stramoine. I: Stramonio comune. NL: Doornappel.

 

 

EDV-Code: DATST.

Familie: Solanaceae, Nachtschattengewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Europa, Asien, Afrika, Nordamerika; in Mitteleuropa zerstreut; Schuttplätze, Ödland, Wegränder.

Beschreibung: Einjährige, bis 1 m hohe krautige Pflanze. Blätter im Umrißss eiförmig, zugespitzt, Oberseite dunkelgrün, unten heller, buchtig gezähnt, gestielt. Blüten trichterförmig, 5 zipfelig, weiß, achsel- oder endständig. Kapsel stachelig, 4 fächrig. Samen braunschwarz, bis 3,5 mm lang.

Blütezeit: Juni-September.

Datura stramonium var. tatula (L.) Torr., Sprosse, Blattstiele und Blattnerven violett angelaufen, Blüten hellviolett, Früchte bestachelt.

In Südeuropa findet man gelegentlich die in subtropischen und tropischen Gebieten heimische Datura metel L. (D. alba Nees), Blütezeit Juni bis Juli. D. metel wird sowohl als Heilpflanze wie auch als halluzinogene Pflanze in ihren Heimatländern verwendet.

Droge: Folia (semen) Stramonii, Stramonii folium (semen), Stechapfelblätter, Stechapfelsamen.

Geruch der Blätter schwach, Geschmack schwach salzig und bitter. Der Samen riecht beim Zerreiben widerlich und schmeckt bitter und scharf.

Das Auftreten von Apoatropin und Tropanol wird als Anzeichen für alte oder unsachgemäß gelagerte Droge gewertet.

Auszug aus der Monographie der Kommission E: Stramonii folium (Stramoniumblätter)

Stramonii semen (Stramoniumsamen)

Risiken: Stramoniumblätter und -samen enthalten 0,1-0,6 % Alkaloide. Hauptalkaloide sind L-Hyoscyamin und L-Scopolamin.

Vergiftungsfälle mit tödlichem Ausgang sind beschrieben. Die Menge der applizierten Alkaloide bei der inhalativen Anwendung der Droge in Räucherpulvern und „Asthmazigaretten” ist unkalkulierbar.

Wegen der Rauschtauglichkeit der Droge ist die Gefahr eines Mißssbrauchs und der Abhängigkeit gegeben.

Giftige Pflanzenteile: Alle Pflanzenteile, besonders Wurzel und Samen. Mengen ab 0,3 g wirken giftig.

Hauptwirkstoffe: → L-Hyoscyamin, Atropin, → L-Scopolamin. Alkaloidgehalt je nach Standort und Witterung schwankend. Blätter im allgemeinen 0,2-0,5 %, Samen 0,3-0,5 %. Junge Pflanzen enthalten überwiegend Scopolamin, ältere überwiegend Hyoscyamin.

Vergiftungserscheinungen: Zunächst allgemeine Erregung von Heiterkeit bis Tobsucht, Sinnestäuschung, starke Hautreizung, Übelkeit, weite Pupillen, Sehstörungen, Benommenheit, zuletzt Atemlähmung.

Nach Weilemann treten häufig (75 %) Symptome auf. Sie sind ernster Natur (Pupille 45 %, Psyche 40 %, Bewussßtsein 10 %, Herz 20 %). Der Arzt sollte die Therapie sofort mit der Entleerung des Magen- und Darmtrakts beginnen.

Aus den Erfahrungen der Beratungsstelle für Vergiftungserscheinungen, Berlin:

9 Monate altes Kind bißss in 1 Blatt, nach 11/2 Std. Temperaturanstieg auf 38,6 °C, trockene Zunge, Mydriasis, euphorisch, nach 4 Std. klangen die Symptome ab, Kind war unauffällig [K 40].

Vergiftungen von Haustieren kommen nur selten vor, da diese weniger empfindlich gegen Stechapfel-Alkaloide reagieren als der Mensch. Die Vergiftungserscheinungen ähneln einer Tollkirschenvergiftung, bei der die Scopolaminvergiftung mit zentralnervösen Depressionen im Vordergrund steht [H 18].

Bei Pferden und Rindern Vergiftungen nach Sojaschrot mit 0,3 % und mehr Stechapfelsamen [L 10].

Manche Datura-Arten sind seit frühen Zeiten als Gifte und Rauschmittel verwendet worden. Sie haben besonders bei den Indianern Nord- und Südamerikas in religiöse und magische Riten Eingang gefunden. So z. B. Datura tatula L., die unter dem mexikanischen Namen Toloachi von Dorfhexen zu Racheakten verwendet wurde. Eine mehrmalige Vergiftung ruft eine Verblödung hervor.

Anwendungen in der Homöopathie: D3-D6 bei manischen Zuständen, Halluzinationen, Nymphomanie, Keuchhusten, Stottern.

Gefährlichkeitsgrad: Sehr stark giftig +++

Vorschriften: Datura stramonium: Monographie der Kommission D.

Stramonii folium/semen: Monographie der Kommission E.

Kosmetikverordnung, Anlage 1, Nr. 301: Datura stramonium L. und seine Gemische  dürfen nicht beim Herstellen oder Behandeln von kosmetischen Mitteln verwendet werden.

Verbotener Stoff der Kosmetikverordnung v. 19.6.1985. Anlage 1: 301 Datura stramonium L. und seine Zubereitungen.

Literatur:

B 36        Buff, W., v.d. Dunk, K.: Giftpflanzen in Natur und Garten, 352 S., Augsburger Druck- und Verlagshaus, Augsburg, 1980

 

 

D 9          DHU (Deutsche Homöopathie-Union): Homöopathisches Repetitorium. Karlsruhe, 1992

 

 

F 16         Frohne, D., Pfänder, H.J.: Giftpflanzen. 344 S., 3. Aufl., Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart, 1987

 

 

G 4          Geßner, O.: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 582 S., 3. Aufl., C. Winter-Verlag, Heidelberg, 1974

 

 

H 12        Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Aufl., 8 Bde., Hrsg.: P.H. List u. L. Hörhammer, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1967-1980

 

 

H 18        Hapke, H.J.: Toxikologie für Veterinärmediziner. 408 S., Enke Verl., Stuttgart, 1975

 

 

K 9          Karsten, G., Weber, U., Stahl, E.: Lehrbuch der Pharmakognosie. 642 S., 9. Aufl., G. Fischer Verlag, Stuttgart, 1962

 

 

K 40        Krienke, E.G., von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U.: Vergiftungen im Kindesalter, 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1986

 

 

L 10         Liebenow, H., Liebenow, K.: Giftpflanzen. 248 S., 2. Aufl., Enke Verlag, Stuttgart, 1981

 

 

M 2          Madaus, G.: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Bd. I-III, G. Thieme Verlag, Leipzig, 1938

 

 

M 12        Martinek, A.: Über ein unbekanntes, gut kristallisierbares Glycosid aus den getrockneten Blättern von Helleborus niger. Planta medica 24, 73-82, 1973

 

Mxx:         von Mühlendahl, K.E., Oberdisse, U., Bunjes, R., Brockstedt, M.: Vergiftungen im Kindesalter, 4. Aufl., Thieme Verlag Stuttgart, 2003

 

O 4          Oprach, F., Hartmann, Th.: Zur Rolle des Tropanols als Reinheitskriterium der Solanaceen-Drogen nach Ph. Eur. Dtsch. Apoth. Ztg. 126(13), 643-644, 1986

 

 

R 25        Reko, A.: Magische Gifte, Rausch- und Betäubungsmittel der Neuen Welt. 3. Auflage, Enke Verlag, Stuttgart, 1949

 

Therapie:  1

 

Erste Hilfe:

 Nach Verschlucken: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Kein Erbrechen auslösen. Kohlegabe.

Sofort Arzt oder Giftinformationszentrum anrufen.

Nach Hautkontakt: Sofort mit Wasser und Seife abwaschen. Bei andauernder Hautreizung Arzt aufsuchen.

Nach Augenkontakt: Bei geöffentem Lidspalt mindestens 10 Minuten mit viel Wasser spülen. Bei anhaltender Augenreizung Arzt aufsuchen.

 


 

 

Datura suaveolens Humb. et Bonpl. ex Willd.

 

Engelstrompete. E: Angel-tears datura, Angel’s trumpet. F: Stramoine odorante.

 

 

Familie: Solanaceae, Nachtschattengewächse.

Verbreitung, Vorkommen: Heimat: Brasilien; Kübelpflanze.

Beschreibung: Strauch, bis 5 m hoch, Blätter wechselständig, eiförmig mit gewelltem Rand. Blüten 20-30 cm lang, weiß, auch gelbrot, trompetentrichterförmig.

Blütezeit: August-Oktober.

Eine andere Zierpflanze ist Datura sanguinea Ruiz et Pav., die von Januar bis März blüht.

Weitere giftige Datura-Arten [E 12]

Name

 

WuchsformBlütezeit

 

Verbreitung

 

Datura aurea (Lagerh.)

Saff.

 

Strauch/Baum

7-9

 

Anden: Mittel-Kolumbien bis Süd-Kolumbien

 

Datura ceratocaula Ort.

 

Einjährige Pflanze

8

 

Mexiko

 

Datura ferox L.

 

Einjährige Pflanze

7-8

 

China, im Mittelmeergebiet eingebürgert

 

Datura innoxia Mill.

 

Einjährige Pflanze

8-10

 

Südwest-USA, Mexiko, Süd-Amerika,im Mittelmeergeb. u. nordöstl. USA

 

Datura metel

 

Einjährige Pflanze

6-9

 

Subtropisches u. tropisches Asien und Afrika, in vielen trop. u. subtrop Gebieten eingebürgert

 

Datura quercifolia H. B. K

 

Einjährige Pflanze

7

 

Texas bis New Mexiko, Nord-Mexiko